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Stand: 19.09.2026 • 14:38 Uhr
Vor dem Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin beenden die Parteien heute ihren Wahlkampf. Bundeskanzler Merz erhält vor dem Wahlsonntag weitere Rückendeckung aus seiner eigenen Partei.
Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern bekommt die AfD Unterstützung aus Moskau. Entsprechend äußerte sich der Beauftragte von Kremlchef Wladimir Putin für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew: "Mecklenburg-Vorpommern wird wieder aufblühen, wenn bezahlbares, zuverlässiges Nord-Stream-Gas durch gemeinsame Arbeit mit der AfD zurückkehrt", schrieb er auf der Plattform X. Dabei behauptet Moskau immer wieder, sich nicht in Wahlen anderer Länder einzumischen.
Russland hatte mehrfach angeboten, bei einer möglichen Aufhebung von Sanktionen wieder preiswertes Gas nach Deutschland durch die Ostseepipeline zu pumpen. Nach den Sprengungen an den Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2 gibt es nur noch einen intakten, aber nicht genutzten Strang von ursprünglich vier Leitungen. Allerdings entscheidet die Wahl auf Landesebene nichts Greifbares in der Frage. Russlands Pipelinegas unterliegt Sanktionen in der EU.
Abgestimmt wird zwar erst morgen in Berlin, doch schon jetzt steht fest, dass sich einige Abgeordnete aus dem Parlament verabschieden werden. Ein knappes Viertel der 159 Abgeordneten scheidet sicher aus dem Abgeordnetenhaus aus. Die meisten dieser Parlamentarier haben freiwillig auf eine mögliche Wiederwahl verzichtet.
Einen Tag vor der Landtagswahl hat AfD-Spitzenkandidat Enrico Schult in Demmin nochmals um Wählerstimmen geworben. Das Ziel seiner Partei sei klar, stärkste Kraft in dem Bundesland zu werden. "Wir wollen dieses Land blau machen", betonte Schult: "Wir von der AfD scharren mit Hufen, wir wollen Regierungsverantwortung übernehmen."
Der Wahlkampf in Berlin wurde von mehr geprägt als dem Werben der Spitzenkandidaten um Wählerstimmen. Sabine Müller blickt auf die Wochen und Monate vor dem anstehenden Urnengang zurück und fasst zusammen, welche Themen und Ereignisse den Wahlkampf bereits vor dessen heißer Phase beeinflusst haben.
Etwa 2,5 Millionen Wahlberechtigte können morgen bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ihre Stimme abgeben - und damit laut Wahlleitung etwa 55.500 mehr Menschen als im Jahr 2023. Das Plus geht demnach darauf zurück, dass erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen dürfen.
Aus den Zahlen der Bezirkswahlämter geht hervor, dass mehr als 800.000 Wahlscheine für die Wahl zum Abgeordnetenhaus ausgestellt wurden - also für etwa ein Drittel aller Wahlberechtigten. Das deutet auf einen hohen Briefwähleranteil hin.
Morgen werden auch die Bezirksverordnetenversammlungen der Hauptstadt neu gewählt. Hier sind gut 2,7 Millionen Menschen zur Stimmenabgabe berechtigt. Die Differenz zur Wahl zum Abgeordnetenhaus ergibt sich dadurch, dass bei der Kommunalwahl auch in Berlin lebende Staatsangehörige anderer EU-Länder wahlberechtigt sind.
Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt in Berlin beschäftigt die Wählerinnen und Wähler in der Hauptstadt. "Das hat auch den Wahlkampf sehr dominiert", sagt ARD-Reporter Thorsten Gabriel im Gespräch mit tagesschau24. Die hohen Mieten und der Umgang damit seien die bestimmenden Themen gewesen. "Dahinter dann eher mit Abstand noch Fragen der Inneren Sicherheit nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day."
Mit Blick auf die Rolle bundespolitischer Themen sieht Gabriel einen geringen Einfluss auf den Berliner Wahlkampf: "Die Unbeliebtheitswerte des Kanzlers haben sicherlich einem Stefan Evers als Spitzenkandidaten der Berliner CDU nicht sonderlich gut getan. Aber ansonsten haben die bundespolitischen Themen und Querelen im Wahlkampf keine Rolle gespielt."
