BayWa: Was bleibt vom Agrarkonzern nach der Sanierung?

Die Unterstützung der „modernen Landbewirtung“ auf deutschen Höfen war ein Ziel, das die Gründungsväter der Baywa vor mehr als hundert Jahren verfolgt haben. Mitten in der Rezession der Zwanzigerjahre entstand also die „Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften AG“, und seither versorgt sie Landwirte mit Saatgut, Maschinen und Ausrüstungen und kauft ihnen die Ernte ab. Die Baywa ist so eng mit dem Land verbunden, dass Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sie mal als „zweitwichtigste Institution auf dem Land neben der katholischen Kirche“ bezeichnete und das Kabarett- und Musiktrio Biermösl Blosn vor vier Jahrzehnten die Bayern-Hymne umdichtete in „Gott mit dir, du Land der Baywa / Deutscher Dünger aus Phosphat / Über deinen weiten Fluren / Liegt Chemie von fruah bis spaat.“

Heute steckt der Agrarkonzern, dessen Pleite im Spätsommer 2024 nur knapp abgewendet werden konnte, noch immer in einer bedrohlichen Schieflage. Zwar haben sich die Gläubigerbanken und Großaktionäre nach monatelangem Ringen zu einer „grundsätzlichen Verständigung auf ein Konzept zur Anpassung der bestehenden Sanierungsvereinbarung“ durchgerungen, wie der Baywa-Vorstand Ende Juni erleichtert mitgeteilt hat. Aber diese neue Sanierung, die sich bis zum Jahr 2030 hinziehen soll, wirft unweigerlich die Frage auf, was von der Baywa, die im Geschäftsjahr 2023 noch einen Umsatz von fast 24 Milliarden Euro auswies und weltweit mehr als 23.000 Menschen beschäftigte, dann noch übrig bleiben wird. Zu groß sind die Schulden, zu schlecht ist die Lage auf den wichtigsten Märkten, als dass das neue, noch ambitioniertere Sanierungsgutachten, das an die rund 300 finanzierenden Banken versendet wurde, nun auch wirklich genauso umgesetzt werden könnte.

Betrieb von Solar- und Windparks brachte hohe Schulden

Die Baywa trägt schwer an den Altlasten. Unter der Regie des früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz wurde von 2009 an ein riskanter Expansionskurs eingeschlagen. Lutz kaufte nicht nur die neuseeländischen Obstplantagen von Turners & Growers oder den niederländischen Getreidehändler Cefetra. Mit großen Hoffnungen stieg die Baywa auch in das Geschäft mit erneuerbaren Energien ein. Die Entwicklung und der Betrieb von Solar- und Windparks, gebündelt in der Tochtergesellschaft Baywa r.e., sollten zu einem zweiten Standbein des Münchner Konzerns werden. Doch nach Lutz’ Abschied betrugen die Finanzschulden fast sechs Milliarden Euro, und schließlich konnte der Konzern die Zinskosten nicht mehr tragen.

Immerhin ist der Baywa vor wenigen Wochen die Abspaltung der Baywa r.e. geglückt, sodass deren Verbindlichkeiten nicht mehr in der Konzernbilanz verbucht werden müssen. Es bleiben jedoch Abschreibungen von rund 700 Millionen Euro, und im Umfeld des Konzerns wird schon gemutmaßt, dass sich dieser Betrag während der Sanierung noch locker verdoppeln könnte. Die sechs wichtigsten Gläubigerbanken müssen schon jetzt auf die Rückzahlung von Krediten über 900 Millionen Euro verzichten. Und auch die beiden Großaktionäre aus dem Raiffeisen-Genossenschaftswesen werden rigoros zur Kasse gebeten. Da sie kein neues Eigenkapital einbringen wollten, sind sie nun ihre Aktien los. Die Anteile gehen an einen Treuhänder und fallen nur an sie zurück, wenn sie in drei Jahren mindestens 220 Millionen Euro an zusätzlichem Kapital für die Baywa aufbringen.

Trüb sind auch die Aussichten für die vielen Kleinaktionäre. Wenig überraschend notiert die Baywa-Aktie auf ihrem Zehnjahrestief und hat allein seit Beginn dieses Jahres noch einmal die Hälfte ihres Wertes verloren. Dass es zu einer weiteren Kapitalerhöhung durch die beiden Hauptaktionäre kommen wird, ist unwahrscheinlich. Und dass die angestrebten Verkäufe der in den guten Jahren zugekauften Beteiligungen zur Schuldentilgung reichen, scheint ebenso ausgeschlossen. Vielmehr müssen wohl bei geringeren Verkaufserlösen weitere Unternehmensteile verkauft werden. Darauf dürften gewiss die Banken drängen. Schon jetzt sieht das Sanierungskonzept ein Unternehmen vor, das noch etwa 8000 Mitarbeiter beschäftigt, bei einem Drittel des bisherigen Umsatzes. Mit Ausnahme der Landwirte kennt die Sanierung nur Verlierer, wenn am Ende die Baywa auf ihre Gründungsidee zurechtgestutzt wird.