Die Lage spitzt sich zu: So steht es um die tierärztliche Versorgung in Deutschland

Immer weniger 24-Stunden-Notdienste: So steht es um die tierärztliche Versorgung in Deutschland

Stand: 16.10.2026, 07:00 Uhr

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Eine Tierärztin untersucht eine getigerte Katze mit drei Beinen.

Im Notfall wollen Tierhalter ihren Liebling gut versorgt wissen. © imagebroker / Imago

Wenn es Hund oder Katze schlecht geht, ist schnelle Hilfe gefragt. Doch nicht jede Stadt ist da gleich gut aufgestellt. Vor allem bei den Not- und Nachtdiensten gibt es Engpässe.

Wohl jeder, der ein Haustier hat, musste mit dem vierbeinigen oder gefiederten Liebling schon einmal außer der Reihe zum Tierarzt. Sei es eine Verletzung, ein Infekt oder sogar eine chronische Erkrankung – am wichtigsten ist, dass dem Tier schnell geholfen werden kann. Doch in Sachen Tierarztpraxen oder Tierkliniken entwickelt sich zunehmend ein Engpass, der im Notfall zum echten Problem werden kann.

Trend bei Tierärzten: Mehr Veterinäre, weniger Praxen

Das bestätigt auch die aktuelle Tierärztestatistik der Bundestierärztekammer (BTK). Zwar wächst die Zahl der Tierärzte weiter – rund 46.000 Tierärzte waren Ende 2025 Mitglied einer Tierärztekammer –, doch der Trend bewegt sich weg von der eigenen Praxis hin zum Angestelltenverhältnis. Konkret bedeutet das: Die Zahl der niedergelassenen Tierärzte mit eigener Praxis sinkt, auch weil es oft keinen Nachfolger gibt. Das könne langfristig zu Versorgungsengpässen führen, heißt es auf der Webseite der BTK. Vor allem ländliche Räume seien davon betroffen.

Wie es mit der Tierarztdichte in den 20 größten Städten aussieht, hat sich der Tierversicherer Lassie angeschaut. In Hannover gibt es laut der Auswertung die meisten Tierärzte pro 100.000 Einwohner: 13,6, in Nürnberg sind es nur 4,5. In Berlin sind mit 399 die meisten Tierärzte gelistet, gefolgt von München mit 156 Tierärzten und Hamburg (152). Am schlechtesten sieht die Lage in Mannheim aus. Dort sind lediglich 17 Tierärzte niedergelassen, in Bonn und Wuppertal sind es 20, in Nürnberg 24. Die Veterinäre in München wurden online am besten bewertet.

Bei der Wahl des Haustierarztes auf den Behandlungsschwerpunkt achten

Für Tierhalter ist es empfehlenswert, sich einen festen Haustierarzt zu suchen, der das Tier und die Krankengeschichte mit den Jahren kennt. Erreichbarkeit und Sympathie spielen dabei eine große Rolle. Viel wichtiger ist jedoch der Behandlungsschwerpunkt der Praxis. Wer zum Beispiel ein Kaninchen hat, sollte unbedingt darauf achten, dass es sich beim Tierarzt der Wahl um einen kaninchenkundigen Veterinär handelt. Gleiches gilt für Meerschweinchen, Vögel oder Exoten.

Doch Tiere halten sich nicht immer an Öffnungszeiten der Praxen. In einem Notfall ist schnelle Hilfe gefragt, auch nachts oder am Wochenende. Das Problem: Bundesweit schließen immer mehr Notdienste. Viele Tierkliniken, die sonst rund um die Uhr für ihre vierbeinigen Patienten da waren, haben ihren 24-Stunden-Status aufgegeben und bieten somit auch nachts keinen Notdienst mehr an. Es fehlt vielerorts an Personal, zudem rechnet sich der Nachtdienst häufig nicht. Für die Besitzer der tierischen Notfälle bedeutet das im Zweifel weite Anfahrten, die ohne eigenes Auto kaum zu bewerkstelligen sind. Zudem geht kostbare Zeit verloren, wenn das Tier schnelle Hilfe braucht.

Immer weniger Kleintierkliniken mit 24-Stunden-Notdienst

Die Tierklinik Elversberg spricht im Sommer dieses Jahres auf ihrem Instagram-Account sogar von einem Kliniksterben in der Kleintiermedizin und beruft sich dabei auf eine Veröffentlichung im Deutschen Tierärzteblatt. So gab es 2018 in Deutschland noch 123 Kleintierkliniken mit verpflichtendem 24-Stunden-Notdienst. Ende 2025 waren es noch 56. Das entspricht einem Rückgang von über 50 Prozent. Schon 2022 informierte die BTK auf ihrer Webseite über die Entwicklung. Gleichzeitig sei der Ansturm an Notfallpatienten kaum zu stemmen, heißt es dort. Besonders auf dem Land oder in Gebieten ohne eine solche Klinik in der Nähe kann das zum Problem werden.

So findet man einen Notdienst für das Haustier

- auch außerhalb der Öffnungszeiten den Haustierarzt anrufen, oft ist die Nummer des Notdienstes auf dem Anrufbeantworter aufgesprochen
- alternativ Liste der Tierärzte im Notdienst online suchen
- den Tierarzt im Notdienst unbedingt vorher anrufen, oft sind sie in Rufbereitschaft
- am Telefon den Notfall schildern, damit im Zweifel Vorbereitungen getroffen werden können
- erst dann mit dem Tier losfahren

Was also tun, wenn das Haustier nachts oder an Feiertagen dringend medizinische Versorgung braucht und der Haustierarzt geschlossen hat? Zunächst sollte der Halter dennoch beim Haustierarzt anrufen. Auf dem Anrufbeantworter wird oft die Telefonnummer des aktuellen Notdienstes genannt.

Notdienstregelung unter Tierärzten: So findet man den Notdienst in der Nähe

Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es nicht. In einigen Bundesländern werden niedergelassene Tierärzte im Schichtmodell für Notdienste eingeteilt. Anderswo schließen sich Praxen zusammen und organisieren gemeinsam den Notdienst am Wochenende. In einzelnen Bundesländern gibt es auch zentrale Telefonnummern, die an den nächsten diensthabenden Tierarzt vermitteln. Zudem sind online Listen der aktuellen Notdienstpläne zu finden. Tierarztpraxen oder die Tierärztekammer verlinken diese häufig auf ihren Webseiten. Dazu reicht es meistens, die Schlagworte „Tierärztlicher Notdienst“ und die entsprechende Stadt oder den Landkreis in eine Suchmaschine einzugeben. Am besten druckt man sich die aktuelle Liste vorab aus und legt sie an einen Ort, an dem man sie schnell wiederfindet. So spart man sich im Notfall langes Suchen. Bevor man mit seinem Tier in die Notdienst-Praxis fährt, sollte man immer vorher dort anrufen, denn oft halten sich die Tierärzte in Rufbereitschaft.

Nehmen Tierbesitzer einen tierärztlichen Notdienst in Anspruch, sollten sie sich auf eine höhere Rechnung einstellen. Laut Gebührenordnung für Tierärzte berechnen Tierärzte im Notdienst eine pauschale Notdienstgebühr und den doppelten bis vierfachen Satz für Behandlungen. Wer auf Nummer sicher gehen will, schließt am besten eine Kranken- und OP-Versicherung für sein Tier ab, wenn es noch jung und gesund ist.