Stand: 08.09.2026, 14:00 Uhr
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Die Nazis übernehmen die Macht, während Berlin noch tanzt: Die finale Staffel von „Babylon Berlin“ verbindet den braunen Terror mit wilden Nächten und einer Jagd nach Hitlers Krankenakte.
Berlin (KNA) – Berlin, 30. Januar 1933. Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dass nun ganz andere Zeiten anbrechen, zeigt schon der am Abend stattfindende Presseball, den die neuen Herren in Braun dominieren.
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Doch gleichzeitig lebt auch das Berlin der Weimarer Republik mit seinen Bars und Clubs noch weiter. Mitten in diesem Tanz auf dem Vulkan liegen sich Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) beim Walzer in den Armen. Vielleicht zum letzten Mal?

Mit diesen Bildern eröffnet die fünfte und letzte Staffel von „Babylon Berlin“ (ab Donnerstag, 10. September, online – ab Samstag, 19. September, im Ersten). Die Nazis besetzen sofort wichtige Schaltstellen im Reich. Auch in der „Burg“, dem Hauptquartier der Berliner Polizei am Alexanderplatz, wird die Spitze ausgetauscht.
Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland mit dem Wahlsieg einer als gesichert rechtsextrem eingestuften Landespartei in Sachsen-Anhalt verleihen dieser finalen Staffel noch eine zusätzliche Dimension, von der die Macherinnen und Macher bei Beginn der Serie vor rund zehn Jahren noch nichts ahnen konnten.
Jagd nach Hitlers Krankenakte
Der Austausch der Polizeispitze ist nicht gerade hilfreich für die Ermittlungen der zur Kommissarin aufgestiegenen Charlotte, die eine Mordserie an Veteranen des Ersten Weltkriegs aufzuklären versucht. Alle hatten sich gegen Kriegsende in einem Lazarett in Pasewalk wiedergefunden, dessen Leiter Dr. Forster (Ulrich Noethen) sich auf die Behandlung schwer traumatisierter Menschen spezialisiert hatte.
Dabei war auch ein österreichischer Gefreiter namens Adolf Hitler. Weil dessen reale Krankengeschichte jetzt so gar nicht in die parteiamtliche Biografie als „Führer“ passt, schwebt Dr. Forster in höchster Gefahr – und Hitlers Krankenakte aus Pasewalk wird zum Objekt der Begierde sowohl der Nazis als auch ihrer Gegner.
Schwerindustrie wähnt sich am Ziel
Neben diesem neuen Plot führt die finale Staffel von „Babylon Berlin“ gekonnt die früheren Handlungsstränge zusammen: Alfred Nyssen (Lars Eidinger), der dem Industriellen Fritz Thyssen nachempfunden ist, wähnt sich mit seinen Freunden aus der Schwerindustrie am Ziel, muss neben den Demütigungen seiner Mutter (Marie Anne Fliegel) aber jetzt auch noch die von Göring (Devid Striesow) und Hitler (Clemens Schick) aushalten.
Der Wiener Journalist Katelbach (Karl Markovics) und seine Zimmerwirtin Elisabeth Behnke (Fritzi Haberlandt) kämpfen gegen das neue Regime und versuchen, die sich spinnefeindlichen KPD und SPD zu einer gemeinsamen Front gegen die NSDAP zusammenzubringen. Denn Hitler, noch in einer Koalitionsregierung, will die komplette Macht und hat für März Reichstagswahlen angesetzt, während er in Berlin und überall in Deutschland seine Gegner so brutal wie willkürlich verhaften und verschwinden lässt.
Viele bekannte Muster
Verschwunden ist zwischenzeitlich auch wieder Gereon Rath, der Dr. Forster bei der Flucht nach Frankreich hilft, Charlotte darüber aber wie schon so oft zuvor im Dunkeln lässt. Es sind überhaupt viele schon aus den anderen Staffeln bekannte Muster, die einem wiederbegegnen. Doch wegen der packenden Erzählweise und der klugen Kombination real-historischer Ereignisse und Personen – wie dem linken Anwalt Hans Litten (Trystan W. Pütter) oder dem von den Nazis instrumentalisierten Reichstagsbrandstifter Marius von der Lubbe (Tobias Kersloot) – mit der fiktionalen Handlung fällt das kaum auf.
Originalaufnahmen von Rosenmontag 1933
So gelingt den Drehbuchautoren und Regisseuren um Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten ein überzeugendes Bild der damaligen Verhältnisse und Kontraste. Während in Berlin der braune Terror um sich greift, schunkelt Köln Anfang 1933 – unterlegt mit Originalaufnahmen des damaligen Rosenmontagszugs – noch ausgelassen im Karneval und hat für Hitler nur Hohn und Spott übrig.
Mehr als 500 Drehtage, 400 Darstellerinnen und Darsteller, dazu nochmal 17.000 Komparsen: „Babylon Berlin“ wird auf lange Sicht die größte Serie des deutschen Fernsehens bleiben. Aber das liegt nicht nur an der im Vergleich zu anderen TV-Produktionen bombastischen Ausstattung und entsprechend hohen Budgets. Sondern vor allem daran, dass hier das Fernsehen gezeigt hat, was es kann, wenn endlich mal alle an einem Strang ziehen.
Beweis für Stärke der ARD
Die ARD hatte sich dafür 2017 mit dem Pay-TV-Sender Sky zusammengetan, der heute zu RTL gehört. Da Sky seit 2023 in Deutschland keine fiktionalen Stoffe mehr produziert, musste diese letzte Staffel allerdings von der ARD allein gestemmt werden. Dass es mit ein paar kleinen Abstrichen gelungen ist, zeigt dabei wieder: Auch die ARD ist stärker, wenn sie zusammenhält.
(Steffen Grimberg)