Strandkorb-Zoff: Ex-SPD-Minister verteidigt Amthor

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„Habt ihr sie noch alle?“: Ex-SPD-Minister nimmt Amthor in Strandkorb-Affäre in Schutz

Philipp Amthor in dem Strandkorb, der zu vielen Diskussionen geführt hat.
IMAGO / Berlinfoto

Der frühere Staatsminister Michael Roth hat auf die Strandkorb-Debatte um Phillip Amthor reagiert. Er hält sie für übertrieben.

Philipp Amthor hat sich einen Strandkorb ins Kanzleramt bestellt und damit eine Debatte ausgelöst. Der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, hält die Diskussion darum für völlig übertrieben – und erinnert sich dabei an eigene Heimatobjekte in seinem früheren Büro.

Der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt des dritten und vierten Merkel-Kabinetts, Michael Roth (SPD), hat Philipp Amthor (CDU) in der Strandkorb-Debatte verteidigt. „Was verdammt noch mal ist so schlimm daran, wenn ein Norddeutscher ein Stück Küste mit nach Berlin nimmt? Geht’s noch? Habt ihr sie noch alle?“, schreibt der 56-Jährige in einem Beitrag auf Instagram.

Zwischen ihm und Philipp Amthor würden zwar kulturell und politisch Welten liegen. „Aber ich weiß nicht, was ich furchtbarer finde: die Häme von Leuten, die Politikerinnen und Politikern grundsätzlich das Schlechteste unterstellen. Oder Amthors Entscheidung, vor dem Shitstorm zu kapitulieren und den Strandkorb verzagt zurück in die norddeutsche Heimat zu verfrachten“, so das frühere Mitglied des Bundestages.

Auch Roth hatte Objekte mit Heimatverbundenheit im Büro stehen

Amthor hatte mit einer Szene in der ZDF-Dokureihe „Inside CDU“ für Aufsehen gesorgt. Nach seinem Jobwechsel ins Kanzleramt hatte der neue Staatsminister für die Bund-Länder-Zusammenarbeit einen Strandkorb auf den Balkon seines Büros bringen lassen – vor laufender Kamera. Bei einigen Zuschauern sorgte das für Kritik. In den sozialen Medien warfen ihm Nutzer Überheblichkeit vor, einer sprach gar von „spätrömischer Dekadenz im Endstadium“.

Michael Roth sitzt im dunklen Sakko in seiner Berliner Wohnung und gestikuliert während eines Interviews.
Michael Roth (SPD) in seiner Wohnung in Berlin im September 2025. (Archivbild)
Thomas Koehler

Amthor hatte den Strandkorb dem Regierungssprecher zufolge privat gekauft und auch Anlieferung sowie Aufbau selbst bezahlt. Der Strandkorb-Verkäufer bestätigte, dass Amthor selbst zahlte und keine Sonderkonditionen erhielt. Der 33-jährie Politiker zieht dennoch Konsequenzen hat angekündigt, das Sitzmöbelstück wieder zurückzuschicken. 

Roth hält die Vorwürfe gegenüber Amthor für Quatsch. „Wer einen Strandkorb sieht, denkt an Rügen oder den Darß, an Sylt oder Langeoog. An Dekadenz und Großkotzigkeit denkt normalerweise niemand.“

Dennoch Spitze gegen Amthor: „Da darf man sich auch mal fremdschämen“

Der 56-Jährige erinnert sich an seine Büroeinrichtung aus seiner Zeit als Staatsminister zurück: „Als ich Staatsminister im Auswärtigen Amt war, stand in meinem Büro eine Grubenlampe. Sie erinnerte an den Kalibergbau in meiner Heimat Heringen im Werratal.“ Auch eine Martin-Luther-Statue und Bilder seiner Freundin habe er in seine Räumlichkeiten gebracht, um die Verbundenheit mit seiner Heimat zu symbolisieren. Einen ähnlichen Hintergrund vermutet er bei Amthor, der in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern geboren ist.

Eine kleine Spitze gegen den CDU-Politiker kann sich Roth dennoch nicht verkneifen: „Man kann sich gern darüber lustig machen, mit welch diebischer Freude sich einer nach rasantem Aufstieg im Kanzleramt präsentiert. Da darf man sich auch mal fremdschämen. Aber ein selbst bezahlter Strandkorb ist alles andere als ein Skandal.“ (Dieser Artikel erschien zuerst auf Shz.de)