Leistungsfähigeres Bezirksamt, Verkehr, Wohnen: Das muss Reinickendorf lösen

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Am 20. September wählt Berlin. Und es wählen auch die Bezirke neue Bezirksverordnetenversammlungen (BVV). Wie soll sich Reinickendorf entwickeln? Welche Probleme drängen am stärksten? Wir haben die Spitzenkandidaten der sechs Parteien gefragt, die bisher in der BVV Reinickendorf sitzen. Ein Punkt eint fast alle: Das Bezirksamt muss schneller und leistungsfähiger werden. Bei Verkehr, Wohnen, Klimaschutz und sozialen Angeboten gibt es unterschiedliche Ansichten.

Pieper setzt auf Sicherheit, Ordnung und schnelle Verwaltung

Sebastian Pieper führt die CDU an. Er gilt als Favorit für das Amt des Bezirksbürgermeisters. Seit März 2026 ist er Bezirksstadtrat für Ordnung. Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit stehen für ihn obenan. Wilder Müll, Vandalismus und verwahrloste Plätze verdürben Lebensqualität und Sicherheitsgefühl, sagt Pieper. Er will das Ordnungsamt sichtbarer machen und Verstöße härter ahnden.

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Pieper will die Verwaltung entschlacken: einfachere Abläufe, mehr digitale Angebote, schnellere Entscheidungen. Bei der Infrastruktur nennt er Straßen, Brücken, Schulen und Sportanlagen. Der Bezirk müsse Baustellen besser takten und Investitionen zügiger umsetzen. Die größte wirtschaftliche Chance sieht er auf dem Gelände des früheren Flughafens Tegel. Dort sollen nach seinen Worten Forschung, Innovation und Arbeitsplätze entstehen. Seine Politik richte sich nicht nach Ideologien, sondern nach den Bedürfnissen vor Ort.

Ewers fordert Investitionen in Verwaltung, Bildung und Familien

Auch Alexander Ewers (SPD) setzt die Verwaltung an die erste Stelle. Der Bezirk müsse sich organisatorisch, finanziell und technisch neu aufstellen. Nur dann entscheide das Amt schnell und nachvollziehbar. Reinickendorf wachse, sagt Ewers. Deshalb müsse der Bezirk in Schulen, Kitas, Verkehr, Digitalisierung und Wohnungen investieren.

Ewers ist gelernter Erzieher. Kinder und Familien prägen sein Programm. Er wirbt für einen verbindlichen „Familiencheck“: Das Bezirksamt soll vor jeder Entscheidung prüfen, was sie für Familien bedeutet. Ewers fordert genug Schulplätze, ein gutes Lernumfeld und die Sanierung aller Schultoiletten. Zweckentfremdete Wohnungen will er härter verfolgen. Als dritte Aufgabe nennt er den Zusammenhalt: Vereine, Ehrenamt und Beteiligung in den Kiezen will er stärken.

Mieten und Klima: Stephan setzt auf Neubau und besseren Milieuschutz

Korinna Stephan führt die Grünen an. Sie verknüpft Wohnen und Klima. Gegen steigende Mieten setzt sie auf Neubau und auf Milieuschutz in drei weiteren Gebieten. Energiesparende Neubauten und Sanierungen schützten das Klima und senkten die Nebenkosten.

Stephan will Industrie- und Gewerbeflächen sichern und die Einkaufszentren stärken. Dazu gehört für sie ein Verkehrsnetz für alle: mehr Busspuren, Fahrradstraßen und Radwege, bessere Gehwege, passende Routen für Liefer- und Handwerksverkehr. Ein zweites Thema ist der Sanierungsstau bei Gebäuden, Straßen und Grünanlagen. Stephan will dafür mehr Fördermittel nach Reinickendorf holen. Ein Sofortprogramm soll gefährliche Schulwege entschärfen, Stolperfallen und Barrieren beseitigen, zehn wichtige Bushaltestellen barrierefrei umbauen und 100 fehlende Straßenbäume pflanzen.

Müll im Bezirk: Jahn fordert härteres Durchgreifen bei Verschmutzung

David Jahn (FDP) nennt den Müll im öffentlichen Raum als größtes Problem. Sperrmüll, Verpackungen und Zigarettenstummel lägen überall; der Bezirk müsse härter dagegen vorgehen. Jahn warnt zugleich vor leeren Kassen. Der Bezirk müsse Prioritäten setzen und jede Ausgabe prüfen.

