Herdprämie oder Kinderbetreuungsplätze? Österreich muss sich entscheiden

Olivera Stajić

Herdprämie oder Kinderbetreuungsplätze? Österreich muss sich entscheiden

Die Regierung gibt viel für Familienleistungen aus, um alle ideologischen Lager zu befriedigen. Vernünftiger wäre, in der Familienpolitik mutige zukunftsorientierte Maßnahmen zu ergreifen

Kommentar

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Olivera Stajić

Österreichs öffentliche Ausgaben für Familienleistungen sind im Vergleich mit den restlichen OECD-Ländern im obersten Viertel angesiedelt. Mehr als bei uns gibt der Staat nur in Polen, Island und Deutschland aus. In Österreich sind auffälligerweise alle drei Formen von Leistungen vertreten. Einmal Geldleistungen, wie die Kinderbeihilfe, dann Sachleistungen in Form von Kindergärten und seit 2019 steuerliche Vergünstigungen, wie der Familienbonus plus.

Historisch gewachsen

Diese vielfältige Ausgestaltung ist kein Zufall, sondern historisch gewachsen. Sie ist eine typische Folge der Sozialpartnerschaft, in der unterschiedliche politische und gesellschaftliche Interessen seit Jahrzehnten Einfluss auf die Architektur des Sozialstaats nehmen.

Alle drei Instrumente haben sich über Jahrzehnte nebeneinander entwickelt, ohne einander zu ersetzen. Der Versuch, alle ideologischen Ansprüche und widersprüchlichen Bedürfnisse zu erfüllen, hat die Kosten für Familienleistungen stark steigen lassen.

Eine Familie mit zwei kleinen Kindern wandert an einem sonnigen Sommertag durch eine grüne, blühende Landschaft. Ein Kind sitzt auf den Schultern der Mutter, das andere auf den Schultern des Vaters. Alle wirken fröhlich und genießen die Natur.
Die Erwartungen der konservativen Politik erfüllen sich nicht: Die Geburtanraten sinken.

Ergebnis erwünscht?

Das erwünschte Ergebnis für die Konservativen, also mehr Kinder, scheint sich trotzdem nicht einzustellen. Die Geburtenrate in Österreich ist seit Jahrzehnten im freien Fall und befindet sich derzeit auf dem historischen Tiefstand von 1,3 Geburten pro Frau.

Die flächendeckende Kinderbetreuung ist trotz hoher Ausgaben auch nicht erreicht, das betrifft vor allem ländliche Gebiete.

In Österreich arbeitet fast jede zweite Frau in Teilzeit. Nach Gründen befragt, werden Betreuungsaufgaben in der Familie angegeben. Im Jahr 2026 ist die Care-Arbeit in Österreich noch immer zu einem überwältigenden Anteil von Frauen gemacht: Nur 16 Prozent der Väter gehen in Elternkarenz.

Dass Familien, und vor allem Frauen, mit der Situation in Österreich unzufrieden sind, zeigt sich nicht zuletzt an der Empörungswelle, die nach dem Sager von Bundeskanzler Christian Stocker quer durch alle gesellschaftliche Schichten ging.

Mutige Entscheidungen fehlen

Bei der kommenden Einsparungswelle, und diese ist gewiss, wird sich die Politik vermutlich wieder für den österreichischen Weg entscheiden und überall ein wenig kürzen. Also wieder keine Entscheidung zwischen "Herdprämie" – denn nichts anderen scheinen die Geldleistungen in Österreich zu sein – und besser ausgestatteter Kinderbetreuung.

Mutiger und zukunftsorientiert wäre es, Karenzmodelle so anzupassen, dass man dadurch eine stärkere Väterbeteiligung erreicht. Das könnte nach dem skandinavischen Vorbild so aussehen: Karenzgeld gibt es nur, wenn sich beide Elternteile gleichermaßen beteiligen, Karenzzeiten sind nicht übertragbar. So sind auch Arbeitgeber darauf vorbereitet, dass sowohl Männer als auch Frauen jederzeit in Karenz gehen können. Damit würde auch die Diskriminierung wegfallen, von der jene Männer berichten, die beim Arbeitgeber um Väterkarenz anfragen.

Zukunftsorientiert

Denn dass es weiterhin längere Karenzzeiten geben sollte, ist evident. Die Generation Z hat ein erfülltes Privatleben auf ihrer Prioritätenliste weit oben. Das gilt für beide Geschlechter. Flächendeckende Kinderbetreuung könnte beiden Elternteilen den Wiedereinstieg in das Berufsleben erleichtern und die Teilzeitquoten zwischen Müttern und Vätern gleichmäßiger verteilen. (Olivera Stajić, 13.8.2026)

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