Stand: 09.08.2026, 16:46 Uhr
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Die Diakonie veranstaltet einen Workshop im und zum Bahnhofsviertel. Die Menschen wünschen sich vorrangig ein engeres Miteinander.
So sollte es doch sein: Man ist sich uneinig, diskutiert aber respektvoll miteinander und kommt idealerweise sogar auf ein gemeinsames Ergebnis. Man könnte es als Nachbarschaftsdemokratie bezeichnen. Zumindest konnte dieser Eindruck am vergangenen Freitagabend entstehen.
Die Diakonie hatte zu einem Barcamp im Bahnhofsviertel eingeladen, genauer in die Weißfrauen-Diakoniekirche. Unter dem Titel „Gegenwart und Zukunft im Bahnhofsviertel gemeinsam gestalten“ fanden sich auch gut zwölf Menschen, die entweder im Frankfurter Bahnhofsviertel wohnen oder arbeiten.
Aber was ist ein Barcamp? Nun, wer da an einen Bar-Crawl denken muss, also eine Tour durch verschiedene Bars, liegt falsch. Es handelt sich um ein recht freies Format. „Es wird keine Agenda vorgegeben“, erklärt Markus Eisele, Theologischer Geschäftsführer und Leiter der Fachbereiche der Diakonie Frankfurt und Offenbach. Vielmehr soll die Agenda von den Gästen gesetzt werden. „Das hier soll kein Ort für schnelle Antworten sein, sondern für ehrliche Fragen“, so Eisele. Und das funktioniert auch.
Moderiert wird das Ganze von Michael Zocholl. Eigentlich veranstaltet der freiberufliche Unternehmensberater solche Barcamps für Konzerne. Die Diakonie „ist auf jeden Fall mal was anderes“, sagt er. Die Unterschiede dürften aber nur marginal sein, so hinterlässt der empathische und professionelle Zocholl nicht den Eindruck, dass er das hier zum ersten Mal machte.
Mehrere Personen stellen ihre Anliegen vor, aus denen am Ende drei Gruppen identifiziert werden. Diese setzen sich zusammen, diskutieren und erarbeiten Plakate. Eine Fünfergruppe beschäftigt sich mit der Frage, wie man im Bahnhofsviertel für mehr Begegnung sorgen kann. Hier sei es nämlich inzwischen normal geworden, dass man seine Nachbarn nicht mehr kenne, sagt eine Teilnehmerin.
Eine richtige Eckkneipe fehle. Aber auch Orte ohne Konsumzwang. Eine Idee: Sport. Selbst organisierte Yogakurse beispielsweise könnten zu mehr Begegnung führen.
Eine Gruppe aus zwei Personen beschäftigt sich indes mit der Frage, wie man mehr Kultur in das Viertel bekommen kann. Mehr Kino wäre nicht schlecht, ist ein Fazit. Tatsächlich gibt es in der Weißfrauenkirche immer mal wieder ein Nachbarschaftskino. Aber da müsste auch mehr gehen. Hier wird allerdings in den Raum geworfen, wer das denn organisieren würde und ob ein Angebot nicht niedrigschwelliger sein müsste. Ein Einwurf, der ernst genommen und diskutiert wird.
Eine weitere Fünfergruppe beschäftigt sich mit dem Thema Drogen und Bahnhofsviertel. Wo man sich schnell einig ist: Die Stadt tue nicht genug für die Drogenkranken. Es brauche mehr Angebote, vielleicht ein Buddy Program. Bis dahin könnte sich aber jede:r selbst engagieren. Oder zum nächsten Barcamp kommen. Das ist am 19. August, von 17 bis 21 Uhr.