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Bagger arbeiten am Terminal des ehemaligen Flughafen Tegel. Auf dem Areal entsteht ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien. (zu dpa: «In Tegel wird die Zukunft langsam sichtbar»)

In der Wohnungspolitik lehnt Jahn Milieuschutz und Mietpreisbremse ab. Er setzt auf Neubau, auch auf dem früheren Flughafengelände Tegel. Über die Mietpreisbremse entscheidet allerdings das Land, nicht der Bezirk. Dazu kommen Projekte in den Ortsteilen: ein zweiter Zugang zum S-Bahnhof Frohnau, ein Zehn-Minuten-Takt der S25 in Heiligensee, das Ende der U6-Bauarbeiten in Tegel, ein aufgewertetes Umfeld am Bahnhof Wittenau. Jahn fordert außerdem barrierefreie Straßen, sanierte Schulen und den Schutz des Tegeler Fließes. Für jeden Ortsteil hat die FDP ein eigenes Programm geschrieben.

Personal- und Geldmangel lässt Reinickendorfer Projekte scheitern

Felix Lederle (Linke) rückt Geld und Personal in den Mittelpunkt. Land und Bund lüden den Bezirken immer neue Aufgaben auf, ohne sie zu bezahlen, kritisiert er. Darunter litten soziale und kulturelle Angebote – und selbst Pflichtleistungen.

Besonders fehlten Fachkräfte in der Bauaufsicht, der Wohnungsaufsicht, der Grünflächenpflege und im Sozialamt. Nach Lederles Angaben blieben in Reinickendorf zwischen 2023 und 2025 Projekte für fast zehn Millionen Euro liegen, teils trotz zugesagter Fördermittel. Die Linke fordert mehr Stellen und höhere Gehälter in den Mangelberufen.

Lederle will mehr Busse und Straßenbahnen, sichere Schulwege und bessere Wege für Fußgänger und Radfahrer. Beim Klimaschutz setzt er auf strengeren Baumschutz; jedes Bauvorhaben solle darauf geprüft werden. Ein weiteres Ziel: Frauen besser vor Gewalt schützen. Die Linke verlangt 50 zusätzliche Schutzplätze, gemeinsam mit dem Senat und den landeseigenen Wohnungsunternehmen. Sie fordert zudem weitere Milieuschutzgebiete, eine Schlichtungsstelle beim Jobcenter, Modellprojekte für kommunale Schulreinigung und mehr Plätze an integrierten Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen.

Wohnungen, Verkehr, Sicherheit: AfD-Kandidat Ruschin nennt seine Ziele

Thomas Ruschin (AfD) nennt drei Aufgaben: bezahlbare Wohnungen, Sicherheit und Verkehr. Er will mehr Sicherheit auf Plätzen, Bahnhöfen, in Grünanlagen und auf Schulhöfen. Die U6-Baustelle müsse enden, die U8 weiter bis ins Märkische Viertel verlängert werden. Rund um die geplante Sanierung der A111 dürfe kein Verkehrschaos entstehen.

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Digitale Akte im Bezirksamt Mitte

Auch Ruschin will die Verwaltung digitalisieren. Ältere Menschen sollten weiter zum Amt gehen oder anrufen können. Er fordert mehr Schulangebote. Weitere Hotels dürften nicht zu Flüchtlingsunterkünften werden, sagt Ruschin; sonst fehlten Betten für Gäste und der Wirtschaftsstandort leide.

Die Diagnosen ähneln sich: langsame Verwaltung, fehlende Wohnungen, Müll, Sanierungsstau. Bei den Maßnahmen und Zielen gibt es Unterschiede. Pieper sieht auf dem alten Flughafengelände Forschung und Arbeitsplätze, die noch entwickelt werden müssen, Jahn vor allem Wohnungen, die bereits geplant sind. Die einen setzen auf Ordnungsrecht und Kontrolle, die anderen auf soziale Angebote, Klimaschutz, Neubau – oder auf strikte Sparsamkeit. Welchen Weg Reinickendorf geht, entscheiden im September die Wählerinnen und Wähler.