Kein Winterdienst: Dorf kommt ins Schwitzen Wattweiler fürchtet im Winter wieder Szenen wie im „Bergdoktor“
Wattweiler · Ortsvorsteher Thomas Körner klagt: Im Januar gab es auf eisglatten Straßen im Dorf gleich zwei dramatische Rettungseinsätze. Ortsbeirat fordert: Winterdienst der Stadt müsse künftig besser werden.
17.09.2026 , 20:16 Uhr
Im Januar 2026 war Wattweiler nach dem Wintereinbruch in argen Nöten. Nach zwei Unfällen hatten die Retter ernste Probleme, jeweils zu Hilfe zu kommen, weil die Straßen so glatt waren (in der Bildmitte oben ist ein Rettungswagen zu sehen). Ein Bürger muss sich (Bildrand oben rechts) gar an einer Mauer festhalten, um nicht hinzufallen. Diese Aufnahme hat uns Ortsvorsteher Thomas Körner gesandt.
Foto: Thomas Körner
(eck) „Jetzt wird’s kurios“, kündigte der Wattweiler Ortsvorsteher Thomas Körner (FWG) an. Es war die Sitzung des Ortsbeirates am Montagabend. Und Körner wollte ein Anliegen loswerden, das ihm unter den Nägeln brennt.
Mit Blick auf den Dienstag, für den fast 30 Grad gemeldet worden waren meinte Körner fast schon entschuldigend: „Wir müssen uns jetzt über den Winterdienst in Wattweiler unterhalten.“ Schnell wurde deutlich: Wattweiler sollte früh damit beginnen, dieses Thema in den Blickpunkt zu nehmen. Denn die Angelegenheit ist für Wattweiler keineswegs „kurios“, sondern ernst.
„Die „altgedienten Ortsbeirats-Mitglieder können wahrscheinlich gar nicht abzählen, wie oft dieser Punkt schon auf der Tagesordnung stand“, merkte Körner zu Beginn an.
Wie oft habe Wattweiler schon in der Vergangenheit gehört, dass der Winterdienst in dem Dorf Einschränkungen hinzunehmen habe.
Aber: Dieses Jahr habe es „zwei Beinahe-Katastrophen“ gegeben, sagte der Ortsvorsteher. „Das ist nicht übertrieben.“
Am 2. Januar 2026 habe es in Wattweiler Schneefall in einem Umfang gegeben wie sicher schon seit fünf, sechs Jahren nicht mehr.
Am Samstag, 3. Januar, sei es dann zu zwei schweren Unfällen gekommen. Einmal in der Straße Schulacker, im abschüssigen Teil, genannt „Im Wingert“. Dort sei ein Bürger verunglückt; er sei aufgrund seiner Verletzungen auf einen Rettungsdienst angewiesen gewesen. Der Rettungsdienst sei dann auch gekommen, die Besatzung sei sofort hin zu dem Verunglückten.
Dramatischerweise habe sich das Rettungsfahrzeug „auf eisglatter Fahrbahn verselbständigt, es rutschte den Berg herunter“, schilderte Körner. Wie durch ein Wunder sei es glimpflich ausgegangen und das Fahrzeug nicht in eines der Häuser am Ende der Straße gekracht.
Ein Rettungseinsatz „wie im Fernsehen beim Bergdoktor“ habe sich daraufhin abgespielt. „Mit alpinen Mitteln“ sei die Feuerwehr zu Hilfe geeilt und habe den verletzten Bürger mit einer Schleifkorbtrage geborgen – per Seilwinde. Ein zweites mittlerweile herbeigeeiltes Rettungsfahrzeug habe den Bürger dann aufgenommen. Insgesamt sei wohl rund eine Stunde vergangen.
„Es ging um einen Verletzten, der glücklicherweise nicht in lebensbedrohlicher Situation war“, machte Körner deutlich, dass die wegen spiegelglatter Straßen „mühsame Rettungsaktion“ auch viel schlimmer hätte ausgehen können.
Körner: „Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn es sich um einen Herzinfarkt oder Schlaganfall gehandelt hätte, wo jede Minute zählt.“ Auch am Folgetag sei die Straße noch „spiegelglatt“ gewesen.
