Anzeige
FC St. Pauli
„Ich verstehe die Ungeduld“: Sportchef Bornemann erklärt St. Paulis Transfer-Taktik
In zwei Wochen endet das Transferfenster, bis dahin kommt vermutlich noch Arbeit auf Andreas Bornemann zu. St. Paulis Sportchef gab im „Gute Leude“-Podcast von Lars Meier Einblicke in seinen Job-Bereich.
Es geht in die heiße Phase. In exakt zwei Wochen haben alle Spekulationen ein Ende, stehen die Kader der Klubs in den deutschen Profi-Ligen fest. Bis dahin, so ist zu vermuten, wird noch etwas an Arbeit auf St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann zukommen. Der geht grundsätzlich entspannt damit um, wie er im „Gute Leude – das Hamburg-Gespräch“-Podcast mit Moderator Lars Meier (Montag um 20 Uhr und Sonntag um 10 Uhr bei Ahoy Radio) verriet. Und Bornemann erläuterte die Herangehensweise des Kiezklubs, wenn es um mögliche Transfers geht.
Gegenüber der MOPO hatte Bornemann erst kürzlich erklärt, dass er durchaus Erfüllung findet in Phasen wie diesen, in denen ein Kader quasi neu erfunden werden muss. Dass ihn das nicht stresst, bestätigt er nun erneut. „Fußball ist für mich etwas, das immer eine Präsenz hat, ohne dass es mich belastet und ich es ablegen müsste, damit ich zu Hause meine Ruhe habe“, sagte er. Er habe sogar das Handy nachts neben dem Bett liegen, „aber auf lautlos“.
Andreas Bornemann erläutert St. Paulis Transfer-Vorgehensweise
Anzeige
Was den Umgang mit möglichen Transfers beim FC St. Pauli angeht, so gab der 54-Jährige eine kurze Bedienungsanleitung. „Primär ist das sportliche Profil für uns ausschlaggebend“, erklärte er. „Wenn das abgehakt ist, geht es natürlich weiter: Welche Rolle hat er bei seinen vorherigen Stationen gespielt? Ist es eher ein Back-up? Ist es einer, der zum Teil der Gruppe gehören soll, der die Mannschaft mit anführen kann? Aber viel ergibt sich auch aus den persönlichen Gesprächen.“
Die WochenMOPO 33/2026
Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
• Immer mehr Unfälle: Radler-Irrsinn auf der Bilderbuch-Route
• Haus einsturzgefährdet: Tränen, Wut und ein zerstörtes Zuhause an der Holstenstraße
• 16 Seiten Sport: Neue Stars und alte Helden beim HSV – mit Poster zum Rausnehmen!
• Jede Woche mit 32 Seiten Rätsel und Kultur: Mit AnnenMayKantereit startet der „Hamburger Kultursommer“
Auch für St. Pauli ist nahezu jede Liga weltweit sichtbar
Anzeige
Dass die Braun-Weißen mittlerweile quasi weltweit unterwegs sind, um nach möglichen Verstärkungen zu fahnden, ist dabei mitnichten einer dicken Personaldecke im Scouting geschuldet. „Wir sind eine überschaubar große Gruppe“, ließ Bornemann durchblicken. „Aber nahezu jede Liga auf der Welt ist mittlerweile auch für uns sichtbar. Man hat dann aufgrund von Video- und Datenmaterial einen Spieler, der der Benchmark sehr nahekommt, und geht dann erst ins Live-Scouting.“ Das sei deutlich effektiver gestaltet, als es in der Vergangenheit der Fall gewesen war.
Wie lange es dann dauert, bis man Vollzug melden kann - dafür gibt es keine Faustregel. „Für uns kommt es schon darauf an, uns auf alle Eventualitäten bestmöglich vorbereitet zu haben“, erläuterte Bornemann. „Wir haben ganz oft Spieler verpflichtet mit einer Anbahnung von einem halben oder einem dreiviertel Jahr, wo klar war, das wird im Sommer oder Winter noch nicht klappen. Aber wir wollen versuchen, es im Sommer ein Jahr später realisieren.“ Manchmal gehe es aber auch auf und man schaffe es, einen Transfer innerhalb von einer oder zwei Wochen zu realisieren. „Die Bandbreite ist da tatsächlich sehr groß.“
Anzeige
Die Ungeduld im Umfeld kann Andreas Bornemann nachvollziehen
Bornemann ist für seine konsequente Haltung in den Transfergesprächen ebenso bekannt wie dafür, sich nicht von öffentlichem Druck treiben zu lassen. „Ich verstehe die Ungeduld, das finde ich völlig normal“, räumte er ein und gab zu: „Ich hätte auch gerne einen fertigen Kader stehen und vorne im Sturm einen Harry Kane.“ Auf der anderen Seite gebe es Dinge, wo Geduld gefragt werde. „Weil auf dem Markt gerade in der Sommerperiode die Impulse von anderen ausgehen, da wird von oben herab die Dynamik bestimmt.“
Andreas Bornemann
Und dann ist man natürlich darauf angewiesen, dass die Neuen auch einschlagen. Das klappt mal sofort, mal auf Sicht, manchmal aber eben auch gar nicht. „Du wirst nie bei 100 Prozent liegen können, dass bei allen, die kommen, die Dinge auch aufgehen und erfüllt werden, wie man sich das vorstellt“, wusste Bornemann zu berichten. „Wir ärgern uns am meisten, wenn das nicht funktioniert.“ Aber das gehört halt zum Geschäft dazu.
Bei Transfers kann auch St. Pauli keine 100-Prozent-Quote haben
Auf die Frage, wo er sich in fünf Jahren sähe, sagte Bornemann: „Wenn ich das hochrechne, dann wäre ich ja schon zwölf Jahre hier. Wenn ich gesund und immer noch bei St. Pauli wäre, wäre ich zufrieden, wenn wir gute Schritte nach vorne gemacht haben mit dem Verein.“ Das sei auch durchaus etwas, was er sich gut vorstellen könnte. Und auf die konkrete Nachfrage von Lars Meier ergänzte er: „In fünf Jahren spielt der FC St. Pauli hoffentlich mindestens drei Jahre wieder in der Bundesliga.“
Anzeige
Anzeige