Instagram-Hotspots und Geldstrafen: Polizei hat Wildcamper im Visier

Stand: 09.10.2026, 21:00 Uhr

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Woman is hiking around lake Schrecksee in the bavarian alps

Besuchermagnet – auch durch Social Media: der Schrecksee im Allgäu. © Michael Lutz

Die Polizei ist verärgert über die Party-Plage an Allgäuer Alpenseen. Illegale Wildcamper hinterlassen dort unter anderem Müll im Naturschutzgebiet.

Kempten – Plastikflaschen, Konservendosen, Schlauchboote: Der Müll, den illegale Wildcamper im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen hinterlassen, ärgert den Polizeibergführer Jürgen Müller (47). Viele Male musste der Leiter der Alpinen Einsatzgruppe Allgäu heuer mit seinem Team ausrücken, um Ruhestörer am Berg zu ermahnen. Ein Gespräch über Instagram-Hotspots, Geldstrafen und richtiges Verhalten in der Natur.

Polizei ist verärgert über illegale Wildcamper im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen

Herr Müller, Wildcampen liegt im Trend. Spüren Sie das auch?

Die Zahl der Wildcamper hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das liegt daran, dass schöne Örtlichkeiten oder Geheimtipps in der Natur vermehrt in den Sozialen Medien verbreitet und romantisiert werden. Das verleitet zum Nachahmen.

Welche Instagram-Hotspots bereiten Ihnen besonders Bauchweh?

Zu beliebten Hotspots zählen zum Beispiel der Gaisalpsee und der Schrecksee, beides sind Hochgebirgsseen in den Allgäuer Alpen. Die Leute campen dann entweder direkt am Ufer oder verstecken sich im Gebüsch. Sogar auf der Insel im Schrecksee hat mal jemand gezeltet.

Jürgen Müller Polizei Allgäu.

Jürgen Müller Polizei Allgäu. © Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Darf man das überhaupt?

Nein, Zelten und geplantes Übernachten ist im Naturschutzgebiet grundsätzlich verboten. Und das aus gutem Grund: Man soll das sensible Ökosystem nicht stören, die Tiere brauchen nachts ihre Ruhe. Bei einem permanenten Besucherstrom erholt sich die Tierwelt nicht.

Also muss die Polizei ran...

Bekommen wir abends einen Hinweis, etwa von einem Jagdpächter oder Grundstücksbesitzer, dann steigen wir ganz in der Früh hoch auf den Berg. So ein Fußmarsch kann schon mal bis zu drei Stunden dauern. Aber uns geht es darum, die Wildcamper vor Ort zu erwischen. Dann haben wir einen handfesten Beweis, und es gibt keine Ausreden mehr.

Klingt aufwendig.

Das ist es, und wir haben ehrlich gesagt auch nicht immer die Zeit dazu. Im Sommer waren wir drei- bis viermal pro Monat oben. Hilfe bekommen wir zusätzlich von Drohnen. Diese lassen wir im Verdachtsfall an die betroffene Stelle fliegen. So können wir vorab in Echtzeit abklären, ob tatsächlich Leute vor Ort sind und wie viele es sind.

Zelten im Naturschutzgebiet: Nicht erlaubt, aber trotzdem beliebt – wie hier vor einiger Zeit im Oberallgäu.

Zelten im Naturschutzgebiet: Nicht erlaubt, aber trotzdem beliebt – wie hier vor einiger Zeit im Oberallgäu. © LRA

Und wen treffen Sie da?

Meistens sind es jüngere Leute in den Zwanzigern, in Gruppen von bis zu vier Leuten. Das verliebte Pärchen trifft man dort oben eher selten an. Mit dem klassischen Biwakieren, also Übernachten bei einer mehrtägigen Bergtour, hat das meist nichts zu tun. Es hat eher Partycharakter.

Inwiefern?

Die Leute reisen mit riesigen Rucksäcken an, mit Ausrüstung und Essen für mehrere Tage.

Nach so einem Trip bleibt bestimmt mal Müll liegen, oder?

Viele Leute lassen ihren Müll wie Konservendosen oder Plastikflaschen einfach liegen. Sogar günstige Zelte und Schlafsäcke aus dem Supermarkt werden manchmal zurückgelassen. Zuweilen finden wir kaputte Schwimmringe. Einmal wurde sogar ein Schlauchboot entsorgt. Ein anderes Problem ist, dass die Übernachtungsgäste überall ihre Notdurft verrichten.

Zeltende Studenten 2018 am Schrecksee.

Zeltende Studenten 2018 am Schrecksee. © Polizei

Gibt es weitere Probleme?

Alphüttenbesitzer berichten immer wieder, dass in ihre Hütten eingebrochen wurde. Sogar Holzäune wurden schon abgebrochen, um Feuer zu machen.

Welche Strafen drohen?

Bei Wildcampen oder Übernachten drohen 600 Euro Strafe pro Person. Bei weiteren Verstößen wie Feuermachen oder liegen gelassenem Müll können weitere Bußgelder hinzukommen. Angeln ist dort oben ebenfalls verboten. Das jeweils zuständige Landratsamt ist die Verfolgungsbehörde. Die meisten Personen, die wir erwischen, zeigen Verständnis. Zu Handgreiflichkeiten oben am Berg mit der Polizei ist es zum Glück noch nicht gekommen.

Was kann man gegen das Wildcampen tun?

Viele Leute kommen von außerhalb und machen sich auch keine Gedanken darüber, wie sie sich vor Ort verhalten sollen. Hinweisschilder haben bislang leider wenig gebracht. Das hilft es nur, sie über Öffentlichkeitsarbeit zu sensibilisieren. Mein Tipp: Wer zu einer Tour aufbricht, sollte sich vorab über Regeln am Berg informieren, etwa beim Deutschen Alpenverein. Damit sich alle so verhalten, wie es sich in der Natur gehört.