Glühwein zur Premiere: Open Flair Festival begann 1985 auf einer Burg

Stand: 26.07.2026, 05:49 Uhr

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Bild aus dem Jahr 1986: Damals fand das Open Flair erstmals auf dem Werdchen in Eschwege statt. Im Jahr zuvor wurde das allererste Open Flair noch auf Burg Ludwigstein abgehalten.

Bild aus dem Jahr 1986: Damals fand das Open Flair erstmals auf dem Werdchen in Eschwege statt. Im Jahr zuvor wurde das allererste Open Flair noch auf Burg Ludwigstein abgehalten. © Open Flair

Das erste Open Flair fand im September 1985 auf der Burg Ludwigstein statt. Dauerregen zwang die Besucherinnen und Besucher nach drinnen.

Eschwege – Jedes Jahr Anfang August verdoppelt Eschwege für ein paar Tage seine Einwohnerzahl – dann ist Open Flair. Das Festival bietet seinen Besucherinnen und Besuchern mehrere Bühnen mit einem breitgestalteten Musikprogramm, Kleinkunst, Kinderunterhaltung und einem kulturellen Erlebnis der besonderen Art. Heute gehört es zu den beliebtesten Festivals Deutschlands. Angefangen hat das Open Flair jedoch klein – auf einer Burg. Die beiden Insel-Flairs nicht mitgerechnet, findet in diesem Jahr die 40. Ausgabe des Open Flair Festivals statt. Ein Grund, auf die bewegte Historie des Eschweger Kultfestivals zu blicken.

Erstes Open Flair: kühler Anfang mit Regen und Glühwein

Verrückte Zeiten: Unter dem Titel „Die Provinz schlägt zurück“ firmierte das erste Open Flair 1985 auf Burg Ludwigstein.

Verrückte Zeiten: Unter dem Titel „Die Provinz schlägt zurück“ firmierte das erste Open Flair 1985 auf Burg Ludwigstein. © Open Flair

Als Flair-Chef Alexander Feiertag zusammen mit anderen Organisatoren die erste Ausgabe des Open Flairs im September 1985 plante, sollte es der Höhepunkt der Jugendarbeit im Landkreis werden. Der Zusammenschluss des Jugendzentrums Schlossmühle in Eschwege mit anderen Jugendinstitutionen des Werra-Meißner-Kreises hatte das Ziel, eine politisierte Veranstaltung für Jugendliche aus dem Landkreis zu schaffen. Unter dem Motto „Die Provinz schlägt zurück“ wurde der Fokus bei der Erstausgabe des Festivals auf die Jugendarbeit, Musik und Kleinkunst gelegt – und damit der Grundstein für das heutige Open Flair. „Wir wollten die Welt retten“, so beschreibt Alexander Feiertag die damalige Motivation.

Und der Ort des ersten Flairs war ein besonderer: die Burg Ludwigstein bei Witzenhausen. Schon damals wurde das Festival getragen vom Einsatz ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer. Für 200 von ihnen startete am 6. September 1985 dann die Hauptarbeit – das dreitägige Flair begann. Allerdings spielte das Wetter – im Gegensatz zu der Mischung aus bekannteren Musikinterpreten wie Embryo oder dem amerikanischen Bluesmusiker Louisiana Red, mit Nachwuchsbands aus der Region, wie Nuclear Graffiti aus Eschwege, der Vorläufer-Formation der Bates sowie Kleinkunst und Workshops – nicht mit.

Ein Feuerspucker bedeutete 1985 so etwas wie Kleinkunst.

Ein Feuerspucker bedeutete beim Open Flair 1985 so etwas wie Kleinkunst. © Open Flair

Kühle Temperaturen und Dauerregen zwangen die Veranstalter, die Auftritte in das Innere der Burg zu verlegen. Zum Glück für die insgesamt 2100 Festivalbesucher hatten die Organisatoren einen Joker in der Hinterhand: Es wurde Glühwein angeboten. Und trotz des Wetters fand das Festival großen Anklang bei den Musikfans, die sich, ebenso wie die Initiatoren, eine Fortsetzung wünschten.

Von der Burg auf die Werrainsel in Eschwege

Die sollte es auch geben – ein Jahr später, im August, doch mit einer gravierenden Veränderung: Weil die Burg Ludwigstein nicht mehr als Veranstaltungsort zur Verfügung stand – als offizieller Grund der Absage wurden Umbauarbeiten genannt –, musste ein neuer her. Schnell einigten sich die Veranstalter auf das Werdchen in Eschwege, das bereits als Festplatz genutzt worden war. Wegen der Stadtnähe mussten Feiertag und seine Mitstreiter einige Überzeugungsarbeit beim ehemaligen Bürgermeister Jürgen Zick und dem Magistrat der Kreisstadt leisten – ebenso, wie bei den Anwohnerinnen und Anwohnern, denn ein Musikfestival bringt bekanntlich ein gewisses Maß an Lautstärke mit sich.

Wichtig für die weitere Entwicklung des Festivals war auch der Zusammenschluss mit einem Kooperationspartner, den die Veranstalter im Hessischen Rundfunk fanden. Zum einen finanzierte der einen Teil der Festivalkosten, was den Weg für bekannte Bands nach Eschwege ebnete, und zum anderen übertrug die Rundfunkanstalt mehrere Konzerte live im Radio, was den Bekanntheitsgrad des Open Flairs noch erweiterte. Bis heute ist das Open Flair stetig gewachsen: Mehr Festivalgänger, Bühnen und Spielorte für die Kleinkunst sind hinzugekommen und die Anzahl der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer hat sich seit dem Anfang verzehnfacht – etwa 2000 sind es mittlerweile, die jedes Jahr dazu beitragen, das Festival .

Das Flair-Flair bleibt bis heute erhalten

Am Open-Flair-Mittwoch sind die meisten Festivalbesucherinnen und -besucher bereits angekommen. Ab dem Nachmittag startete dann das musikalische Programm auf der Seebühne und im Elektro-Garten.

Mit etwa 20.000 Besucherinnen und Besuchern gehört das Open Flair heute zu einem der beliebtesten Festivals in Deutschland. © Florian Wehr/Johannes Küllmer/Lorenz Schöggl/Maren Schimkowiak/Ulrike Käbberich

In den folgenden Jahren fand das Open Flair manchmal im August, im Juni oder im Juli statt. Der Fokus lag dabei auf der Region sowie der Jugendarbeit – unter anderem gab das Open Flair den Anstoß zur Gründung des Vereins für Regionalentwicklung, der bis heute aktiv ist. Seit 2005 findet das Open Flair grundsätzlich am zweiten Augustwochenende statt und ist eher überregional ausgerichtet, mit internationalen und nationalen Musikgrößen.

Mit dabei waren unter anderem schon Fury in the Slaughterhouse, Die Toten Hosen, Korn, Seeed, Limp Bizkit und Kontra K – was auch die heterogene Mixtur an musikalischer Vielfalt beim Open Flair aufzeigt. Von Rock über Reggae und Metal bis zu Techno und Deutschrap ist alles dabei.

Dass das Konzept ankommt, zeigt sich nicht nur in den Besucherzahlen – das Open Flair war in jedem Jahr seit 2009 oft monatelang im Voraus restlos ausverkauft –, sondern auch in der viermaligen Auszeichnung mit dem Helga-Award, einer der wichtigsten in der deutschen Festival-Landschaft, als bestes Festival. Und wenn in einer Woche wieder Musik über das Werdchen schallt und die Eschweger Innenstadt belebt ist mit Tausenden Menschen, dann zeigt sich auch wieder das besondere Flair des Flairs.