Kleine Häuser, große Idee Wohnprojekt bei Trier: Eifeler Baugebiet setzt voll auf Tiny Houses
Welschbillig · In Welschbillig entstehen 44 Tiny Houses, die sogar gestapelt werden können. Zielgruppe sind Menschen, die sich verkleinern möchten. Warum auch Profifußballer in das Projekt investieren.
14.07.2026 , 06:33 Uhr
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Neues Projekt: Tiny Houses im Neubaugebiet in Welschbillig
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Foto: SR Immo
Das große Neubaugebiet Auf den Ritten II, das die Ortsgemeinde Welschbillig seit 2021 zusammen mit Joachim Marbach von der Firma Eifel Haus GmbH am nördlichen Rand der Verbandsgemeinde Trier-Land entwickelt hat, ist bemerkenswert. Viele der 100 Grundstücke sind inzwischen bebaut, und der Supermarkt läuft gut. Doch was Marbach in Zusammenarbeit mit der Firma Home Effect Projektbau GmbH aus Irrel (Eifelkreis Bitburg-Prüm) jetzt vorhat, ist außergewöhnlich. Denn neben den Ein- und Mehrfamilienhäusern ist geplant, dass die Eifeler Firma einen Teil der Grundstücke mit Tiny Houses bebaut. Insgesamt sollen dort 44 der kleinen Wohneinheiten entstehen.
„Hier bieten wir unterschiedliche Arten des Wohnens an, weil die Ortsgemeinde den Bebauungsplan so offen gestaltet hat, dass man auch unterschiedliche Dinge realisieren kann – von Mehrfamilienhäusern mit 13 Wohneinheiten, wie wir sie gerade realisieren, bis hin zu Mikrohäusern oder Tiny-Häusern“, erklärt Marbach. Der Begriff Modul-, Mikro- oder Tiny-Häuser sei dabei sehr schwammig, und viele verstünden darunter etwas anderes, aber gemeint seien Häuser im Sinne des „Tiny-House-Gedankens“.
Bungalows in Welschbillig wirken größer als gedacht
Es gehe auch um „Wohnen im Alter: Menschen haben ihr Domizil verkauft und wollen sich auf 70 bis 80 Quadratmeter verkleinern“, erklärt Marbach. „Wenn man Mikro oder Tiny lebt, muss man sich auch mit vielen Dingen in seinem Leben arrangieren“, führt er weiter aus. Bei Bekannten von ihm sei beispielsweise ein Haus 110 statt 80 Quadratmeter groß geworden, weil sie letztlich doch mehr Platz für die Dinge des alltäglichen Lebens benötigen, wie zum Beispiel Weihnachtsdeko oder Ähnliches.
Zwei kleine Bungalows, die schon im Neubaugebiet Welschbillig stehen, bieten deutlich unter 100 Quadratmeter Platz. Sie dienen Marbach als Vorführobjekte. Einer ist voll eingerichtet, der andere noch nicht. Sie wirken geräumig und erstaunlich groß, obwohl sie nur 68 Quadratmeter Platz bieten. In dem Häuschen befindet sich eine Waschküche, und es gibt neben dem Schlafzimmer auch ein Gästezimmer, eine Wohnküche sowie ein Bad mit Dusche.
Projektentwickler gibt Tipps zum Verkleinern
Durch die Anordnung der Räume „wirkt das sehr viel größer, als es eigentlich ist“, sagt Marbach, der direkt einen Tipp fürs Mikro-Wohnen parat hat. „Man sollte in einem Mikro-Haus immer schauen, dass man in einigen Zimmern 70 oder 80 Zentimeter tiefe Schränke hinbekommt statt solche mit 30 oder 40 Zentimeter Tiefe“, sagt er. So könne man Dinge hintereinander hinlegen in Schubladen. Sommer- und Winterwäsche passten dann hinein, und selbst das Unterbringen eines Staubsaugers sei dann kein Problem.
