Laufen 2028 wieder Mammuts über die Erde?

Mammut im Reagenzglas

AUDIO: Wann wird das erste Mammut geboren? (11 Min)

Ausgestorben

Erleben wir 2028 das Comeback der Mammuts?

Stand: 13.07.2026 17:19 Uhr

Ein US-Unternehmen verspricht noch in diesem Jahrzehnt die Geburt des ersten Mammuts. Doch Forschende sagen: Ein echtes Mammut wird es nie sein. Was hinter der Idee der "De-Extinction" steckt.

von MDR WISSEN

Die Schlagzeile klingt wie Science-Fiction: Bereits 2028 soll das erste Mammut seit Tausenden Jahren wieder auf die Erde zurückkehren. Zumindest verspricht das das US-Unternehmen Colossal Biosciences. Die Firma arbeitet daran, Eigenschaften des Wollhaarmammuts in asiatische Elefanten einzubauen. Doch viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler halten die Ankündigung für irreführend. Ihre zentrale Kritik: Selbst wenn am Ende ein zotteliges, kälteresistentes Tier geboren wird – ein echtes Mammut wäre es nicht.

Die Idee, ausgestorbene Arten wiederzubeleben, fasziniert Menschen seit Jahrzehnten. Spätestens seit der Geburt des Klonschafs Dolly im Jahr 1996 scheint vieles möglich. Inzwischen wurden zahlreiche Tiere geklont, von Mäusen über Pferde bis hin zu Haustieren. Warum also nicht auch Mammuts?

Klonschaf Dolly

30 Jahre nach Sensation

Wie Klonschaf "Dolly" die Forschung veränderte

Vor 30 Jahren kam Schaf "Dolly" zur Welt - als das erste geklonte Säugetier. Heute ist das Laborwunder die Grundlage wichtiger Forschung. Was kann Klonen leisten und wo liegen die Grenzen - auch ethisch? Von L. Fiedler und E. Burkhart.

Warum Klonen beim Mammut nicht funktioniert

Bei Dolly war das Prinzip vergleichsweise einfach: Forscher entnahmen einer lebenden Schafzelle den Zellkern mit der vollständigen Erbinformation und setzten ihn in eine entkernte Eizelle ein. Aus dieser entwickelte sich schließlich ein genetisch nahezu identisches Schaf.

Für ausgestorbene Tiere funktioniert dieses Verfahren jedoch nicht. Der Grund: Es gibt keine lebenden Zellen mehr. Zwar wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Mammutreste im Permafrost gefunden. Doch nach Jahrtausenden im Eis ist die DNA stark beschädigt. Forschende können die genetischen Informationen zwar rekonstruieren und das Mammutgenom am Computer zusammensetzen. Für eine Eizelle reicht das jedoch nicht.

"Das ist eher ein Foto eines fertigen Hauses als ein Bauplan", lautet ein Vergleich aus der Forschung. Die genetischen Informationen lassen sich lesen, aber nicht einfach in einen Organismus kopieren.

Der Trick mit dem Elefanten

Die genveränderten Mäuse mit dem mammutartigen Fell.

Weil Klonen nicht möglich ist, verfolgen Forscher einen anderen Ansatz. Der genetisch nächste lebende Verwandte des Mammuts ist der Asiatische Elefant. Seine DNA stimmt zu rund 99,6 Prozent mit der des Mammuts überein.

Genau hier setzt die sogenannte De-Extinction-Forschung an. Mit modernen Genom-Editierungsverfahren wie CRISPR werden ausgewählte Gene des Elefanten verändert. Ziel ist es, typische Mammutmerkmale hervorzurufen: längeres Fell, andere Fettdepots, eine höhere Kältetoleranz oder veränderte Stoßzähne.

Colossal Biosciences hat bereits erste Erfolge gemeldet. So wurden Mäuse mit mammutähnlichen Fellmerkmalen erzeugt. Doch zwischen einzelnen Merkmalen und einem vollständigen Mammut liegt ein gewaltiger Unterschied.

Warum Gene allein kein Mammut machen

Ein Tier besteht nicht einfach aus einer Liste einzelner Gene. Im Mammut- und Elefantengenom arbeiten rund 20.000 Gene zusammen. Welche davon wann aktiv sind, hängt von komplexen Wechselwirkungen ab – und auch von Umweltbedingungen.

Selbst wenn Wissenschaftler mehrere Dutzend oder sogar Hunderte Gene verändern, entsteht deshalb nicht automatisch ein Mammut. Die genetischen Programme entwickeln sich über Jahrtausende in einem bestimmten Lebensraum. Welche Rolle einzelne Gene tatsächlich spielen, ist oft noch unklar.

Deshalb sprechen Fachleute lieber von sogenannten "Proxy-Arten": Organismen, die einer ausgestorbenen Art ähneln, aber nicht mit ihr identisch sind.

Mammut oder Marketing?

Porträt einer Frau mit blondem, gewellten Haar, Brille und dunkler, blazerartiger Jacke vor einem unscharfen, pink-violetten Blütenhintergrund. Rechts im Bild ist eine Nahaufnahme einer Biene an einer Blüte zu sehen.

Kritiker sehen in den Mammut-Plänen deshalb auch eine PR-Strategie. Das Wollhaarmammut übt eine enorme Faszination aus und hilft dabei, Investoren und Öffentlichkeit für Forschung zu begeistern.

Gleichzeitig verschwinden weltweit weiterhin Arten in hohem Tempo. Manche Wissenschaftler fragen daher, ob die enormen finanziellen Mittel nicht besser in den Schutz bedrohter Tiere und Lebensräume investiert wären.

Wird also 2028 ein Mammut geboren?

Wahrscheinlich nicht. Was in den kommenden Jahren entstehen könnte, ist vielmehr ein genetisch veränderter asiatischer Elefant mit einigen mammutähnlichen Eigenschaften. Ein "wolliger Elefant" also.

Ob man ein solches Tier als Mammut bezeichnen kann, darüber wird die Wissenschaft noch lange diskutieren. Sicher ist nur: Die Technik entwickelt sich rasant. Und die Frage, was eine Art eigentlich ausmacht, wird uns künftig noch häufiger beschäftigen als die Frage, wann das erste Mammut geboren wird.

MDR Fallback Image

MDR Wissen

Alle Audios von MDR Wissen

Hier gibt es das geballte Wissen auf die Ohren. Wir beantworten Ihnen die spannendsten und aktuellsten Fragen aus Forschung, Bildung und Technik.