Eine Wahlkämpferin der Linken soll beim Verteilen von Flyern in Berlin-Marzahn körperlich bedrängt worden sein. Das berichtet der Bezirksverband der Linken Marzahn-Hellersdorf.
Am Donnerstag soll die Ehrenamtliche demnach in der Bärensteinstraße Wahlwerbung in Briefkästen geworfen haben, als ein Hausmeister versucht haben soll, sie daran zu hindern. Vom Eigentümer des Wohnhauses, dem Immobilienkonzern Vonovia, verlangt die Linke eine Entschuldigung und eine Aufarbeitung des Vorfalls.
Nach Schilderung der Wahlkämpferin „versuchte ein Hausmeister zunächst, sie unter verbalen Angriffen daran zu hindern, Wahlwerbung in die Briefkästen der Mieterinnen und Mieter einzuwerfen“, heißt es in der Mitteilung der Linken. Als sie seiner Forderung nicht nachkam, soll er demnach „körperlich übergriffig“ geworden sein. „Erst als die Wahlkämpferin lautstark darauf bestand, dass er von ihr ablassen solle, beendete er den körperlichen Übergriff und setzte seine verbalen Angriffe fort“, heißt es weiter.
„Wir verurteilen den verbalen und körperlichen Übergriff auf unsere ehrenamtliche Wahlkämpferin aufs Schärfste“, sagt Kristian Ronneburg, Bezirksvorsitzender der Linken Marzahn-Hellersdorf. Vonovia müsse den Vorfall „unverzüglich und lückenlos aufklären und sich bei der Betroffenen entschuldigen“. „Es darf nicht sein, dass ein Wohnungskonzern oder seine Beschäftigten Parteien daran hindern, Mieterinnen und Mieter über ihre politischen Ziele zu informieren“, so Ronneburg.
Die Linke Marzahn-Hellersdorf hatte sich nach eigenen Angaben nach dem Vorfall an Vonovia gewandt. Die Partei verlangte Auskunft über den Hergang des Geschehens und eine Bewertung des Unternehmens zu dem geschilderten Übergriff. Bislang habe Vonovia weder auf die Fragen reagiert noch sich bei der betroffenen Wahlkämpferin entschuldigt, schreibt die Linke.
Vonovia dementiert die Vorwürfe der Linken auf Tagesspiegel-Anfrage. Man habe mit dem betreffenden Mitarbeiter gesprochen. „Mein Kollege, der sich um das Gebäude und die Mieter:innen der Bärensteinstraße kümmert, hat demnach weder beleidigende Äußerungen getätigt noch die Wahlkämpferin berührt oder körperlich bedrängt“, schreibt Vonovia-Sprecher Christoph Metzner.
„Grundsätzlich: Wir achten darauf, dass in unseren Gebäuden keine politischen Plakate aufgehängt werden“, so Metzner. Das Verteilen von Flyern sei davon jedoch nicht betroffen. Dies sei der Linken bekannt, schließlich sei die Partei in manchen „unserer Quartiere“ unterwegs, sagt der Vonovia-Sprecher. Eine Anfrage der Partei zu dem Vorfall sei ihm nicht bekannt.
Vonovia ist Deutschlands größter privater Wohnungsvermieter und hat seinen Sitz in Bochum. In Berlin bewirtschaftet der Konzern rund 138.000 Wohnungen. Seit der Übernahme der Deutsche Wohnen im Jahr 2021 gehört auch deren Berliner Wohnungsbestand zum Vonovia-Konzern.
Vonovia gilt deshalb als Hauptziel der Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“, die sich für die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände einsetzt. Die Berliner Linke unterstützt die Initiative und fordert weiterhin die Vergesellschaftung der betroffenen Wohnungsbestände.