Waldbrand im Müritz-Nationalpark: Feuer weiter in Schach gehalten

Feuerwehrleute haben Kreisregner zum Eindämmen des Waldbrands im Müritz-Nationalpark aufgestellt.

Stand: 17.07.2026 • 20:47 Uhr

Die Brandbekämpfung im Müritz-Nationalpark dauert an: Rund 400 Einsatzkräfte kämpfen weiter gegen die Flammen. Das Brandgebiet umfasst inzwischen etwa 360 Hektar. Zwar breitet sich das Feuer langsamer aus als noch zu Beginn der Woche, Entwarnung gibt es aber nicht.

Der Waldbrand beschäftigt Feuerwehr, THW, Bundeswehr und zahlreiche Helferinnen und Helfer seit Montag. Wegen der im Boden liegenden Munition können die Einsatzkräfte die Brandherde weiterhin nicht direkt löschen. Stattdessen versuchen sie mit Kreisregnern und Löschhubschraubern, das Feuer einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Kreisregner und Hubschrauber halten Feuer unter Kontrolle

Nach Angaben der Einsatzleitung ist das Brandgebiet inzwischen vollständig mit Linien aus sogenannten Kreisregnern eingekesselt. Die Beregnungsanlagen laufen mit voller Leistung und halten den Waldboden rund um die Brandherde feucht. Dadurch breitet sich das Feuer inzwischen deutlich langsamer aus als noch in den vergangenen Tagen.

Hier Kreisregner in der Nähe von Kratzeburg.

Zusätzlich unterstützen erneut Hubschrauber der Bundeswehr die Löscharbeiten aus der Luft. Die beiden Transporthubschrauber vom Typ CH-53 nehmen Wasser aus umliegenden Seen auf und werfen es großflächig über gefährdeten Bereichen ab. Wegen der Munitionsbelastung dürfen sie die eigentlichen Brandherde jedoch nicht direkt überfliegen. Nach Angaben des Landkreises haben die Hubschrauber die Einsatzkräfte deutlich entlastet und sollen deshalb auch am Sonnabend wieder im Einsatz sein. Inzwischen ist auch die Versorgung der Maschinen mit Kerosin sichergestellt.

Damit die Hubschrauber Löschwasser aufnehmen können, bleiben mehrere Seen in der Umgebung für Menschen und Boote weiiter gesperrt. Betroffen sind der Pagelsee, der Dambecker See, der Granziner See, der Käbelicksee und der Priesterbäker See. Die Müritz ist von den Sperrungen nicht betroffen.

Munition erschwert die Löscharbeiten

Der Brand breitet sich auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz aus. Im Boden liegen noch Munitionsreste aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs und der DDR, darunter auch große Panzerabwehrminen. Deshalb dürfen die Einsatzkräfte das Brandgebiet nicht betreten und müssen einen Sicherheitsabstand von rund 1.000 Metern einhalten. Eine direkte Brandbekämpfung ist dadurch nicht möglich.

"Ansonsten wäre das Feuer längst aus", sagte Thomas Müller, Landrat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte (CDU). Stattdessen können die Einsatzkräfte das Feuer nur indirekt bekämpfen und die Beregnungsanlagen außerhalb des Gefahrenbereichs aufbauen. Immer wieder kommt es im Brandgebiet zu Explosionen.

Gewitter ziehen an Brandregion vorbei

Die für Teile Mecklenburg-Vorpommerns vorhergesagten schweren Gewitter zogen am Freitagnachmittag zunächst ohne den erhofften Niederschlag an der Brandregion vorbei. "Es kam kein Tropfen runter", sagte Kreissprecher Marten Schröder. Entsprechende Unwetterwarnungen vor Extrem-Gewittern des Deutschen Wetterdienstes wurden aufgehoben.

Nach einer Lagebesprechung am Freitag teilte die Einsatzleitung mit, dass sich das Feuer zunächst nicht weiter ausgebreitet habe. Der Amtsleiter des Müritz-Nationalparks, Ulf Zimmermann, sagte dazu im NDR MV Interview: "Die Verteidigungslinien, die aufgebaut sind, halten soweit."

Unterstützung aus mehreren Bundesländern

Der Waldbrand im Müritz-Nationalpark hält die Einsatzkräfte seit Montag in Atem. Rund 400 Helferinnen und Helfer sind vor Ort, der Großteil von ihnen arbeitet ehrenamtlich. Unterstützung kommt unter anderem aus Bayern, Brandenburg und Sachsen.

Auch das THW hat seine Kräfte verstärkt und übernimmt unter anderem die Versorgung der Pumpen, die Wasser zu den Kreisregnern transportieren. Aus Bayern sind zudem Spezialkräfte mit zahlreichen weiteren Kreisregnern angereist. Ein Team der Feuerwehr Adelsdorf betreut allein 60 Stück davon, die rund 6.000 Liter Wasser pro Minute fördern.

Große Solidarität mit den Einsatzkräften

Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist weiterhin groß. Viele Anwohner bringen Kuchen, Getränke oder andere Verpflegung an die Einsatzzentrale. Das Deutsche Rote Kreuz versorgt die Einsatzkräfte unterdessen mit Tausenden belegten Brötchen, warmem Essen und Getränken. Auch Mückenspray und Sonnencreme gehören inzwischen zum Repertoire der Feuerwehrleute. An mehreren Orten wurden zudem Schilder aufgehängt, die den Einsatzkräften für ihre Arbeit danken.

Natur und Tierwelt können sich erholen

Auch wenn die verbrannten Flächen derzeit ein verheerendes Bild abgeben, rechnen Fachleute langfristig mit einer Erholung der Natur. Das betroffene Gebiet sei nach der militärischen Nutzung innerhalb von rund 30 Jahren wieder zu Wald geworden. Eine ähnliche Entwicklung sei auch diesmal zu erwarten. "Verbrannte Fläche sieht natürlich immer sehr extrem aus. Das ist ein Bild, was uns als Mensch überhaupt nicht gefällt. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass sich die Natur doch wieder sehr schnell erholt", so Ulf Zimmermann.

Auch für die Tierwelt sieht Zimmermann Chancen. "Alles, was laufen oder fliegen kann, zieht sich rechtzeitig zurück." Schwieriger sei die Situation für die Tiere nach dem Brand - viele Arten würden hier natürlich zunächst keine Nahrungsgrundlage mehr finden.

Granzin bleibt evakuiert

Der Ort Granzin bleibt weiterhin evakuiert. Die rund 100 Einwohner können nach wie vor nicht in ihre Häuser zurückkehren. Für sie steht weiterhin eine Notunterkunft im Bürgerzentrum in Peckatel bereit. Der Landkreis warnt außerdem weiterhin ausdrücklich davor, das Brandgebiet im Nationalpark zu betreten. Obwohl nur ein kleiner Teil des Müritz-Nationalparks betroffen ist, haben zahlreiche Urlauber ihre Reisen in die Region storniert. Für den Radfernweg Berlin-Kopenhagen wurde zwischen Neustrelitz und Waren eine Umleitung eingerichtet.

Rauchwolke kilometerweit zu sehen

Das Feuer war offenbar in der Nähe des Aussichtsturms auf dem Käflingsberg entstanden und hatte sich wegen der Trockenheit und des Windes rasch ausgebreitet. Die Rauchwolke war aus mehreren Kilometern Entfernung zu sehen.

Bürgertelefon eingerichtet

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat für Betroffene und Anwohner unter den Nummern (0395) 57087-8230/ -8070/ -8190 ein Bürgertelefon eingerichtet.