Körner sagt, Wattweiler wolle von der Verwaltung in Zweibrücken nichts Unmögliches verlangen: Dass ein Räumeinsatz nicht sofort starten kann, wenn die ersten Weißröckchen vom Himmel tanzen – geschenkt. Aber am zweiten Tag nach massivem Schneefall, da müssten die Straßen schon geräumt sein.
Der Ortsvorsteher räumt ein: Sein Dorf weist eine sehr ungewöhnliche Topographie auf. „Wir haben das Alleinstellungsmerkmal, dass in Wattweiler tatsächlich jedes Haus nur über Gefälle oder Steigungsstrecke zu erreichen ist.“
Leider sei der oben geschilderte dramatische Fall nicht der einzige in Wattweiler gewesen. In der Straße Am Sandrech habe sich ebenfalls ein Bürger verletzt. Das Rettungsfahrzeug, das hier eintraf, kam den Berg nicht hoch und konnte nicht helfen. Ein Ortsbeiratsmitglied ergänzte Körners Ausführungen. Das Rettungsfahrzeug habe Winterreifen aufgezogen gehabt. Aber bei spiegelglatter Straße drehten halt auch die griffigsten Winterreifen durch. Der Rettungsdienst sei aus zwei anderen Einsätzen aus Zweibrücken gekommen, wo geräumt gewesen war. Als die Helfer in Wattweiler eintrafen, mussten sie feststellen: Hier müssen Schneeketten aufgezogen werden. Auch hier verging laut Körner viel wertvolle Zeit, auch hier hätte der Fall schlimm ausgehen können.
Körner sagte, er habe die Stadtverwaltung um Stellungnahme gebeten: Warum habe man sich Anfang Januar nach diesem schwierigen Wintereinbruch nicht assistierend privater Räumungsdienste bedient?
Der Ortsvorsteher ist sich gewiss: „Ich möchte wetten, an dem Samstag, 3. Januar, war morgens um acht Uhr jeder Parkplatz bei Lidl, Aldi, Globus, Rewe frei und sauber. Nur die Straßen in Wattweiler nicht.“
Daraufhin sei Körner erwidert worden: „Wer soll das bezahlen?“, schilderte Körner die Antwort auf seine Frage. Körner stellte im Ortsbeirat die Gegenfrage: „Wer übernimmt die Verantwortung, wenn jemand massiv zu Schaden oder gar ums Leben kommt?“
Es sei vonnöten, diese Frage zu stellen. In der nächsten Ortsbeiratssitzung am 19. Oktober wolle man dies – rechtzeitig vor dem Winter – tun und die Stadt um Antwort bitten. Körner schickte, unter bestätigendem Nicken der anderen Ortsbeiratsmitglieder, voraus: „Wir lassen uns nicht mehr abspeisen.“
Mit Blick auf die Bürgersteige erwähnte Körner: „Ich war mit meiner Gattin am Sonntag, 4. und Montag, 5. Januar im Dorf spazieren. Überall dort, wo die Bürger dafür verantwortlich sind, zu räumen, waren die Bürgersteige frei. Außer dort, wo es Aufgabe der Stadt ist, zu räumen.“
Er nannte als ein Beispiel die Bushaltestellen: Hier sei auch am 5. Januar noch nicht geräumt gewesen. So etwas dürfe einfach nicht sein. Zumal ja ganz eindeutig erkennbar alle Bürger brav den Gehweg vor ihrem Haus geräumt hätten.
Der Ortsbeirat drängt darauf, dass sich in der nächsten Sitzung am 19. Oktober ein Vertreter von Stadt beziehungsweise UBZ einfinden wird, um Rede und Antwort zu stehen.
Körner verdeutlichte, dass ein guter, zeitnaher Winterdienst nicht nur für das Dorf selbst gewinnbringend wäre. Sondern auch für den Steuerzahler: Unter Lachen der Räte sagte der Ortsvorsteher: Was die beiden erwähnten Rettungseinsätze mit hinzugezogener Feuerwehr beziehungsweise weiterem Rettungsfahrzeug an Zusatzkosten verschlungen hätten – „für das Geld hätte der Winterdienst bei uns bis in den Juli hinein räumen können“.