Hitzechaos vermeiden: Leipziger Straßenbahn führt präventiven Hitzeplan ein

Wenn im Hochsommer die Temperaturen steigen, hat die Leipziger Straßenbahn künftig einen klaren Fahrplan – und zwar nicht nur für den Betrieb, sondern für den Umgang mit der Hitze selbst. Der neue Hitzeplan der Leipziger Straßenbahn soll verhindern, dass sich ein Szenario wie zuletzt wiederholt: Damals legten aufgeweichte Fugen zwischen den Schienen den Trambetrieb elf Tage lang lahm.

Herzstück der Vorsorge ist ein temperaturabhängiges Überwachungssystem der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), das an festen Schwellenwerten ansetzt. Je heißer es wird, desto stärker greift das Unternehmen in den Betrieb ein. Was das für Fahrgäste bedeutet und wann sogar Strecken gesperrt werden, zeigt der Überblick.

Leipziger Straßenbahnen fahren nach Hitzechaos ab Donnerstag wieder normal

Leipzig

Leipziger Straßenbahnen fahren nach Hitzechaos ab Donnerstag wieder normal

Ab wann der Hitzeplan greift

Der Plan orientiert sich an zwei klaren Marken. Sobald die Luft- oder Oberflächentemperaturen 33 und 38 Grad Celsius erreichen oder überschreiten, treten an besonders gefährdeten Abschnitten verschärfte Maßnahmen in Kraft.

Diese kritischen Stellen nennt die LVB „Hitze-Hotspots“. Dort werden gezielte Messungen veranlasst. Kontrolliert werden Schienen, Gleisfugen, Asphaltdecken und angrenzende Flächen. So soll der Zustand des Materials genau im Blick bleiben, bevor Schäden entstehen.

So steuert die Leitstelle den Betrieb

Die Messwerte sind für die Leitstelle die direkte Entscheidungsgrundlage. Auf ihrer Basis passt die LVB den Betrieb flexibel an die Wetterlage an.

Zunächst wird die Leitstelle personell aufgestockt, zusätzliche Bereitschaftsdienste stehen bereit. Auch Strecken- und Sichtkontrollen werden deutlich verdichtet.

Werden Materialverformungen, Aufweichungen oder andere sicherheitsrelevante Abweichungen festgestellt, drosselt die LVB das Tempo. An diesen Stellen richtet sie sogenannte Langsamfahrstellen ein, an denen die Bahnen gezielt langsamer fahren.

Was für Busse und Gleise gilt

Auch der Busverkehr ist Teil des Plans. Sobald die Gefahr besteht, dass aufgeweichte Fugenmassen, Bitumen oder Asphalt durch die Reifen beschädigt und verschleppt werden, dürfen Busse bestimmte Gleisbereiche nicht mehr befahren.

Gegen aufgeweichtes Bitumen setzt die LVB feines Steinmehl ein. Es wirkt als Trenn- und Bindeschicht und verhindert, dass sich das Material an Reifen festsetzt und ausbreitet.

Hinzu kommen weitere operative Maßnahmen

Diese Maßnahmen werden zum Schutz der Fahrzeuge und der Strecke ergriffen:

  • Präventiver Fahrzeugtausch: Nach vielen Einsatzstunden werden einzelne Straßenbahnen ausgetauscht und zur Abkühlung durch die Waschanlagen gefahren, um hitzebedingte Ausfälle zu vermeiden.
  • Punktuelle Kühlung: Kritische Bereiche können gezielt mit Wasser gekühlt werden, um sie temporär zu stabilisieren.

Die letzte Stufe: Streckensperrung

Reichen alle Maßnahmen nicht aus, greift die härteste Konsequenz. Steigen die Temperaturen weiter und kommt es zu fortgeschrittenen Materialschäden, Verformungen oder akuten Gefahren, sperrt die LVB einzelne Streckenabschnitte vorübergehend.

Diese Sperrung ist im Plan als letzte Stufe vorgesehen. Sie soll die Sicherheit von Fahrgästen und Mitarbeitern jederzeit gewährleisten.

So wird das Wetter in Sachsen

In den kommenden Tagen soll es in Sachsen wieder sommerlich warm werden. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) werden am Dienstag Höchstwerte von bis zu 27 Grad erwartet. Die Temperaturen steigen in den kommenden Tagen immer weiter an. Am Mttwoch werden bis zu 33 Grad erwartet, ebenso am Donnerstag. Am Freitag soll es noch heißer werden.

Lesen Sie mehr zum Thema