Stand: 11.10.2026, 07:13 Uhr
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Im Nordatlantik passiert gerade etwas Unheimliches. Die gewaltige Strömung, die Deutschland seit Jahrtausenden warmhält, verliert an Kraft. Und der gefürchtete Kipppunkt könnte viel näher sein als gedacht. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Ohne den Golfstrom würden wir im Winter bibbern wie in Kanada. Diese riesige Meeresströmung pumpt Tag für Tag unvorstellbare Mengen warmes Wasser aus der Karibik bis hoch vor Norwegen. Dort kühlt das Wasser ab, wird schwer, sinkt in die Tiefe und zieht so ständig neues warmes Wasser nach. Ein gigantisches Förderband, das Europa seit Ewigkeiten mild hält. Doch genau dieser Motor fängt an zu stottern.

Neue Berechnungen zeigen, dass die Strömung schwächer wird. Und einige Forscher halten einen Zusammenbruch schon in diesem Jahrhundert für möglich.
Europas geheime Fernheizung gerät ins Stocken und Grönland schmilzt
Schuld ist ausgerechnet das Eis im hohen Norden. Grönland verliert jedes Jahr Milliarden Tonnen Eis, das Schmelzwasser strömt direkt in den Atlantik. Das Problem: Süßwasser ist leichter als Salzwasser und will einfach nicht absinken. Genau das Absinken treibt aber das ganze System an. Es ist, als würde man Wasser in den Tank eines Autos kippen. Südlich von Grönland hat sich im Meer bereits ein auffälliger Kältefleck gebildet, der sich seit Jahren hartnäckig hält. Für viele Ozeanforscher ist das ein deutliches Alarmsignal, dass unter der Oberfläche etwas gewaltig aus dem Ruder läuft.
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Eis-Winter mitten im Klimawandel
Kippt das System, wäre das ein Schock für ganz Europa. Während die Welt sich weiter aufheizt, könnten die Winter bei uns plötzlich deutlich kälter werden, in Skandinavien und Großbritannien sogar um viele Grad. Dazu drohen heftigere Stürme, Ernteausfälle und ein völlig neues Wetter-Chaos. Island stuft die Gefahr inzwischen als Bedrohung der nationalen Sicherheit ein.
Die gute Nachricht: Über Nacht passiert das nicht, und mit dem kommenden Winter hat es nichts zu tun. Wann der Kipppunkt genau erreicht ist, darüber streiten die Forscher noch heftig. Fest steht aber: Die Uhr im Atlantik tickt, und sie tickt schneller, als vielen lieb ist.