Stand: 07.10.2026, 13:58 Uhr

Die Auswahl bezahlbarer E-Autos wächst: Der kleine Hyundai Ioniq 3 lässt sich einfach bedienen und bietet ein erwachsenes Fahrverhalten. Sein sportlicher Auftritt verspricht allerdings mehr, als der Antrieb liefert.
SP-X/Istanbul. Autos aus Ungarn, Rumänien oder Tschechien überraschen niemanden mehr. Die Türkei als Autoland hat man weniger auf dem Schirm. Dabei bauen dort Renault, Fiat und Hyundai seit Jahrzehnten Fahrzeuge. Gerade erst haben die Koreaner 260 Millionen Euro in ihr Werk in Izmit gepumpt, um ihren ersten Stromer Made in Turkey zu bauen. Der elektrische Ioniq 3 soll die Lücke zwischen dem kleinen Inster und dem Kona Elektro füllen.
Da liegt doch ein Vergleich zur Schwestermarke Kia nahe. Allerdings führt die „3" hier in die Irre, der technische Verwandte heißt nicht EV3, sondern EV2. Batteriegrößen und Frontmotoren entsprechen sich weitgehend, die Karosserien gehen eigene Wege. Kia setzt auf einen kleinen, hoch bauenden SUV, Hyundai auf einen flachen Fastback. Gut 4,15 Meter lang und nur 1,50 Meter hoch, wirkt der Ioniq 3 etwas dynamischer als der EV2.
Wie schon beim Inster ist die Optik beim Ioniq 3 aber Geschmacksache. Sein gedrungenes Heck mit der abgeknickten, von einem Spoiler geteilten Scheibe muss man mögen, auch wenn das zusätzliche Fenster die Sicht nach hinten verbessert. Die Dachlinie verläuft über den Passagieren zunächst nahezu gerade und fällt erst weiter hinten ab. Das bringt Kopffreiheit im Fond und hilft der Aerodynamik. Wie beim Kia EV2 stehen zwei Batteriegrößen zur Wahl: 42 oder 61 kWh. Damit schafft der Hyundai offiziell bis zu 344 beziehungsweise 497 Kilometer, rund zehn Prozent mehr als der Kia.
Preislich startet der Ioniq 3 bei 28.950 Euro und liegt damit über seinen europäischen Rivalen: VW verlangt für den ID Polo mindestens 25.000 Euro, Cupra kündigt die Einstiegsversion des Raval für 25.950 Euro an. Zur Grundausstattung des Koreaners gehören Zwei-Zonen-Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer und Rückfahrkamera. Batterieheizung und Vorkonditionierung, die den Akku vor einem Schnellladestopp auf Temperatur bringt, gibt es erst in der 3.000 Euro teureren Version Trend. Wärmepumpe, Matrix-LED-Licht und Navigation kosten ebenfalls extra. Es sei denn, man wählt die N-Line-Versionen, die mit bis zu 19 Zoll großen Rädern und künstlichem Motorsound auf dicke Backe machen. Kostenpunkt hier: ab 39.650 Euro inklusive großer Batterie, die sonst 4.000 Euro Aufpreis kostet.
Als erster europäischer Hyundai bekommt der Ioniq 3 das neue Infotainmentsystem Pleos Connect mit je nach Ausstattung 12,9 oder 14,6 Zoll großem Touchscreen. Es arbeitet mit dem Betriebssystem Android Automotive, sodass sich Apps wie Spotify oder Youtube direkt im Auto nutzen lassen, ohne ein Smartphone anzuschließen. Ein App-Store und Aktualisierungen über die Mobilfunkverbindung sollen die Funktionen erweitern. Apple CarPlay und Android Auto stehen zusätzlich kabellos bereit.
Das alles ist weitgehend Standard. Entscheidend ist eher, wie gut sich das System bedienen lässt. Und da haben die Koreaner ihre Hausaufgaben gemacht. Unter dem Navigationsbild lassen sich die bevorzugten Apps individuell anordnen, links sind Assistenten und Bordcomputer erreichbar. Ganz unten sitzen echte Klimatasten, für die Lautstärke gibt es einen separaten Regler. Besonders praktisch: Ein langer Druck auf die Assistententaste am Lenkrad öffnet ein Untermenü, in dem Tempowarner, Müdigkeitsüberwachung und Aufmerksamkeitsassistent bereits ausgewählt sind. Einmal bestätigen, schon sind alle abgeschaltet. Auch das schmale Fahrerdisplay gefällt. Es sitzt weit vorne an der Windschutzscheibe, direkt im Blickfeld, und zeigt alle Fahrinformationen unaufgeregt und gut ablesbar. Ein zusätzliches Head-up-Display vermisst man da nicht.
