Trotz Kabinen-Panne: Dieser HSV-Joker begeistert alle

HSV

„Geile Präsenz“: Poulsen lässt den HSV schwärmen – trotz Kabinen-Panne

HSV-Stürmer Yussuf Poulsen schrie die Freude über seinen ersten Saisontreffer heraus.
Witters

Yussuf Poulsen traf gegen Köln und gibt dem HSV als Joker Struktur. Vor seiner Einwechslung sorgte ein Malheur um seine Schienbeinschoner für Stress.

Yussuf Poulsen trug schon bequeme Laufschuhe, als er seinen Interview-Marathon absolvierte. Den brachte der Däne mit Bravour hinter sich. Selbiges könnte man über seinen 45-Minuten-Auftritt zuvor sagen. Er hatte nur fünf Minuten nach seiner Auswechslung zum 2:0 gegen den 1. FC Köln getroffen und dem vorher etwas wackeligen HSV wichtige Struktur verliehen. Das ließ seine Kollegen nach dem 2:1-Heimsieg von ihm schwärmen.

„Es war sehr offensichtlich, dass Yussi eine geile Energie hereingebracht hat, eine geile Präsenz“, sagte Daniel Heuer Fernandes, der den Dänen in der zweiten Hälfte immer wieder als Zielspieler gesucht hatte: „Jeden Ball von mir hat er heute sehr gut festgemacht.“ Der HSV-Torwart wurde bei der Beurteilung seines Mitspielers grundsätzlich: „Bei Yussi braucht man nicht über seine Qualität zu reden. Wenn er auf dem Platz steht, steht er für eine Art von Fußball. Und das konnte man heute auch 45 Minuten lang gut sehen.“

Gegen Köln: Poulsen traf als HSV-Joker direkt

Poulsen warf seinen in der Vergangenheit oft angeschlagenen Körper in alles und jeden hinein, führte insgesamt neun intensive Zweikämpfe, lief als Joker rund 5,7 Kilometer. Und vor allem: Er erzielte nach Hereingabe von Albert Grønbæk sein erstes Saisontor am 4. Spieltag (50.). In der vergangenen Spielzeit hatte er diesbezüglich bis Dezember warten müssen, auch wegen mehrerer Verletzungen. Doch aktuell geht der Gesundheitsplan mit dem 32-Jährigen voll auf.

Yussuf Poulsen und Louis Lemke jubeln nach HSV-Sieg gegen Köln und klatschen im Stadion.
Yussuf Poulsen feierte nach dem 2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln mit Louis Lemke (r.).
WITTERS

In Leipzig hatte Poulsen begonnen und wurde zur Pause durch Terem Moffi abgelöst. An diesem Samstag war es umgekehrt. Von vornherein abgesprochen war das laut dem Torschützen aber nicht. „Ich wusste es erst in der Halbzeit“, sagte Poulsen, der mit Verspätung auf den Platz gekommen war. Denn er musste erst eine Lösung für eine kleine Kabinen-Panne finden. „Ich wusste nicht, wo meine Schienbeinschoner waren. Am Ende habe ich mit denen von Martin (Adeline; d. Red.) gespielt.“ Die eigenen Schützer hatte er in der Umkleide liegen lassen und dort auf die Schnelle auch nicht gefunden. „Das war ein bisschen stressig“, sagte Poulsen hinterher lachend.

HSV-Kapitän Remberg: „Yussi läuft an wie verrückt“

Die Idee mit seiner Hereinnahme ging auch so voll auf. „Yussi läuft an wie verrückt und macht Bälle fest. Das hat man heute echt richtig gut gesehen“, lobte Kapitän Nicolai Remberg und staunte: „Ein Yussi in der Verfassung ist natürlich … also, man sieht seine 251 Bundesliga-Spiele. Das ist schon unglaublich.“

Der Gelobte selbst, der noch zwei weitere Male hätte treffen können (69./88.), überhöhte seine Leistung nicht. Er stellte das Kollektiv ins Zentrum, wie gewohnt: „Ein Erfolgserlebnis ist es für mich, wenn wir einen Sieg holen – nicht unbedingt, wenn ich ein Tor schieße. Das ist mir eigentlich egal.“ Der erste Saisonsieg nach zuvor drei Bundesliga-Pleiten war für Poulsen das Entscheidende. Und da war es für ihn auch zweitrangig, dass gegen die in der ersten Hälfte dominanten Kölner definitiv „nicht alles schön“ war.

Die Hauptsache sei: „Es war ein deutlich großer Schritt in die Richtung, in die wir mit unserem Fußball wollen. Jetzt haben wir drei Wochen gute Laune.“ Die Länderspielpause steht an. Auch Poulsen darf sie genießen.