FC St. Pauli
Vor dem Duell des FC St. Pauli bei Hannover 96 hat Ex-Kiezkicker Marcel Hartel aufhorchen lassen. War eine Rückkehr zum Kiezklub ein Thema? Die MOPO fragt beim Sportchef nach.
Es ist ein besonderes Wiedersehen, das für viele freudige Gesichter sorgen dürfte. Wenn der FC St. Pauli am Samstag bei Hannover 96 antritt, messen sich die Kiezkicker auch mit einem Mann, der maßgeblichen Anteil am Bundesliga-Aufstieg der Braun-Weißen im Sommer 2024 hatte: Marcel Hartel. In diesem Sommer kehrte der offensive Mittelfeldmann etwas überraschend aus den USA zurück und schloss sich dem Zweitliga-Konkurrenten aus Niedersachsen an. Warum nicht wieder dem Kiezklub, bei dem er seine sportlich beste Zeit und sich pudelwohl gefühlt hatte? Jüngste Aussagen von Hartel haben aufhorchen lassen.
Nicht wenige St. Pauli-Fans dürften die Hoffnung gehegt haben, dass ihr Verein den Hut für eine Rückhol-Aktion in den Ring wirft, als Anfang August herauskam, dass der 30-Jährige vorzeitig von St. Louis City SC zurück nach Deutschland wechseln wollte und sich mit Hannover in Verhandlungen befand. Hartel entschied sich dann auch für 96, wo er zum Toptransfer des neuen Geschäftsführers Jones Boldt wurde, ehemals HSV-Sportvorstand.
Marcel Hartel: „Bestimmt Kontakt“ zu St. Pauli vor Wechsel nach Hannover
War auch St. Pauli eine Option für ihn bei der geplanten Deutschland-Rückkehr? Hartel deutete in einer Medienrunde im Vorfeld des Samstag-Topspiels zwischen seinem neuen und seinem früheren Klub (20.30 Uhr) an, dass das zumindest Thema gewesen sei. „Da muss man meinen Berater fragen“, meinte er mit einem Grinsen. „Ich würde mal behaupten, dass es bestimmt Kontakt gab.“ Mehr ließ er sich nicht entlocken.
Die spannende Frage ist, wie die Sicht der anderen Seite auf die Angelegenheit ist. Die MOPO fragte aus aktuellem Anlass bei Sportchef Andreas Bornemann nach, was an Hartels Worten dran ist und ob intern darüber gesprochen wurde.
Andreas Bornemann äußert sich zum Thema Hartel beim Kiezklub
„Es ist logisch, dass auch wir Kenntnis davon hatten, dass eine Rückkehr nach Deutschland im Raum steht“, erklärt der 55-Jährige auf die Hartel-Aussagen angesprochen, „und natürlich beschäftigt man sich mit gewissen Optionen oder Szenarien."
Ein Spieler von der Klasse Hartels ist für jeden Zweitligisten sportlich eine Verstärkung, sollte der Spielertyp ins Konzept passen, aber hat natürlich auch seinen Preis. Zum einen hatte der gebürtige Kölner noch einen bis 2028 laufenden Vertrag in St Louis, was eine hohe Ablöse fällig machte (Hannover soll am Ende vergleichsweise günstige eine Million Euro bezahlt haben), zum anderen war „Cello“ bei seinem US-Team mit umgerechnet 1,5 Millionen Grundgehalt pro Jahr Topverdiener, auch wenn er für seine aus familiären Gründen erfolgte Heimkehr nach Deutschland sicher zu Abstrichen bereit war.
St. Paulis Mittelfeld-Planung war bis in den Saisonstart hinein unklar
Das Mittelfeld der Kiezkicker war zum Zeitpunkt von Hartels Wechselentscheidung für Hannover kurz vor Saisonbeginn (trotz des Abgangs von Jackson Irvine in Richtung Japan) zahlenmäßig und qualitativ gut aufgestellt, da die eigentlich wechselwilligen Eric Smith und Joel Chima Fujita noch immer da waren (und letztlich geblieben sind) und auch Connor Metcalfe keine Wechselüberlegungen forcierte, wenngleich insbesondere Smith und Fujita defensive Mittelfeldspieler sind und Hartel ein eindeutig offensivorientierter Spieler ist. Für die kreative Rolle hinter den Spitzen hatte St. Pauli wiederum früh in der Transferperiode Branimir Hrgota ablösefrei aus Fürth geholt.
Inwiefern personelle Konstellationen eine Rolle in braun-weißen Hartel-Überlegungen gespielt haben, lässt sich im Detail nicht klären. Bornemann geht nicht näher darauf ein und nennt keine konkreten Gründe, sondern hält es allgemein: „Es muss halt vom Timing passen und auch, was alle anderen entscheidenden Faktoren und Parameter angeht, und das war nicht der Fall.“
Und so spielt Marcel Hartel am Samstagabend im Trikot von Hannover 96 gegen den FC St. Pauli, für den er aufgrund der erfolgreichen gemeinsamen Vergangenheit nach wie vor viel übrig hat. Es scheint, als seien alle Seiten fein damit, wie es ist.