Im Innenraum gibt es genügend Platz und reichlich Ablagen. In der Mittelkonsole finden sich oben zwei Getränkehalter und die Handy-Ladeschale, darunter lässt sich Kleinkram verstauen. Die Sitze sind ordentlich bequem, könnten aber mehr Seitenhalt bieten. Ein nettes Detail der teureren Ausführungen: Vom Fahrersitz aus kann man den Beifahrersitz elektrisch verschieben oder dessen Lehne zurückfahren. Trotz des flachen Dachs fühlt man sich auch hinten nicht beengt. Allerdings sorgt die niedrige Bank für spitz angewinkelte Knie der Fondpassagiere.
Der Kofferraum ist ebenfalls groß genug für den Alltag. Zu den 322 Litern im Hauptabteil kommt ein tiefes Fach mit weiteren 119 Litern unter dem Boden. Praktisch, um Dinge getrennt zu verstauen. Schwere Gepäckstücke muss man dann allerdings aus der Tiefe über die Ladekante rauslupfen. Und einen Frunk gibt es nicht.
Auf der Straße setzt sich der erwachsene Eindruck fort. Auffällig ist, dass die Lenkung etwas schwergängiger als bei vielen anderen Hyundai arbeitet. Sie lässt aber auch gut spüren, was die Vorderräder machen. Das Fahrwerk ist eher weich abgestimmt, der Ioniq 3 fährt sich entsprechend komfortabel.
Nur der Antrieb hält nicht, was die sportliche Optik verspricht. Er schiebt ordentlich an und reicht im Alltag völlig. Doch gerade die sportlich auftretenden N-Line-Modelle mit ihren großen Rädern könnten mehr Punch vertragen. Das Auto hätte sicher Potenzial für eine echte N-Version.
So aber mobilisiert der Hyundai mit dem kleinen Lithium-Eisenphosphat-Akku nur 108 kW/147 PS. Die 61-kWh-Batterie nutzt Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen und ist mit einem 99 kW/135 PS starken Motor kombiniert. Tempo 100 ist je nach Version nach 8,7 bis 9,6 Sekunden erreicht, abgeriegelt wird bei 170 km/h.
Da der Ioniq 3 mit der in dieser Klasse üblichen 400-Volt-Technik arbeitet, fließt der Strom am Schnelllader bei der kleinen Batterie mit bis zu 119 kW, beim NMC-Akku nur mit 110 kW. Im Idealfall dauert das Laden dann von 10 auf 80 Prozent rund eine halbe Stunde. Serienmäßig sind 11 kW Wechselstrom-Ladeleistung an Bord. Ab Trend gibt es optional einen 22-kW-Lader im 1.650 Euro teuren Technikpaket, das auch die Stromversorgung externer Geräte ermöglicht.
Hyundai Ioniq 3 – Technische Daten:
Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen; Länge: 4,15 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,50 Meter, Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 441–1.213 Liter
42 kWh
Front-Elektromotor, Frontantrieb, 108 kW/147 PS, 0-100 km/h: 8,7 s, Vmax: 170 km/h, Verbrauch: 14,1 kWh/100 km, Akkugröße: 42 kWh, Reichweite: 344 km (WLTP), Ladeleistung: 22 kW (AC)/119 kW (DC), Ladedauer DC 10-80 %: 29 Minuten;
Preis: ab 28.950 Euro (Select)
61 kWh
Front-Elektromotor, Frontantrieb, 99 kW/135 PS, 0-100 km/h: 9,5 s, Vmax: 170 km/h, Verbrauch: 13,7 kWh/100 km, Akkugröße: 61 kWh, Reichweite: 497 km (WLTP), Ladeleistung: 22 kW (AC)/119 kW (DC), Ladedauer DC 10-80 %: 30 Minuten;
Preis: ab 32.950 Euro (Select)
Hyundai Ioniq 3 – Kurzcharakteristik:
Warum: Weil er geräumig ist und recht viel Spaß macht
Warum nicht: Gewöhnungsbedürftige Optik
Was sonst: Kia EV2, VW ID.Polo
Wann kommt er: Bestellbar
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit SPS Spot Press Services.