Stand: 11.09.2026, 18:19 Uhr
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Joschka Fischer erwartet das Ende der NATO in ihrer bisherigen Form und fordert ein stärkeres Europa.
Deutschland und Europa müssen sich nach Ansicht des früheren Außenministers Joschka Fischer darauf einstellen, dass die NATO in ihrer bisherigen Form nicht bestehen bleibt. Der Grünen-Politiker sieht die transatlantischen Beziehungen durch den Vertrauensverlust unter US-Präsident Donald Trump dauerhaft beschädigt. Europa müsse deshalb militärisch stärker werden und seine eigene Verteidigung absichern.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Fischer: Vertrauen in die USA ist beschädigt
Im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit sagte Fischer, beim Verhältnis zu den USA werde es „kein Zurück“ zum früheren Zustand geben. Verlorenes Vertrauen lasse sich nur schwer wiederherstellen. Trotzdem solle Europa am transatlantischen Verhältnis festhalten – unabhängig davon, wer im Weißen Haus regiere.

Entscheidend sei, dass Europa gegenüber Washington auf einer neuen Grundlage auftrete, erklärte der ehemalige Vizekanzler. „Wir müssen in der Lage sein, uns selbst zu verteidigen.“ Die jahrzehntelange „Hyperdominanz“ der USA innerhalb der NATO sei vorbei. Ein stärkeres Europa könne nach seiner Einschätzung auch das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten verändern.
NATO könnte als europäisches Militärbündnis weiterleben
Fischer erwartet deshalb nicht einfach ein Ende jeder militärischen Zusammenarbeit. Er unterscheidet zwischen dem bisherigen transatlantischen Bündnis und einer möglichen europäischen Sicherheitsstruktur. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Nato überlebt“, sagte er in dem Interview.
Gemeint ist nach Fischers Worten vor allem die NATO als Bündnis zwischen Nordamerika und Europa. Diese Form werde „nicht bestehen bleiben“, fürchte er. Eine NATO als militärischer Zusammenschluss europäischer Staaten könne dagegen weiter gebraucht werden. Fischer nannte dabei auch Großbritannien und Kanada als mögliche Partner.
Ein solches Bündnis aufzugeben, wäre aus seiner Sicht ein Fehler. Europa müsse seine Verteidigung ausbauen und bereit sein, eigene Sicherheitsinteressen durchzusetzen. Dabei gehe es nicht um einen vollständigen Bruch mit den USA. Fischer setzt vielmehr auf eine neue Form der Zusammenarbeit, bei der Europa weniger abhängig von Washington wäre.
Europa soll unabhängiger von Washington werden
Sollte das gelingen, könne das transatlantische Verhältnis auf einer neuen Grundlage erneuert werden, sagte Fischer laut Die Zeit. Gemeinsam seien Europa und die USA stärker. Zugleich machte er deutlich, dass er zwischen Europa und der politischen Bewegung um Trump keine gemeinsamen Werte mehr sieht.
Auch mit Blick auf Europas politische Entwicklung warnte Fischer vor weiteren Belastungen. Für die Präsidentschaftswahl in Frankreich im kommenden Jahr sehe es „düster“ aus, sagte er. Gerade deshalb müsse Europa am gemeinsamen Sicherheitsprojekt und an demokratischen Grundwerten festhalten. Diese Linie solle nach seinen Worten auch unter schwierigen politischen Bedingungen nicht aufgegeben werden: „Man muss auch defensive Kämpfe führen, mit aller Kraft, dann und wann.“ Quellen: Die Zeit, nif/red.