Ski alpin: Wie der Weltverband Marcel Hirscher beim Comeback hilft

Als Marcel Hirscher im Dezember 2024 einen Kreuzbandriss erlitten hatte, sagte der mit Abstand beste Skifahrer der 2010er Jahre: „Vielleicht bin ich jetzt endgültig fertig mit meiner Reise.“ Es war eine bemerkenswerte Erkenntnis nach einem Comeback im Ski-Weltcup, mit dem er zwar viel Aufmerksamkeit, aber wenig Erfolg erzielt hatte. Doch sie war nicht von langer Dauer.

Im Oktober 2026 will Hirscher abermals einen Rücktritt vom Rücktritt wagen und wieder im Weltcup starten. Comeback 2.0. Auf Instagram postet er schon fleißig Trainingsbilder aus Ushuaia in Argentinien. „Noch nie“, so der Altmeister, habe er „so gut trainiert um diese Jahreszeit“.

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Der Skiweltverband FIS unterstützt die Ambitionen des alten Zirkuspferds, hat ihm bereits eine Wildcard für den gesamten Winter zugesichert. Sie garantiert einen ordentlichen Startplatz direkt hinter den Top 30 – ohne den Umweg über unterklassige Rennen, mit denen sich andere hochdienen müssen. Das schmeckt nicht jedem in der Ski-Szene. Aber es bindet vermutlich die Fernsehzuschauer.

Das erste Remake von Hirschers Comeback könnte schon beim Saisonauftakt in Sölden Ende Oktober aufgeführt werden. Dabei zündete schon der erste Aufguss nicht: ein 23. Platz auf dem Rettenbachgletscher, ein 46. im Slalom von Levi, ausgeschieden in Gurgl. Das war Hirschers Bilanz im Frühwinter 2024, die an den Spätherbst eines alternden Helden erinnerte – und eines Doppelolympiasiegers, siebenmaligen Weltmeisters und achtmaligen Gesamt-Weltcupsiegers nicht würdig erschien.

Eigentlich gelang ihm ein starker Abgang

Denn nicht nur die Resultate stimmten nicht, auch die Fahrweise verwunderte. Hirscher wirkte unsicher, suchend, wie ein Rentner im Straßenverkehr, der dem Tempo nicht mehr gewachsen ist. „Er fühlt sich nicht wohl“, analysierte der einstige Slalom-Weltmeister und Fernseh-Experte Frank Wörndl in der F.A.Z. Hirschers Bemühungen und warnte ihn vor Stürzen und Verletzungen: „Marcel, pass auf dich auf – und lass es sein.“

Stattdessen will Hirscher zwei Jahre später den schlechten Eindruck offenbar korrigieren. Doch die Gefahr besteht, dass er sich noch tiefer in den Kunstschnee reinreitet. Eigentlich hatte er seine ruhmreiche Karriere zu einem perfekten Zeitpunkt beendet. 2019. Als Gesamt-Weltcupsieger. Mit 30 Jahren. Ein starker Abgang, so dachte man. Der Rücktritt war dem ORF sogar eine Sondersendung wert. Es flossen Tränen.

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Seit seiner Rückkehr startet er nun für die Niederlande, das Heimatland seiner Mutter. Auf seiner eigenen Skimarke, Van Deer, was so viel heißt wie „vom Hirsch“. Ein Marketinggag, um noch mehr Holländer zum Wintersport in die Alpenregion zu locken? Oder doch der tiefen Überzeugung geschuldet, es allen noch mal zeigen zu können?

Bislang ist Hirscher noch nicht mal der beste Niederländer der alpinen Ski-Geschichte. 2012 fuhr ein gewisser Marvin van Heek bei der Abfahrt von Gröden auf Rang acht. Mit Startnummer 53 gelang ihm ein One-Hit-Wonder. Wäre doch gelacht, wenn ein Marcel Hirscher nicht ein größeres Wunder hinbekäme.

Der Weltverband könnte korrigierend eingreifen. Doch von der FIS sind keine Worte der Warnung oder gar Weisheit zu erwarten. Im Gegenteil. Sie sucht händeringend nach Stars und Helden.

Und hat deshalb auch für Lindsey Vonn eine Wildcard reserviert. Vonns bislang letztes Comeback endete im Helikopter. Nach ihrem kapitalen Sturz bei der Olympia-Abfahrt verhinderte nur eine Notoperation eine Amputation. Ihren Rücktritt hat sie danach noch nicht erklärt.