Stand: 11.07.2026 • 10:31 Uhr
Fast zwölf Stunden lang hielt ein Mann in einem Supermarkt im Süden Berlins eine Frau Geisel. Spezialkräfte der Polizei schritten schließlich ein und überwältigten den Täter. Über die Hintergründe ist noch nichts bekannt.
- Geiselnahme konnte durch Spezialkräfte beendet werden
- Zeuge berichtet, dass ein Mann großes Messer gezogen habe
- Polizei mit Spezialkräften in Marienfelde im Einsatz
Nach fast 12 Stunden ist die Geiselnahme in einem Supermarkt in Berlin-Marienfelde beendet worden. "Der Täter ist durch Spezialkräfte überwältigt und die Geisel befreit worden", sagte Polizeisprecher Florian Nath am Samstagvormittag. Gegen 9:20 Uhr sei der Zugriff erfolgt. Zum Zustand der Frau konnte der Polizeisprecher zunächst nur berichten, dass sie unter Schock stehe und von Rettungskräften behandelt werde. Der Täter wurde leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Nach Informationen einer rbb-Reporterin vor Ort habe es keinen Schusswaffeneinsatz gegeben, es sei aber ein so genannter Taser eingesetzt worden - ein Elektroimpulsgerät.
Geisel soll nach Zeugenaussage Supermarkt-Mitarbeiterin sein
Am Freitagabend hatte der Täter nach Angaben der Polizei gegen 22 Uhr eine Frau in einem Rewe-Markt in seine Gewalt gebracht und bedroht. "Wir haben Kontakt zu dem Geiselnehmer, zu dem Mann", sagte Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann während des Polizeieinsatzes dem rbb. Der Mann habe im Verlauf des Einsatzes unterschiedliche Forderungen gestellt, ergänzte Polizeisprecher Nath später. Zu den Hintergründen der Tat war zunächst nichts bekannt. Die Polizei betonte, dass für Anwohner zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden habe. Der Rewe-Supermarkt an der Hildburghauser Straße, Ecke Tirschenreuther Ring, wurde weiträumig abgesperrt, wie eine rbb-Reporterin berichtete. Die Polizei war mit einem Spezialeinsatzkommando (SEK) sowie weiteren Einsatzkräften vor Ort. Unterstützt wurden die Beamten von der Feuerwehr und dem Rettungsdienst. Am frühen Morgen stellten Einsatzkräfte eine Leiter an das Gebäude, um sich einen Überblick über die Lage im Supermarkt zu verschaffen, wie ein dpa-Reporter beobachtete.
Supermarkt-Mitarbeiterin soll Geisel gewesen sein
Nach Angaben eines Mitarbeiters des Rewe-Markts handelte es sich bei der Geisel um eine Kollegin. "Sie war einfach am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt", sagte der 22-Jährige mehreren Journalisten. Der Mitarbeiter berichtete außerdem, dass der Täter mit einem sehr großen Messer bewaffnet gewesen sei. Seinen Schilderungen zufolge stand der Supermarkt am Freitagabend kurz vor der Schließung. Er habe die letzten Kunden aus dem Geschäft begleiten wollen, als der Mann plötzlich ein Messer gezogen habe. Der 22-Jährige arbeitet als Minijobber in der Filiale. "Ich habe nicht viel gesehen, es ist alles sehr schnell passiert. Man konnte auch nicht viel erkennen." Das "funkelnde Messer" habe er jedoch gesehen. Anschließend sei er gemeinsam mit einer anderen Mitarbeiterin aus dem Supermarkt gelaufen und habe die Polizei alarmiert.
Abgesperrte Straße nach Geiselnahme in Berlin-Marienfelde
Polizisten in der Nacht an der offenen Supermarkttür
In der Nacht waren die Straßen rund um den Tatort nahezu menschenleer, nur vereinzelt waren Passanten unterwegs. Direkt neben dem Supermarkt befindet sich eine Tankstelle. Nach Beobachtungen einer rbb-Reporterin brannte auch mitten in der Nacht Licht im Supermarkt. An der geöffneten Eingangstür sicherten mehrere Polizisten in Vollschutz mit Helmen und Maschinenpistolen den Bereich. Marienfelde liegt im Bezirk Tempelhof-Schöneberg am südlichen Stadtrand Berlins. Der Ortsteil ist überwiegend von einer ruhigen Wohnbebauung mit Einfamilienhäusern und mehrgeschossigen Wohnhäusern geprägt. In der Umgebung befinden sich zudem mehrere Schulen und Kindertagesstätten.
Sendung: rbb24 Inforadio, 11.07.2026, 10:30 Uhr Audio: rbb24 Inforadio, 11.07.2026, Jonas Ziegler/Helena Daehler