Kanzler Merz in Paris Starke Gesten – doch dahinter wächst die Unsicherheit
14.07.2026 · 13:23 Uhr
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Die größte Militärparade zum französischen Nationalfeiertag
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Foto: AFP/LUDOVIC MARIN
Meinung | Berlin · Kanzler Friedrich Merz ist Ehrengast von Emmanuel Macron bei dessen letzter Parade zum 14. Juli. Macron kündigt auch überraschend Manöver zugunsten der Ukraine an. Doch die Europäer sind auch besorgt: Die Solidarität schwindet.
Paris, 14. Juli, französischer Nationalfeiertag, ganz großer Bahnhof: Kanzler Friedrich Merz (CDU) und 23 weitere Staats- und Regierungschefs haben am Dienstag in Paris die bislang größte Militärparade zum französischen Nationalfeiertag mitverfolgt, unter ihnen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron inszeniert zum letzten Mal den Nationalfeiertag als weltpolitische Bühne – und er nutzt sie. Etwa 500 Soldaten aus Ländern, die zur sogenannten „Koalition der Willigen“ zählen, marschierten bei der Parade auf der Prachtstraße mit.
Der französische Präsident Emmanuel Macron(l) küsst seiner Frau Brigitte Macron die Hand vor der traditionellen Militärparade zum französischen Nationalfeiertag - rechts applaudiert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Foto: Benoit Tessier/Pool Reuters/AP/d/Benoit Tessier
Und Macron hat weitreichende Pläne: Er kündigte am Montag überraschend schon für die nächsten Monate gemeinsame Manöver der „Koalition der Willigen“ in den Nachbarländern des von Russland angegriffenen Landes an. Das erste soll bereits in diesem Herbst in Polen stattfinden.
So weit, so gut. Doch die Koalition der Willigen bröckelt. 2023 leisteten noch 21 EU-Staaten aktiv Militärhilfe für die Ukraine. 2026 sind es nur noch 14, berichtet der „Spiegel“. Und für 2027 fehlen selbst von großen Partnern wie Frankreich noch verbindliche Zusagen. Das ist kein guter Trend für Kiew.
Und dieser Trend hat Gesichter. In Großbritannien ist Keir Starmer so innenpolitisch angeschlagen, dass er zurücktreten musste – seine Teilnahme in Paris ist nur noch der Diplomatie geschuldet. In Polen tobt ein geschichtspolitischer Streit mit Kiew, den die Rechte dort instrumentalisiert. Und die USA unter Präsident Donald Trump sind schon lange kein verlässlicher Partner mehr.
Merz erwähnte die multinationale Truppe und die Manöver in seinem Statement nicht. Er sprach lediglich davon, dass die Koalition der Willigen bereit sei, bei den Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand eine „wichtige Rolle“ zu spielen, in enger Zusammenarbeit mit den USA.
Am meisten aber beunruhigt das, was in Osteuropa passiert – ausgerechnet dort, wo die Solidarität nach dem russischen Überfall 2022 am stärksten war. Die Umfragen zeigen es: Die Sympathie für die Ukraine sinkt. Die Erschöpfung wächst. Und die politische Rechte – von Warschau bis Paris – wittert ihre Chance.
Die Parade in Paris war eindrucksvoll. Doch was die Ukraine jetzt braucht, ist keine Choreografie der Geschlossenheit, sondern echte, verbindliche, dauerhafte Unterstützung. Die Zeit der großen Gesten läuft ab, Russlands offensichtlicher Schwäche zum Trotz. Was bleibt, ist die Frage: Wer hält wirklich durch?
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