Chinas Ausfuhren nach Deutschland sind im ersten Halbjahr stark gestiegen, deutsche Lieferungen in die Volksrepublik nehmen dagegen kaum noch zu. Das geht aus den Außenhandelsdaten hervor, die die chinesische Zollbehörde am Dienstag in Peking veröffentlichte. Ähnlich ist die Entwicklung im Handel mit der gesamten EU. Insgesamt wächst der chinesische Exportüberschuss aber nicht weiter, sondern verharrt auf hohem Niveau. Besonders Autos, Halbleiter und Batterien erfreuen sich großer Beliebtheit.
Demnach lieferte China im ersten Halbjahr Waren im Wert von 67,5 Milliarden Dollar in die Bundesrepublik, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Chinas Import aus Deutschland wuchs dagegen nur um 1,8 Prozent auf 45,1 Milliarden Dollar. Das Zollamt gibt die gleichen Daten auch in der chinesischen Währung Renminbi an und verzeichnet dann sogar ein Minus von 1,7 Prozent. Der chinesische Exportüberschuss mit Deutschland schoss um vier Fünftel von rund 12,3 auf 22,3 Milliarden Dollar in die Höhe.
Auch das Handelsbilanzdefizit der EU im Handel mit China legte weiter zu. Nach knapp 143 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2025 waren es nun 176,7 Milliarden Dollar, ein Plus von knapp einem Viertel. Es beträgt damit ziemlich genau eine Milliarde Dollar am Tag. Chinas Lieferungen in die EU stiegen um 17 Prozent auf 312 Milliarden Dollar, in die Gegenrichtung gingen Waren im Wert von 135 Milliarden Dollar, das Plus war mit knapp neun Prozent nur halb so groß. China liefert damit mehr als doppelt so viele Waren in die EU wie die EU in die Volksrepublik.
Südkoreas Export nach China boomt
Deutlich anders entwickeln sich die Handelsbilanzen Chinas mit anderen Ländern und Regionen. Einfuhren von und Ausfuhren nach Südostasien legten fast im Gleichschritt um 22 Prozent zu. Im Handel mit Ländern wie Malaysia, Japan, Brasilien und Australien hat China sogar ein deutliches und wachsendes Handelsbilanzdefizit. Aufgrund des Halbleiterbooms legten die Einfuhren aus Südkorea um 60 Prozent zu, während der Export um 30 Prozent wuchs. Südkorea kommt auf einen Exportüberschuss im Handel mit China von rund 46 Milliarden Dollar, Südkoreas Lieferungen nach China übersteigen die Lieferungen in der Gegenrichtung um rund die Hälfte.
Insgesamt verzeichnet das Zollamt für das erste Halbjahr einen Exportüberschuss von 576 Milliarden Dollar, zehn Milliarden Dollar weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Export legte um 17,6 Prozent auf 2125 Milliarden Dollar zu, der Import um 26,6 Prozent auf 1549 Milliarden Dollar. Das Exportplus geht fast ausschließlich auf das Konto der Oberkategorie „Maschinenbau- und Elektroprodukte“, die für knapp zwei Drittel der chinesischen Ausfuhren steht. Wang Jun, Vizechef der Zollbehörde, betonte in einer Pressekonferenz die um mehr als ein Drittel steigenden Lieferungen von Lithiumbatterien und Windturbinen. Das sei getrieben durch „die Situation im Nahen Osten“, sagte Wang.
Zu der Kategorie zählen aber etwa auch Halbleiter und Autos. Der Chipexport verdoppelte sich knapp von 90 auf 177 Milliarden Dollar. Die Ausfuhr von Fahrzeugen schoss von 60 auf 92 Milliarden Dollar. Bisher lieferte die Volksrepublik im ersten Halbjahr 5,3 Millionen Autos in alle Welt nach 3,47 Millionen im Vorjahreszeitraum. Allein im Juni gingen 1,07 Millionen Autos in alle Welt. Das Land ist damit auf gutem Weg, erstmals die Schwelle von zehn Millionen exportierten Autos im Jahr zu übertreffen.