Palantir liefert Software für Geheimdienste, Polizei und Militär – und spielt auch bei Trumps Abschiebepolitik eine Rolle. Die neue Staffel von Wild Wild Web wagt einen seltenen Blick hinter die Kulissen des verschwiegenen Tech-Konzerns
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20.08.2026
Der Philosoph und Mitbegründer von Palantir Alex Karp war früher einmal links. Heute ist er scheinbar getrieben von einem pessimistischen Menschenbild
Foto: Avalon.red/IMAGO
Pro Tag 3.000 Menschen. Das ist das Ziel der Trump-Regierung, wenn es um die rigorose Abschiebung aus den USA geht. 3.000 Menschen ohne US-Staatsbürgerschaft sollen die Agenten der Einwanderungsbehörde ICE jeden Tag festnehmen. Menschen, die in den USA leben, arbeiten, Familie und soziales Umfeld haben.
Dabei nutzt ICE auch Software von Palantir – einer der Tech-Konzerne, die beinahe sinnbildlich für den rechten Tech-Kapitalismus der Gegenwart stehen, inklusive schillernder Persönlichkeiten an der Spitze. In diesem Fall: Alex Karp – Philosoph, früher einmal links, heute scheinbar getrieben von einem pessimistischen Menschenbild, das in den Mitmenschen potenzielle Gefahr wittert.
In einer neuen Staffel der Podcast-Reihe Wild Wild Web widmen sich die Hosts Janne Knödler und André Dér-Hörmeyer dieser „mysteriösesten Tech-Company der Welt“. So formuliert es Janne Knödler gleich zu Beginn der ersten Folge der fünfteiligen Serie Inside Palantir. Palantir also – vom rechtslibertären Milliardär Peter Thiel mitgegründet, mysteriös, milliardenschwer und für viele ein Sinnbild für die totale Überwachung.
Das Versprechen des Konzerns: Daten aus verschiedenen Quellen zu sammeln, zusammenzuführen und so Profile von Menschen zu erstellen, um (diffuse) Gefahren frühzeitig zu erkennen.
Ein Blick in Palantirs Innerstes
Die Auseinandersetzung mit Palantir ist eine Herausforderung. Denn wie so oft bei Tech-Konzernen, die fleißig am gläsernen Menschen werkeln, ist auch hier eine erstaunliche Diskrepanz zu beobachten. Während die Unternehmen selbst möglichst viele Informationen zusammentragen, geben sie sich verschwiegen, wenn es um das eigene Geschäft geht. Ehemalige Mitarbeiter, so die Podcast-Macher, unterzeichneten eine Art Super-Verschwiegenheitserklärung. Insofern ist der Anspruch einer Innensicht wirklich ambitioniert.
In Inside Palantir kommen ehemalige Mitarbeiter zu Wort, ebenso wie Karp-Biograf Michael Steinberger und ein ehemaliger Büronachbar an der Goethe-Universität in Frankfurt, wo Karp promoviert hat. Aber Knödler und Dér-Hörmeyer sprechen auch mit Opfern der Überwachungssoftware. Mit Juanita zum Beispiel. Sie stammt aus Guatemala, lebt in den USA, betreibt dort ein kleines Geschäft und wird von ICE von der Straße weg verhaftet. Sie klagt gegen diesen Umgang mit ihr und eröffnet somit einen Einblick in den Einsatz der Palantir-Software bei ICE.
Die Podcast-Hosts und ihr Team unternehmen auch den Versuch einer Annäherung an den schillernden CEO Karp – angetrieben von der Frage: Wie wird ein einstmals linksliberaler Philosoph und Fürsprecher der freien Rede zum CEO eines von vollkommener Überwachung getriebenen Unternehmens?
Palantir ist längst auch ein deutsches Problem
Das Interesse an den Brüchen einer Figur wie Karp birgt die Gefahr, dass man zur Mythenbildung beiträgt. Bei Inside Palantir geschieht das nicht. Das hat damit zu tun, dass die Auseinandersetzung mit Palantir als Aufhänger für größere Fragen dient. Zum Beispiel, was gerade hier in Deutschland passiert: Schon in mehreren Bundesländern ist die Software im Einsatz und wirft nicht nur Datenschutzfragen auf, sondern regt auch zu Überlegungen an, ob es nicht sehr riskant ist, sich von US-amerikanischer Software abhängig zu machen.
Sehr spannend ist auch die Verbindung, die der Podcast zu den großen Konflikten weltweit herstellt. Auch in der Ukraine und bei der israelischen Armee ist Technologie von Palantir im Einsatz, was für die Macher*innen des Podcasts der Anlass ist, sich das „Produktversprechen“ von Firmen wie Palantir anzusehen: Hightech-Kriege, bei denen Menschen gar nicht mehr selbst aufs Schlachtfeld müssen, sondern Drohnen oder Roboter befähigen. Das ist alles sehr düster. Und umso wichtiger, ein Schlaglicht darauf zu richten.