Für Fenster hat er ebenfalls eine Empfehlung. Ein Mikrohaus lebe auch von flachen, höherliegenden Fenstern, „damit man darunter mehr Nutzfläche hat“, sagt er. „Auch das ist ein Thema, bei dem sich viele Leute schwertun, wenn man sie begleitet beim Planungsprozess.“
Firma aus Eifel arbeitet mit hochwertigem Material
Laut Marbach ist das Baumaterial der kleinen Häuser von Home Effect sehr hochwertig. Die Häuser haben demnach eine Holzständerwand mit Zellulosedämmung und zusätzliche Außendämmung durch verputzte Holzfaserdämmplatten. „Das ist ein ganz anderer Aufbau als bei vielen anderen“, sagt der Projektentwickler. Das Material schütze die Energetik und die Thermik des Hauses.
Was das Projekt in Welschbillig ebenfalls besonders macht, ist, dass die Häuser übereinandergestapelt werden können. Indem zwei Häuser übereinander und zwei Zweiereinheiten nebeneinander gebaut werden, entstehen Vierer-Einheiten. So kommt das Projekt in ein Wohnraumförderprogramm der Investitions- und Strukturbank (ISB) Rheinland-Pfalz.
Durch das Aneinanderbauen und Stapeln der elf mal vier Tiny-Häuser auf jeweils einem Grundstück entstehen im Parterre zweimal 65 Quadratmeter und insgesamt 280 Quadratmeter Wohnfläche. Zielgruppe für diese ebenerdigen Flächen seien vor allem Menschen aus dem Dorf, die ihre größeren Häuser verkaufen und sich reduzieren wollten, sagt Marbach.
Das sei auch eine Art Erlebniswohnen, weil die Menschen, die oben lebten, allein aufgrund der Treppenanlage eine andere Altersstruktur hätten. Marbach weist auch darauf hin, dass jeder in den kleinen Wohneinheiten seine Abgeschlossenheit, seinen eigenen Eingang und eine eigene Terrasse habe, die nicht direkt im Blickfeld der Nachbarn liege.
Firma aus Eifel baut schlüsselfertige Einheiten
Den Weg zu der Umsetzung des komplexen Plans beschreibt Marbach so: „In der heutigen Zeit ist es wichtig, Ideen für ein solches Projekt zu entwickeln, Investoren zu finden, welche neben dem Kapital auch das Vertrauen mitbringen und dann als Entwickler und Vermittler die beteiligten Menschen zusammenzubringen.“ Es gehe zudem darum, die Anfragen von Mietern an die späteren Eigentümer weiterzuleiten, „einfach zu helfen“.
Besonders ist aber nicht nur die Grundidee, sondern auch der Investoren-Hintergrund. „So wurden Unternehmer in der Region gesucht und Profisportler, die in der Region investieren wollten“, erklärt Marbach. Diese Investoren haben laut dem Projektentwickler die Grundstücke erworben und das Planungskonzept eines externen Büros übernommen. Schließlich lassen sie durch die Firma Home Effect die kleinen Vierer-Einheiten schlüsselfertig errichten, sobald die ISB die Maßnahme bewilligt hat.
Warum sich Profisportler als Investoren beteiligen
Dass Profisportler an dem Projekt beteiligt seien, komme über regionale Banken sowie Immobilien- und Finanzberater zustande, die Sportler zu Investments für die Zeit nach der Profikarriere beraten hätten. Laut Marbach sind die Idee und der Bedarf über viele Menschen zusammengeführt worden, „was die eigentliche Aufgabe eines Entwicklers ist.“ Das Investmentangebot habe sich dann im Kreis der Profis herumgesprochen.
Über die Sportler sagt der Entwickler: „Die reden ja auch miteinander.“ Es gehe darum, überschüssiges Eigenkapital zu investieren und so die Rente zu sichern. Die Namen der Investoren nennt Marbach aus Datenschutzgründen nicht.