Leapmotor B05 im Test: Stärken und Schwächen des Günstig-Stromers

Stand: 20.10.2026, 14:15 Uhr

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Leapmotor B05 Front in voller Fahrt

Angriff in der Golf-Klasse: Der Leapmotor B05 will für kleines Geld große Reichweiten bieten. Mindestens 400 Kilometer. © Leapmotor - Stellantis Deutschland

Günstig, aber auch gut? Der China-Stromer Leapmotor 05 bietet 218 PS und eine Top-Ausstattung für 27.900 €. Doch die Software hat Schattenseiten.

Frankfurt – Der berühmteste Satz aus Goethes „Götz von Berlichingen“ ist er nicht. Aber einer, den man fast täglich gebraucht. „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten!“ So lautet das Originalzitat. Viel Licht, aber auch viel Schatten entdecken wir bei einem Elektroauto, das den deutschen Markt aufmischen will. Es heißt – ein wenig lapidar – B05, wird vom chinesischen Unternehmen Leapmotor hergestellt und über den europäischen Stellantis-Konzern vertrieben und später dann auch repariert. Der B05 tritt von der Größe her in der deutschsten aller Fahrzeugklassen an. Bei den Kompakten, dort, wo VW Golf und Konsorten zu Hause sind. Zu einem Preis, der aufhorchen lässt. Ab 27.990 Euro bekommt man einen schon in der Basis gut ausgestatteten Stromer (360-Grad-Kamera, Wärmepumpe inklusive) mit sportlichem Charakter (160 kW / 218 PS Heckantrieb), ordentlicher Reichweite (401 bis 482 Kilometer) und schnellem Laden (bis zu 168 kW bei Gleichstrom). Das ist viel Licht. Wenn da die Schatten nicht wären.

Viel Platz für die Passagiere, wenig für das Gepäck

Aber zurück zum Licht: Denn da gibt es noch mehr. Dazu zählt das Design, das vielen gut gefällt. Wir halten uns hier vornehm zurück. Wir halten es für eher nichtssagend. Bei den Platzverhältnissen wird es wieder heller. Das Fahrzeug ist mit 4,43 Metern Länge, 1,88 m Breite und 1,52 m Höhe ziemlich kompakt, bietet aber mit einem Radstand von 2,74 Metern Premium-Platz. Hinten sitzen auch Menschen jenseits von 1,85 Metern Körpergröße gut. Allerdings mit einer Einschränkung: Da das schwere Akku-Paket im Fahrzeugboden verbaut ist, fällt der Innenboden relativ hoch aus. Im Zusammenspiel mit der niedrig positionierten Sitzbank, muss man seine Beine anwinkeln. Dadurch liegen die Oberschenkel nicht vollständig flach auf der Sitzfläche. Bei längeren Fahrten dürfte das eher anstrengend sein. So großzügig der Platz für die Passagiere ist, so kleinlich fällt das Kofferraumvolumen aus. Mit 295 Litern läuft der Leapmotor hinter der Konkurrenz her. Der VW ID.3 neo bietet 385 Liter, der MG 4 Urban 363 l, der ID.Polo sogar 441 l. Bei umgeklappter Rückbank erreichen alle ein ähnliches Niveau, so um die 1200 l. Der Ladeboden ist beim Leapmotor leider auch nicht eben, auch hier hat die Konkurrenz die Nase vorn.

Software-Probleme: Schnallen Sie sich an - wir waren aber angeschnallt

Überraschend gut sind Verarbeitung und Qualität der Materialien. Sogar das Kunstleder fühlt sich gut an. Beim Interieur-Design hat man sich die Ruhe und Übersichtlichkeit von Volvo abgeschaut. Aufgeräumt, klar und minimalistisch. Das hat allerdings einen großen Haken. Nahezu alles muss man über den 14,6-Zoll-Touchscreen in der Mitte des Cockpits erledigen. Wie die Spiegelverstellung, die Position der Lüftungsdüsen oder die Fahrmodi. Das ist mühsam und lenkt vom Fahren ab. Immerhin kann man die Lautstärke mit einer Walze auf dem Lenkrad regeln. Und, hurra, es gibt auch noch echte Fensterheber. Das ist auch gut so. Denn bei der Software haben die Chinesen noch schwere Probleme. So hat das System während der Fahrt mehrmals moniert, dass wir uns ordentlich anschnallen sollen, obwohl wir angeschnallt waren.

