Im oberbergischen Morsbach soll es künftig nur noch einen Standort für die Amitola-Grundschule geben. Der Rat will am Dienstag beschließen, die zwei Außenstandorte in den Dörfern Holpe und Lichtenberg in den nächsten Jahren zu schließen. Die Kinder müssten dann in den Hauptort nach Morsbach fahren.
Pläne der Politik stoßen in Morsbach auf Widerstand
Das stößt in den Dörfern auf Widerstand: Rund 1.700 Menschen haben in einer Petition für den Erhalt der Dorfschulen unterschrieben. Eine Woche vor der Ratssitzung versammelten sich spontan über 80 Menschen an der Schule Lichtenberg, um zu demonstrieren. Sie fürchten, dass ihre Dörfer aussterben.
Christina Schindler ist vor einigen Jahren zurück nach Lichtenberg gezogen, eben weil es hier eine Kita und eine Grundschule gibt. Sie befürchtet: Ohne Schule im Ort würden weniger junge Familien hierher ziehen. Ihre Tochter geht in die dritte Klasse der Grundschule. Sie schätzen das familiäre Umfeld: Es gebe direktes Feedback von den Lehrern. Man kenne sich. Das würde wegfallen.
Wie geht das Vereinsleben in Holpe und Lichtenberg weiter?
"Eine Grundschule hält ein Dorf jung. Und wenn ein Dorf nicht mehr jung ist, dann werden wir in Zukunft auch Probleme haben, Mitglieder zu bekommen´", befürchtet Jan Krismann vom Pfadfinderverein Nebelkrähen.
Mehr als 80 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sind dort aktiv. Fast alle finden zum Stamm durch die Grundschule in Lichtenberg. So könnte es auch dem Musikverein oder der Freiwilligen Feuerwehr gehen, befürchten die Demonstrierenden.
In Morsbach fehlen die Kinder
Bürgermeister Jan Schumacher hatte noch im Wahlkampf vergangenes Jahr versprochen, die Schulen in den Außenorten offen zu halten. Jetzt sagt er: "Für mich ist die Entscheidung, die beiden Standorte zu schließen, Holpe und Lichtenberg, eine persönliche Katastrophe." Doch die Entscheidung sei notwendig.
Denn ein von der Gemeinde beauftragtes Gutachten zeige, dass rund um Lichtenberg immer weniger Kinder geboren werden. Schon in sechs Jahren, also im Schuljahr 2031/32 würde die Zahl der Erstklässer drastisch schrumpfen. Der Standort Lichtenberg würde dann die Mindestschülerzahl von 46 Kindern verfehlen, das Schulamt müsste die Zwangsschließung anweisen.
Gemeinde muss Millionen in die Schule investieren
Außerdem sei das Schulgebäude in Holpe marode und müsse komplett neugebaut werden. Durch den Anspruch auf Ganztagsbetreuung wären weitere Anbauten notwendig. All das ist für die Gemeinde ein Millionenprojekt. Das Geld solle deshalb zukunftssicher in den Hauptstandort in Morsbach investiert werden.
"Damit standen wir vor einer grundlegenden Abwägung: lst es verantwortbar, heute erhebliche finanzielle Mittel in drei Schulstandorte zu investieren, wenn die aktuelle Schulentwicklungsprognose gleichzeitig auf deutlich rückläufige Geburten- und perspektivisch auch Schülerzahlen hinweist?" Stellungnahme der Fraktionen
Konzepte gegen Leerstand
Bürgermeister und Fraktionen im Rat wollen deshalb künftig nur noch einen Standort für die Grundschule im Hauptort Morsbach. Allerdings nehme man die Sorgen der Menschen in den Außenorten ernst, so der Tenor: Die Schulgebäude sollen nicht leerstehen. Die Politik wolle Konzepte entwickeln, um das Dorfleben zu erhalten.
Am Dienstag will der Rat final über die Schließung entscheiden – und auch einige Eltern wollen kommen, um bis zuletzt für den Erhalt der Grundschulen zu kämpfen.
Unsere Quellen:
- Beschlussvorlage im Rat
- Statement der Fraktionen im Rat
- WDR-Interview mit Bürgermeister Schumacher
- WDR-Gespräche mit Eltern und Vereinen aus den Dörfern
- Gutachten der Schulentwicklungsplanung
Sendung: WDR.de, Grundschule Morsbach: Lichtenberg und Holpe vor dem Aus, 18.09.2026, 5:01 Uhr