Kaum sind die Tornados durch, peitscht das nächste Extrem-Unwetter auf Deutschland ein
Stand: 20.08.2026, 14:31 Uhr
Ein Wirbelsturm fegt durch den Westerwald und hinterlässt Trümmer. Und das nächste Unwetter steht schon in den Startlöchern.
Es dauerte nur wenige Minuten. Dann war das Grauen da. Eine brutale Gewitterfront fegte am Mittwochabend über weite Teile Deutschlands und hinterließ ein Bild, das viele Betroffene noch lange nicht vergessen werden. Herausgerissene Wände, abgedeckte Dächer, entwurzelte Bäume, kilometerweite Stromausfälle. Was sich wie eine Szene aus einem Katastrophenfilm anfühlt, ist bittere Realität in einem Land, das eigentlich gar nicht für Tornados bekannt ist – aber vielleicht sein sollte.

Besonders hart traf es den Westerwald: Rund um Höhr-Grenzhausen riss der Wirbelsturm Wände aus mindestens zwei Häusern, schwere Fassadenteile flogen durch die Luft. Über 100 Einsatzstellen arbeiteten die Kräfte laut Westerwaldkreis in der Nacht ab. Im hessischen Solms hob der Sturm komplette Dachstühle an und mehrere Häuser sind seitdem unbewohnbar, berichtete die Tagesschau. In Fürstenwalde in Brandenburg deckte ein bestätigter Tornado das Dach einer Kita ab, Dachteile flogen bis zu 600 Meter weit. In Wetzlar beschädigte das Unwetter rund 60 Häuser. Und im rheinland-pfälzischen Waldorf starb eine 58-Jährige, als ein entwurzelter Baum auf eine Sitzgruppe stürzte, unter der sie Schutz gesucht hatte.
Windhose, Tornado, Fallböe – was ist was? Und gibt es sie in Deutschland häufiger?
War das überhaupt ein Tornado, oder eine Windhose? Eine „Windhose“ ist im Deutschen einfach das ältere Wort für Tornado. Gemeint ist dasselbe Phänomen, nämlich ein rotierender Luftschlauch mit Bodenkontakt, laut daswetter.com. Verwechselt wird er häufig mit der Fallböe. Bei ihr schießt Luft geradlinig nach unten und zur Seite, ohne Rotation. Ein Tornado braucht für seine Entstehung warme, feuchte Luft am Boden, kältere Luft in der Höhe und Windscherung, also Winde, die mit der Höhe schneller werden und die Richtung wechseln. Kippt der entstehende Wirbel in die Senkrechte und bekommt Bodenkontakt, ist der Tornado geboren.
Wann kommt der nächste Sturm? Eine Luftmassengrenze teilt Deutschland derzeit. Im Süden brodelt schwül-heiße Subtropikluft. Am Donnerstag dem 20.08. und am Freitag verlagert sich der Schwerpunkt nach Bayern und Baden-Württemberg. Sintflutartiger Regen, dicker Hagel und einzelne Tornados sind laut daswetter.com nicht ausgeschlossen. Doch der Sturm bringt noch eine weitere Gefahr mit sich: Deutschlands Böden sind nach monatelangem Niederschlagsmangel pulvertrocken – und der kräftige Wind aus West bis Nordwest könnte dort, wo kein Regen fällt, Staubstürme aufwirbeln, die die Sicht gefährlich verschlechtern.
Deutschland ist dabei kein Ausnahmefall, auch wenn das viele überrascht. „In Deutschland gibt es im Schnitt 49 Tornados pro Jahr, darunter sind 18 Tornados über dem Wasser“, sagte Marcus Beyer, Meteorologe und Tornado-Experte beim Deutschen Wetterdienst, gegenüber dem Weather Channel. „Tornados sind also gar nicht so selten, wie man gemeinhin meint.“ Die Hauptsaison läuft von Mai bis September. Im Jahr 2025 wurden laut Beyer 46 Tornados bestätigt, leicht unter dem langjährigen Mittel, vor allem wegen Gewitterarmut.
Aber gibt es wirklich immer mehr Tornados in Deutschland? Das ist eine falsche Schlussfolgerung. Die gestiegenen Zahlen sind kein Beweis für mehr Tornados, sondern für bessere Erfassung. Analysen des Deutschen Wetterdienstes (via Deutschlandfunk-Interview mit Experte Marcus Beyer) zeigen: Zwischen 2000 und 2024 lag der Schnitt bei 49 bestätigten Tornados pro Jahr. Frühere grobe Schätzungen, vor der gängigen Digitalfotografie gingen nur von 10 bis 20 Fällen aus. Dennoch: Beyer schätzt, dass jährlich rund 20 Tornados durch die Statistik rutschen, weil sie etwa über Wälder ziehen, wo sie niemand sieht. Hier sind sie besonders verheerend, denn das Waldbrandrisiko steigt aktuell stark.