Großrosseln: Kuriose „Fundsache“ im Saarland – illegales Schwein hat Schwein gehabt

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Großrosseln Kuriose „Fundsache“ im Saarland – illegales Schwein hat Schwein gehabt

In Großrosselns Fundbüro hat man sicher schon einiges gesehen, aber dass dort ein Hausschwein gemeldet wurde, ist eher ungewöhnlich. Grunzt das mutmaßlich illegal gehaltene Schwein jetzt im Bürgerbüro? Wir haben nachgehört.

09.08.2026 , 17:56 Uhr

 Das pfundige Fundschwein aus Großrosseln – hier noch „hinter Gitter“.

Das pfundige Fundschwein aus Großrosseln – hier noch „hinter Gitter“.

Foto: Gemeinde Großrosseln

Was für eine Schweinerei, die da die Pferde- und Ziegenalm im Großrosseler Ortsteil Naßweiler ereilte – und doch ist man dort recht glücklich, wie alles abgelaufen ist. Also der Reihe nach:

Glückliche Verlierer – manchmal gibt es sie wirklich. Was beim Sport undenkbar erscheint, ist in den Fundbüros der Kommunen Alltag. Immer wieder freuen sich Bürger, wenn sie ihren verlorenen Schlüssel, Geldbeutel oder Fahrradhelm im Rathaus abholen können. Doch nicht nur Alltagsgegenstände werden dort abgegeben – es gibt auch kuriose Fundstücke. So wie das „kleine weiße Hausschwein“, das kürzlich der Großrosseler Verwaltung gemeldet wurde. Der Hinweis im Gemeindejournal brachte uns ins Grübeln: Wo sich das Schweinchen wohl zurzeit befindet? Womöglich liegt es gelangweilt in einem Fundbüroregal zwischen verwaisten Smartphones, Taschen und Brillen? Oder begrüßt es vielleicht die Besucher des Großrosseler Bürgerbüros mit einem freundlichen Grunzen? Schließlich steht in der Meldung, dass Eigentumsansprüche im Bürgerbüro geltend gemacht werden können.

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Foto: Andrew Kasuku/AP/dpa/Andrew Kasuku

Das weiße Schwein fand vorübergehend Unterschlupf bei Pferden und Ziegen

Auf eine entsprechende Anfrage antwortet die Großrosseler Verwaltung prompt: „Am Empfangsschalter im Rathaus wartet man aktuell vergeblich auf ein freundlichen Oink", schreibt Kämmerer Daniel Albert im Auftrag von Bürgermeister Dominik Jochum. Stattdessen befinde sich das kleine Hausschwein vorläufig bei den Tierfreunden der Pferde- und Ziegenalm in Naßweiler. Dorthin hatte es der Bauhof chauffiert, nachdem es sich in einem Garten gemütlich gemacht hatte. „Das Schweinchen hat das Amtsleben gegen echtes Alm-Feeling eingetauscht“, heißt es daher aus dem Rathaus.

Dem Schweinchen solle es jedenfalls gutgehen, bis der rechtmäßige Besitzer auftaucht – wenn er denn auftaucht. Der Besitzer könnte, so eine Vermutung, aus Frankreich stammen. Vielleicht ist das Schweinchen ja vor Obelix über die grüne Grenze geflüchtet? Wie dem auch sei: Nur wer nachweisen kann, dass er Eigentümer ist, darf das Tier mitnehmen. Und das wird gar nicht so einfach. „Das Schwein setzt auf absolute Anonymität und trägt keine Ohrmarke“, haben die Rathausmitarbeiter festgestellt. Der Eigentümer muss also handfeste Beweise vorlegen. „Hilfreich wären offizielle Dokumente oder Fotos aus dem tierischen Familienalbum.“ Rein rechtlich, erläutert die Verwaltung weiter, gelte das Tier laut Paragraf 973 des Bürgerlichen Gesetzbuches als „Fundsache“ und müsse nun sechs Monate lang ordnungsgemäß „aufbewahrt“ werden". Und wenn sich in dieser Zeit niemand meldet? Wird das Fundtier dann versteigert? Keine Sorge, beruhigt Kämmerer Albert, der Hammer werde nicht geschwungen. Meldet sich im nächsten halben Jahr niemand, gehe das Tier offiziell in das Eigentum des Finders über.

Das vorgesehene Schicksal dürfte der Bratspieß gewesen sein

Wobei es durchaus nicht ganz unwahrscheinlich ist, dass sich der Besitzer nicht meldet. Denn das Nichtvorhandensein einer Ohrmarke deutet auf ein „illegales Schwein“ hin, das irgendwo für den Eigenbedarf, beziehugsweise für den eigenen Bratspieß gehalten wurde. In Deutschland gilt jedenfalls unter anderem, dass Schweine – auch bei „Hobby-Haltung“ – beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse angemeldet sein müssen, und wer das Anmelden versäumt, kann – zumindest theoretisch – ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro aufgebrummt bekommen. Zudem dürfen Schweine, als sehr soziale Wesen, in Deutschland nicht als Einzeltiere gehalten werden.

Bleibt jedenfalls zu hoffen, dass das kleine weiße Hausschwein niemals in falsche Hände gerät. Und dass ihm keine Borste gekrümmt wird. In Großrosseln wird bekanntlich gerne die vor Ort produzierte Wildschweinsalami verspeist. Das sollte eigentlich genügen. Hausschweinsalami braucht doch kein Mensch.

Inzwischen ist das Schwein, augenscheinlich ein noch recht junges Tier, auch schon nicht mehr in Naßweiler, berichtet Simone Hinnüber von der Pferde- und Ziegenalm.

Und sie ist auch begeistert – „So sollte es immer sein!“ –, wie reibungslos der doch eher ungewöhnliche Fall mit Blick auf den Tierschutz abgelaufen ist: Das Tier war offenbar bei einem Hühnerstall entdeckt worden, Mitarbeiter des Ordnungsamtes hätten sich dann vorbildlich darum gekümmert und das Tier auch schnell zum Hof gebracht, wo es vorsorglich zunächst in einer ungenutzten Pferdebox ein paar Tage in Quarantäne blieb und auch von einer Tierärztin untersucht wurde. Viele Tierfreunde hätten in dieser Zeit Futterspenden und auch Spielzeug vorbeigebracht, ihr Enkel habe regelmäßig mit den Schweinchen gespielt. Dann konnte man das Tier auch schnell an einen anderen Hof vermitteln, der bereits Schweine hat, wo es also nicht alleine und auch artgerecht lebt – „und dort wird es auch nicht geschlachtet“. Das Schwein hat also echt Schwein gehabt.