Grundwasser in Hessen sinkt: BUND fordert Wassercent

Kaum Regen und anhaltende Sommerhitze: Nicht nur auf Flüsse und Seen wirkt sich das Wetter aus, auch die Grundwasserpegel in Hessen sinken deutlich. Laut den Messdaten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) weisen 90 Prozent der Messstellen fallende Werte aus und 40 Prozent der Grundwasserpegel sind schon sehr niedrig. Der hessische Landesverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) fordert mehr Anstrengungen, um das Grundwasser zu schützen, und die Einführung eines Wassercents.

„Wir beobachten seit 2003, dass die Grundwasserneubildung zurückgeht“, sagt Andreas Gräfe, Sprecher des Landesarbeitskreises Wasser beim BUND. Er warnt davor, dass das Grundwasser weiter sinken werde, denn selbst starke Niederschläge würden sich nicht zeitnah auf die Pegelstände auswirken. Hinzu komme, dass die Menschen aufgrund der Hitze weiterhin mehr Wasser als üblich verbrauchten. Neben kurzfristigen Appellen und Regeln, um Wasser zu sparen, fordert er daher langfristig angelegte Projekte, damit sich wieder ausreichend Grundwasser bilden kann. So sollte Regen effektiver zurückgehalten werden, etwa in Schwammstädten oder durch die Entsiegelung von Flächen. Im Wald könnten Gräben und Gruben angelegt werden, damit mehr Wasser gesammelt werde.

Mehr Grundwasser wird entnommen

„Der Bevölkerungszuwachs im Rhein-Main-Gebiet führt zu mehr Wasserverbrauch und dementsprechend zu mehr Entnahme von Grundwasser“, sagt der BUND-Experte. „Daher muss man aus unserer Sicht die Wasserversorgung optimieren.“ Damit die Menschen mehr Wasser sparen, spricht er sich zudem für die Einführung eines Wassercents in Hessen aus. Dieser könnte eine lenkende Wirkung entfalten und zudem künftige Projekte für effizientere Wassernutzung finanzieren. Hessen und Thüringen seien die einzigen Bundesländer, die noch keinen Wassercent erhöben, so Gräfe. Die Umweltorganisation hatte schon mehrfach gefordert, einen Wassercent einzuführen, bislang allerdings vergeblich.

Die aktuellen Werte der 131 Messstellen in Hessen spiegeln den heißen und trockenen Sommer, aber auch das regenarme Winterhalbjahr wider. 53 melden einen sehr niedrigen Wasserstand (Stand 5. August 2026). Das sind 40 Prozent aller Messstellen. Weitere 27 (21 Prozent) weisen auf niedrige Wasserstände hin. 38 Messstellen, das sind rund 29 Prozent, verzeichnen normale Grundwasserstände. Zwei Messstellen in Gottsbüren in Nordhessen und in Heusenstamm im Rhein-Main-Gebiet weisen sogar noch sehr hohe Grundwasserstände aus.

Pegel steigen in Heusenstamm und Heppenheim

Die aktuelle Trockenheit hat dazu geführt, dass die Grundwasserpegel seit zwei Wochen fast überall im Land fallen. Laut den Daten des HLNUG weisen 118 Messstellen sinkende Pegel aus. Das sind 90 Prozent. Gleichbleibende Grundwassermengen melden nur noch zwei Stellen. Aber: Drei Messstellen registrieren steigende Pegel – darunter die erwähnte Messstelle in Heusenstamm und eine in Heppenheim in Südhessen. Das kann damit zusammenhängen, dass diese Messstellen sehr tief liegen oder sich in der Nähe von gestauten Gewässern befinden.

„Dass 61 Prozent der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich sind, ist der Trockenheit in den vergangenen Monaten geschuldet, aber auch den geringeren Niederschlägen im hydrologischen Winterhalbjahr 2025/2026“, erklärt Theresa Frommen, Grundwasserexpertin beim HLNUG. Sie weist zudem darauf hin, dass fallende Grundwasserpegel in den Sommermonaten nicht unüblich seien, weil sich aufgrund der Vegetationsperiode und der hohen Verdunstung nur wenig neues Grundwasser bilde. Damit dies geschehe, müsse es ausdauernd und kräftig regnen, was aber aufgrund der aktuellen Wetterprognose eher unwahrscheinlich sei. Daher geht Frommen davon aus, dass die Grundwasserpegel in den nächsten Wochen weiter fallen werden.

Viele Grundwassermessstellen im Hessischen Ried zeigen normale Pegelstände an. Das hängt nach Einschätzung von Frommen damit zusammen, dass die Infiltration von Rheinwasser die umliegenden Grundwasserreservoirs stabilisiere. „Im nördlichen Teil des Hessischen Rieds ist die Infiltration nicht so weit verbreitet, daher kann es sein, dass die Messstellen dort bereits im niedrigen Bereich sind“, sagt die Expertin.

Messstellen in direkter Rheinnähe, wie etwa im Wiesbadener Stadtteil Biebrich, weisen aufgrund des sehr niedrigen Rheinpegels eine fallende Tendenz aus. Die zum Teil ebenfalls sehr niedrigen Pegelstände im Taunus und anderen Orten in Hessen seien Auswirkungen des Wetters und des Klimas der vergangenen Monate. Insbesondere tiefere Messstellen zeigten aber auch die Folgen der Wetter- und Klimaveränderungen der vergangenen Jahre. Das HLNUG verwendet für die Einordnung der Grundwasserstände Vergleichsdaten aus den Jahren von 1991 bis 2020.