Trumps Welt
In "Torheit der Regierenden" wäre der Irankrieg das beste Schlusskapitel
Barbara Tuchman beschrieb in ihrem Buch absehbare politische Desaster von Troja bis Vietnam. Trumps Außenpolitik folgt einem ähnlichen Muster
Eric Frey
Eines der großartigsten Bücher über katastrophale politische Entscheidungen bleibt bis heute "Die Torheit der Regierenden" ("The March of Folly") von Barbara Tuchman aus dem Jahr 1984. Darin beschreibt die US-Historikerin Beispiele in der Geschichte, in der Herrscher entgegen jedem Rat und allen Warnungen eine Politik verfolgen, die ihrem Land schweren Schaden zufügt.
Tuchman beginnt mit dem Trojanischen Pferd, das die Trojaner, wie derzeit im Kino gesehen werden kann, in ihre Stadt schleppten und diese den Griechen zur Zerstörung auslieferten; sie setzt mit den Renaissance-Päpsten fort, die durch ihren ausschweifenden Lebensstil die Reformation fast unvermeidlich machten; sie wechselt dann zum britischen König George V., gegen dessen Steuern und Zölle die amerikanischen Kolonialisten vor 250 Jahren revoltierten; und sie endet mit dem Vietnamkrieg, der sich für die USA über 20 Jahre zu einem außenpolitischen Desaster auswuchs.
Wie konnten sie nur, fragt man sich rückblickend, und Tuchman gibt darauf auch keine schlüssige Antwort außer Eitelkeit, Verblendung und das völlige Fehlen von Selbstkritik bei so vielen Mächtigen.
Tuchman starb 1989 im Alter von 77 Jahren. Hätte sie noch länger gelebt, wäre sie vielleicht versucht gewesen, den Irakkrieg von George W. Bush in einer späteren Ausgabe als weiteres Kapitel hinzuzufügen. Aber das beste Beispiel der Torheit der Regierenden hätte sie nicht mehr erleben können: Donald Trumps Angriff auf den Iran im Februar 2026, der einem der grausamsten Regime der Gegenwart zu neuer Stärke verhilft.
Tuchman definiert den "March of Folly" als einen lang anhaltenden Irrweg, den eine größere Gruppe von Entscheidungsträgern mitgeht. Auch Trumps iranischer Irrweg ist eine längere Geschichte.
Obamas guter Deal
Nachdem Trump 2017 erstmals ins Weiße Haus eingezogen war, zerriss er ein Jahr später jenes gute Abkommen aus 2015, das dem Iran den Bau einer Atombombe verunmöglicht und zumindest deutlich erschwert hätte. Er tat dies gegen den Rat unabhängiger Fachleute, weil er schon damals den Einflüsterungen von Israels Premier Benjamin Netanjahu folgte, die Republikaner geschlossen das Abkommen abgelehnt hatten und Trump ohnehin alles verdammte, was sein Vorgänger Barack Obama getan hatte.
Ohne die Fessel des JCPOA (Joint Comprehensive Plan of Action) beschleunigte der Iran die Anreicherung von Uran und erreichte 2021 einen Grad von 60 Prozent; von dort ist es nur noch ein kurzer Weg zur Waffenfähigkeit. Die iranische Atombombe war durch Trumps Torheit viel wahrscheinlicher geworden.
Mitten in den Verhandlungen
Aber das war erst der Anfang. In seiner zweiten Amtszeit nahm Trump Verhandlungen mit Teheran auf, um ein Abkommen zu erreichen, das wohl jenem von Obama geähnelt hätte. Andere Optionen gab es keine. Doch mitten in den Gesprächen ließ er sich im Juni 2025 von Netanjahu verleiten, in den Luftkrieg gegen den Iran einzusteigen.
Die US-Luftwaffe warf die mächtigsten konventionellen Sprengsätze der Welt, die GBU-57A/B MOP "Bunker-buster"-Bomben, über die iranische Atomanlage in Natanz ab, wo die rund 400 Kilogramm hochangereichertes Uran vermutet wurden. Trump erklärte stolz die iranische Atombedrohung für beendet, doch schon bald war es klar, dass entgegen seinem Siegesgeheul dieser nukleare Vorrat den Angriff überstand.
Gescheiterter Regimewechsel
Wieder kam es zu Verhandlungen über die Zukunft des Atomprogramms, und wieder gab Trump mittendrin den Befehl zum Angriff, wieder gemeinsam mit Israel und mit dem Ziel, das iranische Regime zu stürzen. Obwohl der Oberste Führer Ali Khamenei und andere Spitzen getötet wurden, scheiterte dieses Vorhaben. Der Iran überstand die wochenlangen Bombardements und setzte jene Waffe ein, die ihm immer schon offen gestanden war – die Sperre der für die Weltwirtschaft so wichtigen Straße von Hormus. Dazu kamen Angriffe auf die mit den USA verbündeten Golfstaaten, die dadurch die für ihre Prosperität so wichtige Aura der Sicherheit verloren.
Regime fest im Sattel
Nach fast sechs Monaten Krieg sitzt das iranische Regime, das zu Jahresanfang durch Proteste schwer geschwächt war, fest im Sattel. Das iranische Atomprogramm kann jederzeit wieder aufgenommen werden, und manches deutet darauf hin, dass der Iran dieses Mal mit der Bombe Ernst machen wird. Die US-Verbündeten in der Region sind in ihren Grundfesten erschüttert. Die Straße von Hormus bleibt gesperrt, weil der Iran immer ehrgeizigere Forderungen stellt.
Zudem ist das US-Raketenarsenal so weit geleert, dass die US-Streitkräfte in anderen Krisen nicht mehr voll einsatzfähig sind. Vor allem die Patriot-Abwehrraketen sind zum Großteil aufgebraucht.
Wie gefährlich diese Entwicklung ist, zeigt sich daran, dass Trump den Medien mit Klagen droht, die dies berichten, und dass es zwischen ihm, Kriegsminister Pete Hegseth und dessen Stellvertreter Steve Feinberg zu massiven Schuldzuweisungen kommt. Offenbar war niemand bereit, dem Präsidenten die Wahrheit über die Folgen des planlos geführten Kriegs für das Waffenarsenal zu sagen. Trumps Amerika hat den Krieg gegen den Iran verloren und seine globale Vormachtstellung zumindest geschwächt, wenn nicht eingebüßt.
Signal für China
Noch kennen wir nicht das Ausmaß des Fiaskos. Aber es könnte sein, dass der Iran als Folge des Kriegs auf Jahre hinaus die Golfregion dominieren, die Weltwirtschaft erpressen und Israel tödlich bedrohen kann. Und das Risiko besteht, dass China das Zeitfenster der US-Schwäche nutzt und tatsächlich Taiwan angreift. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin sieht offenbar die Chance, die Ukraine mit einem dauernden Raketenhagel niederzuringen, gegen den es keine Abwehr mehr gibt. Die nach 1945 von den USA aufgebaute Weltordnung wäre dann endgültig auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet.
Der Trojanische Krieg endete für Troja noch viel schlimmer. Aber an Torheit kann Trump allen anderen Narren aus Tuchmans Buch sehr wohl das Wasser reichen. (Eric Frey, 11.8.2026)
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