Wer am Samstagabend das Bundesligaspiel des FC Bayern München gegen RB Leipzig angeschaut hat, konnte an ein Minispiel des Konsolenklassikers „Mario Party“ denken: Don’t wake Wiggler!
Und so geht’s: Die Spieler müssen der Reihe nach die Raupe Wiggler streicheln, für jeden Streichler gibt’s einen Punkt, aber mit jedem Streichler steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Wiggler aufwacht und ausrastet. Und das Spiel vorbei ist.
Als der Stürmer Luis Díaz in der zwölften Spielminute das 1:0 für den FC Bayern schoss, ahnte man: RB Leipzig hat die Raupe Wiggler des deutschen Fußballs aufgeweckt.
In der Arena in München sind Díaz und seine Mitspieler danach auf ihre Art ausgerastet. Sie haben noch fünf Tore geschossen, das sogenannte Top-Spiel 6:1 gewonnen und fürs Erste die Tabellenführung übernommen (am Sonntag allerdings kann sie sich der SC Freiburg, die hippe Arbeitsbiene der Bundesliga, zurückholen).
Der Höhepunkt: Das 2:0 von Aleksandar Pavlović, als der Mittelstürmer Harry Kane sah, dass seine Mitspieler sich am eigenen Strafraum mit dem Spielaufbau schwertaten, deswegen dorthin sprintete, sich den Ball abholte und diesen sofort hoch und weit zu Díaz spielte, der dann am gegnerischen Strafraum zu Pavlović passte. Doch so entzückend die Tore von Diaz (12., 47. und 69. Minute), Pavlović (26.), Olise (34.) und Kane (53.) teilweise waren, so enttäuscht durfte man darüber sein, wie wenig überraschend es war, dass die Bayern am Samstag ausrasten konnten.
In der vergangenen Woche sind sie von zwei Gegnern gestreichelt worden, ohne dass sie aufgewacht und ausgerastet sind. Sowohl der FC Augsburg (2:2 in der Bundesliga) als auch Viking Stavanger (3:3 in der Champions League) sind mit ihren Streichlern davongekommen. Es war klar, dass die Kompany-Bayern ihren nächsten Gegner würden auffressen wollen. Und es war leider auch klar, dass Leipzig, das Team, das immerhin mit den zweitmeisten Toren (15) in diesen Spieltag gegangen ist, ein gefundenes Fressen war.
Am Ende des Spiels hatte die Mannschaft mit dem durchaus begabten Dreiersturm Antonio Nusa, Christopher Nkunku und Brajan Gruda 16 Ballkontakte im Strafraum der Bayern. Deren Torhüter Jonas Urbig, der Manuel Neuer (hat laut Trainer Vincent Kompany „etwas am Fuß gespürt“) ersetzte, musste in der 78. Minute das erste Mal einen Ball halten, weil davor keiner auf sein Tor gekommen war.
Und auch wenn in der Nachspielzeit doch noch einer in sein Tor ging (Torschütze: Andrija Maksimović), musste man nach dem ersten München-Besuch der Leipziger mit dem neuen Trainer Martín Demichelis, der noch unter der Verantwortung des alten Head of Global Soccer Jürgen Klopp verpflichtet wurde, zu dem Schluss kommen: 1:6 in München – das hätte Ole Werner auch noch hinbekommen.
Am kommenden Mittwoch wird in der Arena in München eine Mannschaft spielen, die mit RB Leipzig so viel Ähnlichkeiten hat wie ein Weißbüschelaffe mit einem Weißen Hai. Der Gegner in der Champions League: Der FC Arsenal, dessen Mannschaft sich unter dem Trainer Mikel Arteta von einer Raupe in einen Schmetterling verwandelt hat.