Investitionen trotz kritischer Finanzlage: Landrat Prietz stellt Verwaltungsbericht vor

Stand: 16.10.2026, 06:30 Uhr

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Fünf Jahre auf 176 Seiten: Der Landkreis Rotenburg hat in der auslaufenden Wahlperiode trotz leerer Kassen einiges erreicht.

Fünf Jahre auf 176 Seiten: Der Landkreis Rotenburg hat in der auslaufenden Wahlperiode trotz leerer Kassen einiges erreicht. © Lea Borner

Der Landkreis Rotenburg hat keinerlei finanzielle Rücklagen mehr. Trotzdem investierte die Kreisverwaltung in den vergangenen fünf Jahren in Schulsanierungen, Digitalisierung und Radwege.

Rotenburg – Schulsanierung trotz Geldmangels, fortschreitende Digitalisierung und Probleme durch KI-generierte Mails. Auf 176 Seiten legt die Rotenburger Kreisverwaltung ihre Zusammenfassung der Aufgaben und Ergebnisse der ablaufenden Wahlperiode von 2021 bis 2026 vor. Das Standardvorgehen, um Rechenschaft abzulegen und zu zeigen, was in den vergangenen fünf Jahren im Landkreis erreicht wurde, bietet einen Einblick darin, was den Landkreis bewegt.

Bericht über Ausgaben und Projekte

Zu Anfang geht es um die politische Arbeit des Kreistags, der insgesamt 21-mal getagt hat, erklärt Landrat Marco Prietz (CDU), der den Verwaltungsbericht vorstellt. Danach folgen Kapitel, die nach den 20 Ämtern der Kreisverwaltung organisiert sind, in denen insgesamt 1.193 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind. Viele davon in Teilzeit, bemerkt Prietz. Seit 2021, mit 1.121 Angestellten, zeigt sich ein klares Wachstum des Personals.

„Alle Landkreise haben erheblich neue Stellen geschaffen, doch wir kommen nun an unsere Grenzen, was die Finanzierbarkeit und den Jobmarkt betrifft“, erläutert der Landrat. Der demografische Wandel erschwert auch dem Landkreis Rotenburg, die durchschnittlich 45 geeigneten Auszubildenden zu finden. „Wir sehen die aktuelle Mitarbeiterzahl deshalb als Obergrenze“, so Prietz. Perspektivisch müsse ermittelt werden, wie die Verwaltung weiter modernisiert werden könne, aber die Verantwortung liege auch beim Bund und den Ländern, die laut Prietz eine Aufgabenentlastung schaffen müssten. „Aber es gibt Hoffnung, auf Landesebene ist die Problematik gerade Thema“, sagt Prietz.

In der Druckvariante oder online finden sich Aufgaben und Projekte des Landkreises Rotenburg der vergangenen Jahre.

In der Druckvariante oder online finden sich Aufgaben und Projekte des Landkreises Rotenburg der vergangenen Jahre. © Lea Borner

Digitalisierung und KI

Die Digitalisierung bleibe weiterhin wichtig, besonders um Prozesse zu vereinfachen. Diese beinhaltet bisher unter anderem umgesetzte Online-Dienstleistungen wie digitale Baugenehmigungen für Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Ausrollen der elektronischen Akte. Künstliche Intelligenz spiele auch eine Rolle, im Positiven wie im Negativen. Sie biete auch in der Kreisverwaltung Möglichkeiten bei der Texterstellung und Dokumentenerfassung, wobei stets der Datenschutz und die KI-Verordnung der EU befolgt würden.

Als Beispiel für den Nutzen von KI nennt der Landrat Grenzabstandsmessungen im Bauamt, welche die KI leicht übernehmen könne, während Mitarbeiter laut ihm unersetzlich bleiben, etwa für persönliche und empathische Gespräche, um Bauvorhaben zur Genehmigung zu bringen. In den kommenden Monaten werde eine verwaltungsinterne KI aus Deutschland eingeführt. Doch es gibt auch eine große Schattenseite: Neben der Gefahr für sensible Daten ist KI Grund für eine Überhäufung von Mails an das Team des Landkreises. „Zuvor waren es kurze, selbst geschriebene Mails mit Anfragen, nun kommen KI‑generierte Mails mit drei Seiten Rechtsbelehrung. Und wir müssen alles prüfen“, erläutert Prietz das Problem.

Kritische Finanzlage durch Krisen

Doch das wohl größte Problem bleibt die allbekannte kritische Finanzlage. Sie hat sich auch im Kreis Rotenburg wie im ganzen Land in den vergangenen Jahren verschlechtert. Weniger Finanzierung treffe dabei auf steigende Aufgaben. „Im Staatsangehörigenrecht gab es zum Beispiel eine Verdoppelung der Einbürgerungen, das bedeutet für uns mehr Arbeit“, bringt Landrat Prietz an. Die Corona-Pandemie und der Gasmangel durch den Ukrainekrieg seien dabei nur zwei von vielen Krisen, die der Landkreis überstehen musste und immer noch muss. Durch höhere Lebenshaltungskosten habe es enorme Tarifabschlüsse gegeben, die die Kreisausgaben wiederum weiter in die Höhe treiben. „Wir gehören in Niedersachsen noch zum oberen Drittel und trotzdem geht es uns schlecht“, betont Prietz. In der Konsequenz wird sich auch die Kreisumlage erhöhen. Um wie viele Prozentpunkte macht er noch nicht öffentlich.

Hoffnung auf konstruktive Zusammenarbeit

„Trotzdem haben wir in den fünf Jahren investiert“, betont Prietz. Beispielhaft nennt er den Neubau der BBS Bremervörde, die Sanierung des Rotenburger Ratsgymnasiums, den Breitbandausbau sowie Radwege in der Region. Im neuen Kreistag werden laut dem wiedergewählten Landrat einige Themen fortgesetzt. So etwa die Gebäudeunterhaltung, der Rettungsdienstplan, der Bevölkerungsschutz und der Netzausbau. „Ein Highlight ist eindeutig, dass wir es in der letzten Sitzung des alten Kreistags geschafft haben, das Regionale Raumordnungsprogramm zu beschließen“, freut sich Prietz über die Planung von Vorranggebieten für Windenergienutzung. Es gebe viel zu tun und der Landrat hofft trotz neuer Kreistagszusammensetzung ohne klares Mehrheitsverhältnis weiterhin auf eine konstruktive Zusammenarbeit, die sei essenziell bei den großen anstehenden Aufgaben. Es müssen laut ihm klare Prioritäten gesetzt werden, denn der Kreis hat keine finanziellen Rücklagen mehr. „Eigentlich können wir zusammenfassend sagen: Alles ist in Reform begriffen – Ausgang offen.“ Doch der Landkreis habe schon ganz andere Krisen überwunden, kein Grund zu verzweifeln.