Putins Atomkreuzer Admiral Nachimow: Nach 30 Jahren zurück – und schon jetzt ein leichtes Ziel

Knapp 30 Jahre außer Dienst: Russlands Armee holt verwundbaren Atomkreuzer zurück in den Krieg

Stand: 16.10.2026, 19:22 Uhr

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Der russische Atomkreuzer „Pjotr Weliki“ in Severomorsk am 24. Januar 2023

Der russische Atomkreuzer „Pjotr Weliki“ in Severomorsk am 24. Januar 2023. Es ist das Schwesternschiff der „Admiral Nachimow“. © IMAGO/Lev Fedoseyev

Nach fast drei Jahrzehnten im Dock bereitet Russland die Rückkehr seines größten Überwasserschiffs vor. Die „Admiral Nachimow“ soll mit modernen Lenkwaffen zum neuen Flaggschiff werden.

Seweromorsk – Ein großes Kriegsschiff aus der Zeit des Kalten Krieges wird von der russischen Marine für den aktiven Dienst vorbereitet: Der nuklear angetriebene Schlachtkreuzer „Admiral Nachimow“ (Projekt 1144.2M, Kirov-Klasse) ist nach fast 30 Jahren Abwesenheit vom aktiven Dienst wieder an seinem künftigen Stützpunkt eingetroffen. Nach einer jahrzehntelangen Werftphase kehrte das rund 252 Meter lange Schiff in den Heimathafen der russischen Nordflotte nach Seweromorsk zurück, wie das belgische Portal Business AM berichtet.

Langwierige Werftphase und technische Hürden

Die Historie des Kriegsschiffs spiegelt die wechselvolle Entwicklung der russischen Seestreitkräfte wider: 1986 unter dem Namen „Kalinin“ vom Stapel gelassen und 1988 offiziell in Dienst gestellt, absolvierte der Kreuzer nur knapp ein Jahrzehnt lang aktive Einsätze. Wie es in einem Bericht der norwegischen Online-Zeitung The Barents Observer heißt, wurde das Schiff nach verhältnismäßig kurzer Dienstzeit 1997 vorerst stillgelegt und im August 1999 für spätere Modernisierungsarbeiten eingemottet.

Erst 2014 begann in der Sewmasch-Werft in Sewerodwinsk ein großangelegtes Modernisierungsprogramm. Der Umbau war von erheblichen Verzögerungen und technischen Schwierigkeiten geprägt: Spezialisiertes Fachwissen aus sowjetischen Zeiten fehlte vielerorts, zudem belasteten Engpässe in der Rüstungsindustrie den Zeitplan. Die offizielle Wiederindienststellung bei der russischen Marine ist nun für Ende 2026 anvisiert.

Bewaffnung: 176 vertikale Raketen-Startzellen

Im Zuge der Runderneuerung wurde die Bewaffnung des Kreuzers grundlegend modernisiert. Mit insgesamt 176 vertikalen Startzellen (VLS) verfügt das Schiff nach Expertenangaben über die höchste Anzahl an VLS-Zellen auf einem Überwasserkampfschiff weltweit:

  • Offensivwaffen (VLS): 80 Zellen für hypersonische Zirkon-Raketen (bis zu Mach 9), Kalibr-Marschflugkörper und Oniks-Seezielflugkörper.
  • Flugabwehr (S-400 Marineversion): 96 Zellen für weitreichende Luftverteidigung und Raketenabwehr.
  • U-Boot-Jagd & Nahbereich: Otvet- und Paket-NK-Systeme zum Schutz vor gegnerischen U-Booten und Torpedos.
  • Bordhubschrauber: Drei Hangars/Stellplätze für Ka-27-Hubschrauber für Aufklärung und U-Boot-Bekämpfung.

Angetrieben wird der Kreuzer von einer kombinierten Anlage aus Nuklearreaktoren und Dampfturbinen (CONAS-Prinzip), die das Schiff trotz seiner enormen Verdrängung auf bis zu 31 Knoten (circa 57 km/h) beschleunigen kann.

Wachwechsel bei der Nordflotte – Militärische Schwachstellen

Mit der geplanten Rückkehr in den aktiven Dienst soll die „Admiral Nachimow“ ihr Schwesterschiff „Pjotr Weliki“ („Peter der Große“) als Flaggschiff der Nordflotte ablösen. Beobachter gehen davon aus, dass die „Pjotr Weliki“ aufgrund der hohen Unterhaltskosten im Anschluss ausgemustert oder zur Disposition gestellt werden könnte.

Militärexperten bewerten den Schritt jedoch differenziert: Zwar verfügt der modernisierte Kreuzer über eine beachtliche offensive und defensive Feuerkraft, doch im modernen Seekrieg gelten solch große Einheiten zunehmend als verwundbar. Neben der enormen Radarsignatur hinken Radarsysteme und Datenverbindungen westlichen und chinesischen Standards hinterher. Zudem ist das Schiff bei der Zielverfolgung stark auf externe Aufklärung durch Satelliten angewiesen und weist Verwundbarkeiten gegenüber tieffliegenden Seeziellenkwaffen und KI-gestützten Drohnenschwärmen auf.

Die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg werfen grundlegende Fragen zur Zukunftsfähigkeit solcher Großkampfschiffe auf. Im Schwarzen Meer gelang es den ukrainischen Streitkräften in den vergangenen Jahren wiederholt, russische Kriegsschiffe – darunter das damalige Flaggschiff „Moskwa“ sowie moderne Korvetten und Landungsschiffe – mithilfe von Marschflugkörpern und unbemannten Marinedrohnen wie Magura V5 oder Sea Baby schwer zu beschädigen oder zu versenken.

Die „Admiral Nachimow“ wurde in den 1980er-Jahren primär für symmetrische Duelle auf den Weltmeeren gegen Flugzeugträgerverbände der US Navy konstruiert. Gegen asymmetrische Bedrohungen wie koordinierte Drohnenschwärme, extrem tieffliegende Seezielflugkörper und wendige Kamikaze-Boote bietet die schiere Rumpflänge von 252 Metern vor allem eine enorme Trefferfläche. Ohne lückenlose elektronische Kampfführung, hochmoderne Nahbereichs-Abwehrsysteme (CIWS) und eine permanente Überwachung aus der Luft droht selbst ein hochgerüsteter Atomkreuzer, zu einem immens kostspieligen und prestigeträchtigen Großziel im modernen Seekrieg zu werden. (Quellen: Business AM, The Barents Observer, Focus, Military Watch Magazine, militarnyi.com) (nak)