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Es wirkt wie das perfekte Klischee: Die Serie „The Shards“ (ab 6. August auf Disney+) dreht sich um eine Gruppe hedonistischer Teenager – Kategorie „reich und schön“, deren Glamour-Leben von einem Serienmörder bedroht wird. Und eine der Hauptrollen wird ausgerechnet gespielt von Kaia Gerber – Tochter von Supermodel Cindy Crawford. Jetzt schmückt Gerber selbst die Laufstege der Haute Couture und Cover der einschlägigen Modemagazine, wenn sie nicht gerade mit Beziehungen zu jungen Hollywoodstars wie Austin Butler für Schlagzeilen sorgt.
Doch man sollte es sich mit derartigen Pauschaleinschätzungen nicht zu leicht machen. Schon allein deshalb, weil die Serie nicht einfach dem aus unzähligen Horrorfilmen bekannten Teeniekiller-Genre zuzuordnen ist. Sie beruht auf der gleichnamigen Romanvorlage von Kultautor Bret Easton Ellis („American Psycho“), der in seinen Büchern die moralisch-psychologischen Abgründe hinter dem glitzernden Schein der amerikanischen Hautevolee auslotet.
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Kaia Gerber: Fragen zu ihrer Mutter sind tabu
Auch Kaia Gerber entspricht so gar nicht dem Bild, das man sich nach der Lektüre einiger Schlagzeilen zurechtbasteln könnte. Dabei scheint das Ambiente des Gesprächs im Berliner Soho House das Klischee erst mal zu verstärken: In den Gängen wimmelt es von Pressevertretern des Disney-Verleihs. Nervös wird man darauf hingewiesen, dass bestimmte Fragen – speziell zu ihrer Mutter – tabu seien. Im Interviewraum selbst sitzen gleich mehrere Presseagenten, wie um die Einhaltung der Fragen-Etikette zu überwachen.
Aber schon die erste Antwort deutet darauf hin, dass sich die 24-Jährige dem Klischee des Töchterchens aus privilegiertem Haus – modern „Nepo-Baby“ – verweigert. Etwa, wenn sie sich klar von den Protagonisten der Serie distanziert und feststellt, dass „Reichtum und Privilegien nicht für Zufriedenheit sorgen“.

Kaia Gerber (links) mit ihrer Mutter Cindy Crawford bei einer Gala in Los Angeles.© picture alliance / Jordan Strauss/Invision/AP | Jordan Strauss
Letzteres mag noch ein wohlfeiles Lippenbekenntnis sein, aber die folgenden Aussagen lassen eine überaus reflektierte Person erkennen. Etwa, wenn sie sich über die Bedeutungen zwischenmenschlicher Beziehungen im digitalen Zeitalter auslässt und erklärt, dass die Distanzierung, wie sie durch Online-Medien entsteht, eine „Sehnsucht“ nach ebendiesem persönlichen Kontakt entstehen lässt. Und nicht jeder der Generation Z philosophiert darüber, dass man sich schon „sehr weit“ die Straße der virtuellen Medien „hinunterbewegt“ habe, und äußert die Hoffnung, „das Pendel möge wieder in die andere Richtung zurückschwingen“.
Emanzipation vom Schatten der Eltern: Gerber startete erfolgreiche Karriere
Sie erklärt auch noch, inwieweit sie ihre Mutter – und ihr Vater – mit der analogen Kultur der 80er vertraut gemacht haben. Dass detaillierte Fragen über die Supermodel-Sozialisierung nicht gestattet sind, hängt auch damit zusammen, dass sich die Journalisten in früheren Interviews nur auf dieses Thema kaprizierten.
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Und unabhängig vom familiären Hintergrund erscheint es nicht sinnvoll, eine Person ausschließlich darauf zu reduzieren. Zumal sich Kaia Gerber von ihrer eigenen Model-Karriere zu emanzipieren begann. Anders als ihre Mutter, die sich nur ansatzweise und wenig erfolgreich als Schauspielerin versuchte, war sie schon vor „The Shards“ binnen weniger Jahre in mehreren hochkarätigen US-Serien zu sehen. Dazu zählt unter anderem „American Horror Story“ von Ryan Murphy, einem der bekanntesten TV- und Streaming-Macher Hollywoods, der auch für „The Shards“ verantwortlich zeichnet.
Selbstreflexion: Gerber spricht über eigene Arroganz
Während sich andere Jungstars von der Anwesenheit des PR-Korps beeindrucken lassen und nur Werbefloskeln von sich geben, spricht sie offen von ihrer jugendlichen Arroganz, mit der sie glaubte, die Welt verstanden zu haben. Jetzt, meint sie, habe sie begriffen, wie viele Dinge sie noch nicht wisse und wie sehr sie der Gedanke an die eigene Sterblichkeit präge.
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Sie zitiert die brasilianische Schriftstellerin Clarice Lispector mit dem Satz „Ich brauche andere, um durchzukommen, denn ich bin ein Narr“. Dieses Zitat ist kein Zufall, denn mit der Journalistin Alyssa Reeder betreibt sie den digitalen Buchclub Library Science, der vor Lesetipps nur so überquillt.

Es ist nur eine bittere Ironie, dass sie plötzlich in den PR-Modus schaltet, als sie nach anderen Autoren befragt wird, die für sie wichtig sind. Spontan nennt sie lediglich die Schöpfer von „The Shards“, Bret Easton Ellis und Ryan Murphy. Doch insgesamt verfestigt sich der Eindruck, dass Kaia Gerber das ganze Potenzial ausschöpfen wird, das ihr familiär in die Wiege gelegt wurde. Und womöglich werden sich künftige Generationen nur noch auf sie beziehen, während der Name „Cindy Crawford“ keine Gedankenketten mehr triggern wird.