Stand: 05.08.2026, 13:23 Uhr
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Der Ex-Schachweltmeister warnt nach Selenskyjs Treffen mit Trump vor falschen Hoffnungen.
Washington – Garri Kasparow hält neue Hoffnungen auf US-Präsident Donald Trump für gefährlich. Nach dessen Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj warnt der russische Oppositionelle davor, aus dem freundlichen Ton konkrete Fortschritte abzuleiten. „Von Trump sollte man nichts erwarten – jedenfalls nichts Gutes“, sagte Kasparow.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Selenskyj war zu Beginn letzter Woche mit Trump zusammengekommen. Das Gespräch im Weißen Haus dauerte nach Berichten von US-Medien gut eine Stunde und fand hinter verschlossenen Türen statt. Der frühere Schachweltmeister Kasparow bewertete das Treffen in einem Interview mit dem oppositionellen Forum Freies Russland deutlich skeptischer als die Beteiligten.

Selenskyj hatte nach dem Gespräch zunächst erklärt, Trump habe der Ukraine Lizenzen zur Herstellung von Abfangraketen für das Flugabwehrsystem Patriot zugesagt. Das sagte der ukrainische Präsident in einem Interview mit dem US-Sender Fox News. Zuvor hatte er auf der Plattform X mitgeteilt, beide Seiten hätten über die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung gesprochen.
Trump rudert bei Patriot-Lizenzen zurück
Nur kurze Zeit später widersprach Trump dieser Darstellung. Die USA hätten einer ukrainischen Produktion von Patriot-Raketen noch nicht zugestimmt, sagte er bei einer Kabinettssitzung in Camp David im US-Bundesstaat Maryland. Die Gespräche liefen weiter.
Man müsse sehr vorsichtig sein, wem die USA eine solche Technologie überließen, erklärte Trump. „Ich glaube nicht, dass das jemals passieren wird“, sagte er. Es bestehe die Gefahr, dass sich Empfänger der Technologie eines Tages gegen die Vereinigten Staaten wenden könnten.
Die Ukraine benötigt weitere Patriot-Raketen, um russische ballistische Raketen abzufangen. Selenskyj hatte bereits im Frühjahr vor knappen Munitionsbeständen gewarnt.
Kasparow sieht Selenskyjs Ziele nicht erreicht
Kasparow sagte, er verfüge über keine internen Informationen zu dem Treffen. Nach den bislang bekannten Ergebnissen sei es für Selenskyj jedoch nicht erfolgreich verlaufen. „Was Selenskyj wollte, hat er nicht bekommen“, erklärte der im Exil lebende Kremlkritiker.
Viele Ukrainer und Europäer hätten wiederholt auf einen Kurswechsel Trumps gehofft. „Doch jedes Mal lösen sich diese Hoffnungen auf“, sagte Kasparow dem Forum Freies Russland. Der US-Präsident enttäusche regelmäßig die Erwartungen.
Kasparow warf Trump vor, den politischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland nicht konsequent zu erhöhen. Der US-Kongress habe zwar ein abgeschwächtes Sanktionsgesetz beschlossen. In der Außenpolitik könnten solche Maßnahmen ohne Unterstützung des Präsidenten jedoch kaum Wirkung entfalten.
Warnung vor neuem Druck auf Kiew
Trump könnte den Preis des Krieges für Russland innerhalb weniger Wochen erheblich erhöhen, behauptete Kasparow. Stattdessen erkenne er keine Bereitschaft des Präsidenten, gegen Wladimir Putin vorzugehen. Auch der wachsende Druck aus der Republikanischen Partei habe daran bislang nichts geändert.
Kasparow kritisierte zudem US-Außenminister Marco Rubio. Dessen Ankündigung, später erneut über mögliche Verschiebungen sogenannter roter Linien zu sprechen, verschaffe Putin aus seiner Sicht Zeit. Russland könne versuchen, die militärische Lage zu seinen Gunsten zu verändern.
Danach könnte Washington den Druck auf die ukrainische Führung erneut erhöhen, warnte Kasparow. Ein solcher Versuch sei bereits im vergangenen Winter gescheitert. Dennoch habe Putin nun ein weiteres Zeitfenster erhalten.
Vom Schachweltmeister zum Aktivisten
Garri Kasparow, ehemaliger Schachweltmeister, gehört zu den bekanntesten Kritikern des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der 1963 in Baku geborene Großmeister prägte über Jahre die internationale Schachwelt und gilt als einer der besten Spieler aller Zeiten.
Nach dem Ende seiner Profikarriere wurde er politisch aktiv und trat als Oppositionsaktivist gegen die russische Regierung auf. Kasparow lebt seit vielen Jahren im Exil und äußert sich regelmäßig zu politischen Ereignissen in Russland sowie zum Krieg gegen die Ukraine. Quellen: Forum Freies Russland/YouTube, Fox News, X, nif/red.