Stand: 19.10.2026, 19:06 Uhr
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Am 19. Oktober 2025 fand im Pariser Louvre einer der größten Kunstraube der Geschichte statt. Eine über Ecken involvierte Firma aus Werne profitiert davon bis heute.
Paris/Werne – Der große Kunstraub im Louvre jährt sich am Montag zum ersten Mal. Während hitzig debattiert wurde, ob nun ein meisterhaft geplanter Coup oder doch eher ein katastrophales Versagen der Sicherheitseinrichtung verantwortlich für den Erfolg des Unternehmens war, gelang es einer westfälischen Firma, ihre Beteiligung an dem Vorfall für sich zu nutzen. So gelangten die Räuber mithilfe eines Mobilaufzugs auf eine Terrasse des wohl berühmtesten Museums der Welt. Diesen ließen sie bei ihrer Flucht mit einer Beute im Gesamtwert von schätzungsweise 88 Millionen Euro zurück. Dadurch wurde er zum Star auf vielen Bildmotiven, die den spektakulären Kunstraub dokumentierten. Bei dem Mobilaufzug handelte es sich um das Modell Agilo des westfälischen Herstellers Böckler, der auch schnell auf die Bilder aufmerksam wurde und dessen Firmenname groß auf dem Fahrzeug prangte.

Die Firma nahm sich eines der Motive heraus und versah es mit der Bildunterschrift: „Wenn’s mal wieder schnell gehen muss. Der Böcker Agilo befördert eure bis zu 400 kg schweren Schätze mit 42 m/min – flüsterleise Dank 230 V E-Motor.“ Dazu kamen das Firmenlogo und der Werbespruch: „Mein Weg nach oben“.
Ein internationaler Erfolg
Der Werbegag schlug ein wie eine Bombe, wie Julia Scharwatz, Leiterin Marketing und Kommunikation des Unternehmens, zu berichten weiß: „Wir haben fast ausnahmslos positives Feedback erhalten, viele haben die Aktion gefeiert. Wir hatten innerhalb kürzester Zeit fast 6 Mio Aufrufe, Hunderttausende Interaktionen, für unsere Social-Media-Kanäle eine irre hohe Reichweite, völlig ohne Budget, earned media at its best.“ Schließlich ging die Aktion viral. Medien aus aller Welt berichteten. „Damals folgte sehr kurzfristig die internationale Berichterstattung, Fernsehteams und Presseagenturen kamen uns in Werne besuchen, wir haben weltweit Radiointerviews gegeben, mein Mann Alexander Böcker war in Liveschaltungen im amerikanischen Frühstücksfernsehen zu sehen, die New York Times hat berichtet, Kanada, Indien, Kasachstan – alle haben das Thema aufgegriffen“, erzählt Scharwatz.
Auch heute würden sie noch häufiger auf die Geschichte angesprochen und in gut vier Wochen winkt möglicherweise sogar eine internationale Auszeichnung für den Marketing-Coup. Einen nationalen Preis gab es schon. „Der Art Directors Club ist letztes Jahr sehr schnell auf uns aufmerksam geworden. Da haben wir uns natürlich sehr gefreut und direkt beworben. Letztlich wurde unsere Louvre-Kampagne dann sogar mit einem bronzenen Nagel ausgezeichnet. Mein Mann, mein Marketingteam und ich sind zum ADC‑Festival nach Hamburg gefahren, um den Preis persönlich entgegenzunehmen. Welch Auszeichnung für so ein Familienunternehmen und vergleichsweise kleines Marketingteam wie uns, das gänzlich ohne Budget gegen die größten Agenturen und spektakulärsten Kampagnen angetreten ist“, freut sich Scharwatz.
Im November entscheidet es sich
Diese Erfahrung habe bei ihnen den Mut geweckt, sich beim internationalen Lovie Award zu bewerben – mit Erfolg. Denn bei dem europäischen Ableger des Webby Awards kamen sie gleich gut voran: „Anscheinend haben wir uns bereits gegen einige Bewerber durchgesetzt und sind beim Publikumsvoting als Finalist gegen eine Kampagne von BMW angetreten“, heißt es. Ob der Lovie am Ende tatsächlich nach Werne wandert, entscheidet sich am 10. November, wenn die Gewinner bekannt gegeben werden.
An den Mobilaufzug kamen die Räuber im Übrigen durch einen Kunden der Firma, der diese im Großraum Paris vermietet. Dort soll er ihm während einer Einweisung unter dem Vorwand, man wolle ihn mieten, gestohlen worden sein.