NBA: LeBron James wechselt nach Philadelphia – und Trump ätzt

Der unqualifizierteste Kommentar kam – natürlich – aus dem Weißen Haus, wo Donald Trump der Welt seine vermeintliche Expertise über den Basketballer LeBron James mitzuteilen gedachte. Der US-Präsident redete bei einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag einfach drauflos, wie er es oft tut, egal ob er Ahnung hat oder nicht. Diesmal bat ihn ein Reporter des TV-Senders Fox News um eine Einschätzung in der ewigen Debatte um den „GOAT“, den Greatest Of All Time des Körbewerfens. Michael Jordan oder LeBron James also, die Frage aller Fragen unter Basketballfans weltweit, da musste Trump nicht lange überlegen.

„Ich würde sagen: Michael Jordan, ohne Zweifel“, positionierte sich der 80-Jährige, schließlich sei der ein „Freund“ und „guter Typ“, mit dem er gerne golfen gehe. James dagegen bedachte Trump im selben Atemzug mit einer groben Unsportlichkeit, indem er ihn völlig haltlos diskreditierte. „Ich denke, LeBron ist – vielleicht ist er ein Rassist, aber vielleicht mag er Trump auch einfach nicht. Ich weiß es nicht. Ich mag nur Leute, die mich mögen.“ Trump weiß es nicht.  Aber er sagt halt irgendwas auf Basis seines Bauchgefühls. Er erinnert sich gerade so, dass er James nicht mag, nachdem der ihn einst einen „Penner“ nannte und nacheinander drei Präsidentschaftskandidaten unterstützte, die gegen Trump antraten (Hillary Clinton, Joe Biden und Kamala Harris).

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Bei diesem Irrsinn ging die eigentliche Nachrichtenlage um James fast ein wenig unter. Sie lautet: Der beste Basketballer dieser Zeit wechselt nach monatelangen Spekulationen für einen letzten Ritt Richtung NBA-Titel zu den Philadelphia 76ers. Vier Meisterschaftsringe hat der 41-Jährige bereits gewonnen, seinen letzten im Jahr 2020 mit den LA Lakers. Jordan kam in seiner Dynastie mit den Chicago Bulls auf insgesamt sechs – passend dazu unterschrieb James nun einen Zweijahresvertrag bei seinem neuen Klub. Ihm bleiben zwei weitere Spielzeiten mit einer Art „Superteam“, um Jordan noch einzuholen.

„Ich bin überzeugt, dass ich dazu beitragen kann, die 76ers zu einem Meisterteam zu machen, und ich freue mich riesig darauf, eine neue Fangemeinde zu begeistern und diese unglaubliche Reise ein letztes Mal zu beginnen“, verkündete James im Netz. Rekorde begleiten ihn seit jeher durch seine bald 24-jährige Profikarriere, er hat die mit Abstand meisten Punkte der NBA-Historie erzielt (43 440 in der regulären Saison), die meisten Partien gespielt (1622), stand zehnmal in den Finals. Dieser Mann ist in jeder Hinsicht größer als das Spiel, auch wenn er mit 41 nicht mehr der Sprungflummi aus seinen Anfangsjahren ist. Doch etwas treibt ihn weiterhin an: sein Ehrgeiz, seine Lust auf Herausforderungen und ja, vermutlich auch ein wenig diese elende GOAT-Diskussion, die er wohl nur mit weiteren Titelgewinnen ersticken könnte.

James kassiert für zwei Jahre in Philadelphia gerade mal acht Millionen Dollar

„Ich will immer noch Opfer bringen. Ich will immer noch hart an mir arbeiten“, schrieb James nun. „Ich will immer noch antreten, gewinnen und die Chance haben, das Gefühl des Sieges zu erleben.“  Er „gehe nicht wegen des Geldes“ aus LA nach „Philly“. Das darf man sogar glauben, angesichts der überschaubaren acht Millionen Dollar für zwei Spielzeiten, die er bei seinem künftigen Arbeitgeber im Osten der Liga einstreichen wird. Geld braucht einer wie James ohnehin nicht mehr, laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes umfasst sein Vermögen etwa 1,4 Milliarden Dollar, vor einigen Jahren wurde er zum ersten Milliardär des Basketballs.

Und sportlich? Auch da kann er einer Mannschaft immer noch viel geben. Zuletzt ließ seine Produktivität zwar altersgerecht nach (die Lakers hatten auch aufgrund von Verletzungen wenig mit der Meisterschaft zu tun), aber sein Spiel hat etwas Unkaputtbares. Weil er auch mit weniger Würfen auf den Korb ein riesiger Faktor ist, weil er Pässe spielt, reboundet und sich anpassen kann. Das wird er auch in Philadelphia tun, wo er auf einen Kader trifft, der rein nominell zum Besten zählt, was die NBA zu bieten hat. In Center Joel Embiid (2023 zum besten Spieler der Liga gewählt), den jungen Flügelspielern Tyrese Maxey und VJ Edgecombe sowie dem ebenso neu gekommenen Jaylen Brown (aus Boston) trifft James auf ein elitäres Team an Basketballern.

Sollte Embiid seine malträtierten Knie wieder in Form bekommen, wären Fragen wie jene von NBA-Experte Zach Lowe in einem Podcast durchaus berechtigt: „Ist das die beste Startfortmation der NBA auf dem Papier?“ Nun, zumindest wirken andere Favoriten wie die San Antonio Spurs, die Oklahoma City Thunder oder Titelverteidiger New York Knicks nicht viel stärker. Apropos New York: Von dort bekommt LeBron James prompt einen aktuellen NBA-Champion an seine Seite – und der ist auch noch Deutscher. Ersatzcenter Ariel Hukporti, 24, ist nach seinem Finaltriumph im vergangenen Juni ebenfalls neu in Philadelphia, wo Coach Nick Nurse jetzt eine einzige Aufgabe hat: aus all dem Talent eine Gruppe zu formen, die James als Anführer akzeptiert, ohne dass der sich bis zu den Playoffs allzu sehr verausgaben muss.

„Sie müssen zumindest ins Finale kommen“, forderte eine andere NBA-Legende, die den Standort Philadelphia gut kennt: Charles Barkley, der früher selbst als „Sixer“ Bälle durch die Reuse wuchtete und auch gegen Michael Jordan ins Gefecht zog. In der „GOAT“-Frage lautet die Prognose des heutigen TV-Analysten so: Sollte James noch zwei Meisterschaften holen und sich dann mit Mitte 40 vom Sporttreiben verabschieden, werde er „etwas sagen, was ich noch nie zuvor gesagt habe. Ich glaube, ich habe gerade den größten Basketballspieler aller Zeiten gesehen“. Auf Einsicht bei Donald Trump wird man wohl vergeblich hoffen.