Der Papst hat Putin einen Propagandacoup beschert, der sogar Johann Wadephuls Treffen mit dem russischen Außenminister Lawrow noch in den Schatten stellt. Nach einer Lungenkrebsdiagnose wird Leo XIV. operiert, und eine seiner ersten Amtshandlungen, die der Vatikan der Weltöffentlichkeit mitteilt, ist nach Physiotherapie und Gottesdienst ein Anruf im Kreml.
Damit bot Leo XIV. Putin nicht nur eine Bühne, die Ukraine an den Pranger zu stellen. Moskau erhielt auch die Gelegenheit, sich selbst in einer Erklärung unwidersprochen als Partner des Vatikans bei der „Förderung geistig moralischer Werte“ und dem Schutz der Christen und ihrer heiligen Stätten darzustellen.
Der Preis ist sehr hoch
Das ist ein sehr hoher Preis, den der Papst offenbar zu bezahlen bereit war. Man kann nur hoffen, dass er gute Gründe dafür hatte und Kiew frühzeitig in seinen Plan eingeweiht war. Es ließe sich einwenden, ein Telefonat mit Putin und die Hinnahme der russischen Propaganda seien das kleinere Übel, wenn sich damit das Leben von Ukrainern in der Stadt Oleschky retten lässt, für die sich Leo XIV. bei Putin am Telefon einsetzte. Zumal der Papst nicht ein Politiker ist, sondern Oberhaupt einer internationalen Religionsgemeinschaft, für das andere Maßstäbe gelten.
Aber diese Rechnung bleibt unvollständig. Die Position der Ukraine und ihrer Menschen wird durch Geschenke an Putin wie dieses erheblich geschwächt. Dadurch erhalten nicht nur im Westen jene Stimmen weiter Auftrieb, die Putin verharmlosen und die Ukrainehilfe einstellen wollen. Das dürfte für Kiew mittelfristig schwerer wiegen als einzelne humanitäre Zugeständnisse Moskaus auf Bitten Leos XIV. Auch die moralische Autorität des Papstes könnte Schaden nehmen.
So hilfreich die Vermittlungstätigkeit des Papstes und seiner Mitarbeiter ist, es wäre besser, wenn sie sich – wie bisher – weitgehend im Verborgenen abspielen würde. Auch das Oberhaupt der katholischen Christenheit sollte sich nicht vor Putins Karren spannen lassen.