Wer die Liste komplett lesen will, muss eine Weile scrollen: Vom Aachener Geschichtsverein bis zum Würzburger Diözesangeschichtsverein haben sich im Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine etliche Gruppen zusammengeschlossen. Weil es nach dem Alphabet geht, steht der Verein für Geschichte und Landeskunde Bad Homburg weit hinten. In einem Feld aber sieht er sich in der „absoluten Spitzengruppe“ der Geschichtsvereine, nämlich dabei, wie viele Leute er auf sozialen Medien erreicht. Bei Facebook hat er knapp 2900 Follower, bei Instagram sogar mehr als 4100. Damit muss sich der Verein auch vor Stadtverwaltungen im Taunus nicht verstecken – und vor vielen anderen Vereinen in der Region erst recht nicht.
Auf Whatsapp ist der Homburger Geschichtsverein dagegen noch nicht so weit. Einen Monat nach dem ersten Beitrag hat der neue Kanal 55 Follower. Der Ansatz, Heimatgeschichte über Posts zu vermitteln, ist aber gut. Die Stadtgeschichte macht es leicht, auf Ideen zu kommen. Denn sie steht, hängt und liegt überall herum, muss bloß noch abgelichtet und punktgenau erläutert werden. Das Foto der Jugendlichen beim Laternenfestumzug 1963; die Quarzitfelsen am Großen Feldberg; das Schwesternheim in der Altstadt; die historische Stadtansicht vom nahen Königstein, zu dessen Demokratiegeschichte der Verein bald eine Exkursion anbietet.
Wie fast jeder Social-Media-Auftritt soll die Historie in Häppchen Reichweite generieren, also Reklame für den Verein machen, der nach 17 Beitritten im vorigen Jahr vermutlich noch über die Zahl von jetzt 208 Mitgliedern hinaus wachsen will. Im besten Fall werben vergleichbare Kanäle aber auch für die Geschichte an sich. Oder wecken zumindest ein Bewusstsein dafür, wozu das bei zu vielen Schülerinnen und Schülern unbeliebte Fach gut sein kann. Zum Beispiel, um das Heute vor der Haustür zu verstehen. Um zu begreifen, woher Dinge, Verhältnisse und, zurzeit besonders wichtig, Meinungen kommen. Oder einfach, um im nächsten oder übernächsten Gespräch einen Fun Fact unterzubringen, also eine amüsante Tatsache.
Hier bietet die Stadtgeschichte noch Potential, das dem Bad Homburger Vereins-Kanal ein paar mehr Herzen verschaffen könnte: das perfekte Brotrezept des historischen Bäckers; die Praline des Chocolatiers; die Styling-Tipps aus dem Zeitschriftenarchiv des Coiffeurs. Vielleicht gab es in der Stadt ja auch einmal eine Seifensiederei oder einen Klempner, aus deren Wissen sich Lifehacks zimmern ließen? Nicht, dass der Geschichtsverein aus Aachen bald mit Printen vorbeizieht – oder der aus Würzburg mit Jahrgangswein aus der fränkischen Diözese.