Irans Seekrieg in der Straße von Hormus: Teherans Hoffnung auf einen spektakulären Treffer

Die Führung in Teheran hat einen Seekrieg gegen die USA eröffnet. Die Revolutionsgarde schoss nach eigenen Angaben jetzt zum ersten Mal ballistische Raketen auf einen Flugzeugträger und einen Zerstörer, die bei der US-Seeblockade iranischer Häfen im Einsatz sind.

Der Angriff dürfte nicht der letzte seiner Art gewesen sein: Teheran hofft auf einen spektakulären Treffer, um die USA im Streit um die Straße von Hormus zum Einlenken zu bewegen. Das Regime plant zudem, eine Sperrzone außerhalb der Meerenge einzurichten.

Mit den jüngsten Seegefechten rückt die US-Kriegsmarine, die weltweit mächtigste Seestreitmacht, zum ersten Mal seit Beginn des US-amerikanisch-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran Ende Februar ins Zentrum des Konflikts.

Bisher zielte die Führung in Teheran bei Vergeltungsangriffen im Nahen Osten auf US-Stützpunkte in Jordanien und in den Golfstaaten. Jetzt versucht die Islamische Republik, die Seeblockade durch die Vereinigten Staaten mit Attacken auf die rund 20 US-Kriegsschiffe in der Region – darunter zwei Flugzeugträger und ein Dutzend Zerstörer – zu brechen.

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Mohsen Rezaei, Chef des iranischen Sicherheitsrates, sagte im Staatsfernsehen, dass sein Land bei dem Angriff auf die US-Schiffe eine neu entwickelte Rakete getestet habe. Das Geschoss habe dem Feind „die Hölle“ bereitet. Das US-Militärkommando für den Nahen Osten erklärte dagegen, die Schiffe seien den „unprovozierten iranischen Angriffen“ vom Samstag ausgewichen. Kein Soldat sei verletzt worden.

Als Vergeltung beschoss die US-Armee einen iranischen Öltanker nahe der Insel Kharg im Persischen Golf und zwei weitere im Golf von Oman; Kharg ist unverzichtbar für iranische Ölexporte. Die Revolutionsgarde schlug nach eigenen Angaben mit Angriffen auf drei Tanker in der Straße von Hormus und drei andere Frachter zurück.

Die Spannungen dürften sich weiter verschärfen. Rezaei kündigte an, in den kommenden Tagen werde die Islamische Republik eine Sperrzone auf See einrichten, die von den Gewässern außerhalb der Straße von Hormus bis in den Persischen Golf hinein reichen werde. Alle Schiffe, die in diesem Gebiet angetroffen werden, sollen nach seinen Worten auf eine Sanktionsliste gesetzt werden.

Zudem werde Teheran bald eine neue Schiffsroute durch die Straße von Hormus veröffentlichen, die mit dem südlichen Nachbarn Oman vereinbart worden sei, sagte Rezaei. Teheran will mit der Sperrzone und der neuen Route seine Kontrolle über den Schiffsverkehr in der Meerenge zementieren.

Irans Marine wurde in den ersten Monaten des Krieges durch Luftangriffe weitgehend ausgeschaltet. Das Land verfügt aber nach wie vor über Tausende Raketen und Drohnen. Mit diesen Waffen greifen die Iraner fast täglich zivile Schiffe an, die trotz der Sperre der Straße von Hormus versuchen, die Meerenge zu passieren. Außerdem kann Teheran auf eine Flotte von Schnellbooten zurückgreifen.

Die USA demütigen

Ziel der Iraner sei es, die USA mit einem spektakulären Schlag gegen eines der modernen Kriegsschiffe zu demütigen, analysiert der Militärexperte Farzin Nadimi von der US-Denkfabrik Washington Institute. Er rechne damit, dass die Revolutionsgarde künftig mehr auf ballistische Waffen und auf Torpedos setzen werde, schreibt Nadimi auf X.

Auch Sprengstoffanschläge auf die Flotte der Vereinigten Staaten seien möglich, vermutet Nadimi. Als Beispiel nannte er den Angriff des Terrornetzwerks Al-Qaida auf den Zerstörer „USS Cole“ im Hafen der jemenitischen Stadt Aden im Jahr 2000, bei dem 17 Seeleute starben.

Drohungen aus Teheran

US-Präsident Donald Trump hatte vor zwei Wochen einen „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran mit neuen Sanktionen ausgerufen; kurz darauf bombardierten die USA nach einem Monat Pause wieder Stellungen der Islamischen Republik an der Straße von Hormus. Die Führung in Teheran beabsichtigt nicht, sich dem Druck zu beugen, und droht mit einer Ausweitung ihrer Vergeltungsangriffe.

Wachsender wirtschaftlicher Druck wird das Regime nach Einschätzung von Experten nicht automatisch vorsichtiger, sondern möglicherweise noch risikofreudiger machen. Wenn sich die Machthaber im Überlebenskampf sehen, dürften sie alles in die Schlacht werfen, was sie haben.

Bis zum US-Angriff auf die iranischen Tanker am Wochenende habe in der Teheraner Elite die Meinung vorgeherrscht, dass Trump das Land in die Hyperinflation treiben und neue Proteste provozieren wolle, sagt Ali Alfoneh vom Institut der Arabischen Golfstaaten in Washington.

Laut diesem Szenario wolle Washington das Regime vor die Wahl stellen, sich entweder zu ergeben, einen fortschreitenden Zerfall der eigenen Herrschaft zu akzeptieren – oder den Krieg gegen die USA neu zu eröffnen. Alfoneh zufolge lassen die Gefechte am Wochenende nur eine Möglichkeit übrig: Krieg.