Leapmotor B05 Cockpit

Schöne neue Software-Welt: Bei unserem Test hat sich das Betriebssystem leider mehrmals verabschiedet. Leapmotor dürfte die Probleme doch mittlerweile behoben haben. Hoffentlich. © Leapmotors - Stellantis Deutschland

Ausgeschaltete Assistenten schalten sich selbst wieder ein

Zurück zur Bedienung: Nervige Fahrassistenten lassen sich dankenswerterweise schnell ausschalten. Voraussetzung dafür ist, dass man das in einem Fahrprofil vorkonfiguriert hat. Und es funktioniert nur im Stand, wenn der Gangwahlhebel auf P steht. Wer daran nicht denkt und schon losgefahren ist, der wird vom System nach allen Regeln der Kunst gegängelt. Prinzipiell ist das aber gut gedacht. Auf Licht, folgt aber auch hier wieder viel Schatten: Denn was die Assistenzsysteme angeht, da ist noch viel Feinarbeit nötig. Ob Aufmerksamkeitswarner oder Einpark-Assi: Die Warntöne sind nervig und werden viel zu früh aktiviert. Unter bestimmten Umständen schalten sie sich auch wieder ein, wie der Spurhalteassistent. Auch wenn man ihn schon ausgeschaltet hat. Schuld daran ist eine übertrieben interpretierte Sicherheitsroutine. So killt man den Fahrspaß schon im Keim.

Leapmotor B05 Rücksitzbank

Hinten ist der Platz großzügig. Das geht allerdings zulasten des Kofferraums. Hier schneidet der Leapmotor im Vergleich zur Konkurrenz schlechter ab. © Leapmotors - Stellantis Deutschland

Der Heckantrieb macht Laune - und die Reichweite auch

Denn den gäbe es rein theoretisch tatsächlich. Durch die ideale Gewichtsverteilung von 50:50 liegt der 05er von Leapmotor ordentlich auf der Straße. Das Fahrwerk schluckt viele Asphalt-Unebenheiten weg. Bei scharf gefahrenen Kurven neigt das Auto aber zum Untersteuern. Mit der Lenkung kann man einigermaßen zufrieden sein. Sie ist wie das Fahrwerk komfortabel ausgelegt und bietet im Normal-Fahrmodus nur wenig Rückmeldung. Auf der Stellung Sport wird es besser. Der Heckantrieb mit seinen 218 PS und 240 Nm Drehmoment macht viel Laune. 6,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 – das ist auf Augenhöhe mit dem Škoda Octavia RS oder dem BMW 320i xDrive. Viel Leistung, geringer Verbrauch: Statt der angegebenen knapp 16 kWh / 100 km lagen wir unter 14 kWh. Damit dürften die Reichweiten der beiden Batterie-Optionen von 56,2 und 67,1 kWh (brutto) tatsächlich bei 401 respektive 482 Kilometern landen. Aufgeladen wird mit 140 bis 168 kW, rein rechnerisch. Bei AC sind es 11 kW. Inwieweit das realistisch ist, das muss ein Praxistest beweisen.

Unser Fazit zum Leapmotor B05

Unter der Voraussetzung, dass Leapmotor seine Software-Probleme dauerhaft in den Griff bekommt, ist das Modell 05 sicherlich eine interessante Option im Kompaktwagen-Segment. Hier spricht der Preis für sich. Denn für 27.900 respektive 32.400 Euro bekommt man viel E-Auto mit viel Licht, aber auch Schatten. Egal kann einem dieses Auto tatsächlich nicht sein. Für den populärsten Götz-von-Berlichingen-Spruch ist es schlicht zu gut. Rudolf Bögel