Stand: 10.08.2026, 19:15 Uhr
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Frasers greift nach Hugo Boss. Doch die brisantere Zahl lautet 189.000: So viele deutsche Patente werden bereits im Ausland kontrolliert. Ein Kommentar von Oliver Stock.
Die Frasers Group greift nach Hugo Boss. Doch nicht der britische Investor bedroht den Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern der Verlust von Investitionen, Patenten und Schlüsseltechnologien. 2025 fiel die Zahl ausländischer Investitionsprojekte auf 1.564. Zugleich stehen laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft bereits 189.000 in Deutschland entwickelte Patente unter ausländischer Kontrolle. Entscheidend ist deshalb nicht, wem eine deutsche Marke gehört – sondern wo künftig geforscht, entwickelt und produziert wird.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand.
Die Briten kommen. Sie wollen Hugo Boss. Frasers, der Handelskonzern des Milliardärs Mike Ashley, hält inzwischen mehr als 30 Prozent der Aktien. Schon wieder eine deutsche Traditionsmarke in ausländischer Hand. Der Ausverkauf des Vaterlandes? Ich werde deshalb nicht weinen.

Der Pass des Eigentümers ist nicht das Problem
Ein Boss-Anzug wird nicht schlechter, weil die Dividende nach London fließt. WMF gehört Franzosen, Grohe Japanern, Rimowa dem französischen Luxuskonzern LVMH. Die Commerzbank dürfte demnächst italienisch werden. Deutschland steht noch. Mich interessiert nicht der Pass des Aktionärs. Mich interessiert, wo investiert, entwickelt und produziert wird. Da beginnt allerdings mein Unbehagen.
Deutschlands eigentliches Problem: Die Investoren bleiben weg
2025 registrierte Germany Trade & Invest nur noch 1564 ausländische Investitionsprojekte – so wenige wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Die angekündigte Investitionssumme halbierte sich auf 11,8 Milliarden Euro. Ich fürchte also nicht, dass die Ausländer Deutschland aufkaufen. Ich fürchte, dass sie immer weniger Lust auf Deutschland haben.
Gefährlich wird es, wenn mit der Firma das Wissen verschwindet
Richtig unverdaulich finde ich eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Es hat untersucht, wer Erfindungen kontrolliert, die in Deutschland entstanden sind. Von mehr als 650.000 seit der Jahrtausendwende international angemeldeten Erfindungen befinden sich 189.000 unter ausländischer Kontrolle.
Chinesische Eigentümer kontrollieren inzwischen rund 11.300. Und was sie kontrollieren, sind nicht Herrenanzüge, sondern Roboterhersteller, Halbleitertechnologien und Logistik. Das ist ein Problem. Hugo Boss müssen wir nicht retten. Den Wirtschaftsstandort schon. Sonst bleibt uns möglicherweise nichts, womit wir unseren schönen Boss-Anzug noch bezahlen sollen. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand)
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