Ganzjahresreifen 225/45 R17 im Test: Pirelli vor Continental und Goodyear

Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) hat zusammen mit der Auto Zeitung, dem ACV Automobil-Club Verkehr und dem österreichischen ARBÖ zehn Ganzjahresreifen der Dimension 225/45 R17 getestet. Den Gesamtsieg holte der Pirelli Cinturato All Season SF 3, gefolgt vom Continental AllSeasonContact 2.

Der Pirelli überzeugte vor allem auf nasser und trockener Fahrbahn: Beim Nassbremsen aus 100 km/h kam das mit diesem Pneu bestückte Auto rund einen Meter früher zum Stehen als mit dem zweitbesten von Continental, auf trockener Fahrbahn lag sein Bremsweg sogar 1,3 Meter unter dem des in dieser Disziplin zweitplatzierten Bridgestone. Auch auf Schnee zeigte der Pirelli solide Leistungen.

Breite Preisspanne

Das Testfeld bestand aus fünf Premiumreifen (Bridgestone, Continental, Goodyear, Michelin, Pirelli), drei Quality-Marken (Falken, Hankook, Nokian) und zwei Budgetreifen (Giti, Linglong). Die Preispositionierung entsprach allerdings nur teilweise der Markteinstufung: Giti, Continental und Michelin kosteten in Stichproben jeweils über 500 Euro pro Satz. Der einzige deutlich günstigere Reifen in Test war der Linglong mit rund 325 Euro.

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Schneegrip, Nassperformance, Trockenbremsen

Die Winterprüfungen fanden im Februar 2026 auf verschneiten Strecken in Nordschweden statt, die Nass- und Trockentests im Mai unter sommerlichen Bedingungen in Spanien. Michelin erreichte auf Schnee ein Niveau, das laut GTÜ auch im Vergleich zu reinen Winterreifen hoch ausfällt, bei Regen und auf trockener Fahrbahn fielen die Ergebnisse aber mäßig aus, sodass es insgesamt für Platz vier reichte. Goodyear überzeugte bei Nässe, verlor aber Punkte durch längere Bremswege auf trockener Fahrbahn. Nokian zeigte eine sehr gute Nasshaftung, enttäuschte aber im Schnee. Bridgestone war auf trockener Fahrbahn stark, bei Nässe dagegen schwächer.

GTÜ Reifentest

Einige Anbieter leisten sich einen erheblichen Aufwand, um Ganzjahresreifen unter verschiedenen Bedingungen zu testen.

(Bild: GTÜ)

Falken bildete das Schlusslicht, vor allem wegen schwachem Grip auf Schnee. Der Reifen war das einzige Modell im Test mit asymmetrischem statt laufrichtungsgebundenem Profil. Die GTÜ merkte an, dass bereits ein Update verfügbar sei, das mehr Schneegrip bieten soll. Ein genereller Nachteil asymmetrischer Profile lässt sich daraus aber nicht ableiten, entscheidend bleiben Gummimischung, Lamellierung und Profilauslegung.

Alpine-Symbol und EU-Label: Nur bedingt aussagekräftig

Alle getesteten Ganzjahresreifen tragen das Alpine-Symbol (3PMSF), das seit dem Ende der Übergangsregelung am 30. September 2024 für Fahrten bei winterlichen Straßenverhältnissen in Deutschland vorgeschrieben ist. Das Symbol dokumentiert, dass der Reifen einen standardisierten Schneetest erfüllt. Dass es jedoch kein gutes Gesamtergebnis bei Schnee, Eis, Nässe und Trockenheit garantiert, zeigte der ADAC-Winterreifentest, bei dem mehrere Reifen mit Alpine-Symbol auf Schnee mangelhaft abschnitten.

Auch das EU-Reifenlabel liefert nur einen groben Anhaltspunkt. Die GTÜ betonte, dass Pirelli und Giti beide die Nasshaftungsklasse A trugen, in den realen Fahrversuchen aber deutlich auseinanderlagen. Das Label bewertet standardisierte Einzelparameter, bildet jedoch weder das Verhalten im Grenzbereich noch Aquaplaning-Eigenschaften oder die Ausgewogenheit über alle Fahrbahnzustände hinweg ab.

Laufleistung und Technik: Kompromisse bleiben

Für die Laufleistungsprognose ließen die Tester die Reifen mehrere Tausend Kilometer auf einem Prüfstand laufen und rechneten aus dem Profilabrieb hoch, wann die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm erreicht wird. Diese Werte eignen sich laut GTÜ vor allem für den Vergleich zwischen den Modellen. Die reale Laufleistung hängt zusätzlich von Fahrstil, Fahrzeuggewicht, Reifendruck, Antriebsart und Straßenbeschaffenheit ab.

GTÜ Reifentest

Zu den Testkriterien gehören unter anderem der Bremsweg auf trockener Straße und eine Abschätzung der zu erwartenden Laufleistung.

(Bild: GTÜ)

Das Dilemma bleibt

Technisch stehen Ganzjahresreifen vor dem grundsätzlichen Dilemma, widersprüchliche Anforderungen in einer einzigen Mischung und Profilgestaltung vereinen zu müssen: Kälteelastische Gummimischungen helfen bei Schnee, können aber auf heißem Asphalt weniger Stabilität bringen. Lamellen schaffen Griffkanten im Schnee, beeinträchtigen bei zu weicher Auslegung aber den Trockengrip. Laufrichtungsgebundene Profile unterstützen die gezielte Wasserableitung, während asymmetrische Konstruktionen unterschiedliche Zonen für trockene und nasse Bedingungen kombinieren können.

Die GTÜ hält Ganzjahresreifen für eine geeignete Wahl bei Gelegenheitsfahrern, geringer Jahresfahrleistung und Regionen mit seltenem starkem Schneefall. Kommen Autobahnfahrten, starke Sommerhitze oder Winterfahrten regelmäßig im Fahrprofil vor, empfehlen sich weiterhin zwei spezialisierte Reifensätze für Sommer- und Winterhalbjahr und die dann nötigen saisonalen Reifenwechsel.

(fpi)