Im Berliner Wahlkampf hat es in der Zeit von Anfang August bis Mitte September mehrere Hundert Straftaten gegeben, die meisten richteten sich gegen die AfD. Das geht aus einer Statistik der Berliner Polizei hervor, die dem rbb exklusiv vorliegt.
Demnach hat die Polizei insgesamt 39 Angriffe auf Parteimitglieder und Wahlkämpfer registriert. Dazu zählen etwa Beleidigungen, Einschüchterungen oder sogar körperliche Gewalt. Laut Polizei handelt es sich dabei nur um registrierte Fälle. Die Dunkelziffer liegt eher höher. Am häufigsten betroffen waren demnach Anhänger der AfD mit 18 gemeldeten Fällen. In jeweils acht Fällen wurden Vertreter von Grünen und Linken angegangen. Bei der SPD waren es drei Fälle und bei CDU und BSW je einer.
Deutlich häufiger noch wurden Wahlplakate beschädigt - in mindestens 1.252 Fällen. Auch hier war die AfD am häufigsten Ziel, mit 801 zerstörten Plakaten. Darüber hinaus wurden der Polizei seit dem 2. August 16 Straftaten gegen Parteieinrichtungen gemeldet, darunter Parteibüros und Infostände.
Einen Tag vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich ein enges Rennen zwischen SPD und AfD ab. Dass sich die Sozialdemokraten Hoffnungen auf einen Wahlerfolg machen dürfen, liegt sehr an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. "Dieser Amtsbonus ist schon ziemlich groß", analysiert ARD-Reporter Marek Walde bei tagesschau24. Sie setze auch genau auf diese Karte, im ganzen Land seien große Plakate mit ihrem Gesicht und Slogans wie "Die Frau gegen Blau" zu sehen. "Es ist schon eine große Personalisierung, die an der Stelle vonseiten der SPD stattfindet", sagt Walde.
Kritik an Schwesigs Wahlkampf gab es zuletzt von den Grünen. Mit ihrer Darstellung, nur sie allein könne die AfD verhindern, riskiere Schwesig "den Sieg der demokratischen Kräfte für einen kurzen Jubelmoment", sagte die Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner der Bild. Auch CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters übte Kritik an Schwesig. Ihre Strategie ziele auf eine Spaltung der Gesellschaft ab, womit die AfD gestärkt werde, sagte Peters.
Vor dem schwierigen Wahlsonntag in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bekommt Bundeskanzler Friedrich Merz weiteren Rückhalt. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann rief zur Geschlossenheit und Fortsetzung der gemeinsamen Regierungsarbeit aufgerufen. Das Land stehe innen- wie außenpolitisch unter Druck, sagte der CDU-Politiker. "Gerade jetzt ist es wichtig, dass die Regierung stabil bleibt und Reformen vorantreibt. Friedrich Merz steht als Kanzler entschlossen für diesen notwendigen Reformkurs."
Auch der frühere CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet, hält die Debatte über einen Sturz von Bundeskanzler Friedrich Merz für verfehlt. "Es muss schon sehr viel zusammenkommen, bis ein Kanzler gestürzt wird", sagte er. Deswegen finde er das Gerede darüber auch nicht hilfreich, denn es schwäche den Kanzler zusätzlich. Der bevorstehende Sonntag sei "für die demokratische Landschaft in Deutschland und für die CDU ein entscheidender Wahltag", fügte er mit Blick auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin hinzu.
In Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in den Umfragen zuletzt Boden gut gemacht und den Abstand zur AfD verkürzt. Bei der Bundestagswahl 2025 landete die AfD in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 20 Prozentpunkte vor der SPD. In der ARD-Vorwahlumfrage von infratest dimap war der Abstand zuletzt noch bei fünf Punkten:
In Berlin könnte erstmals eine Linken-Politikerin Regierende Bürgermeisterin werden. Es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Spitze ab. In der ARD-Vorwahlumfrage von infratest dimap liegt die Linke knapp vor der CDU.
Laut allen Umfragen der vergangenen Wochen kommt keine Zweier-Koalition auf eine Mehrheit, auch nicht das regierende Bündnis aus CDU und SPD. Wahrscheinlicher sind Dreier-Koalitionen - entweder gehen CDU, Grüne und SPD zusammen oder aber Linke, Grüne und SPD. Die AfD dürfte bei der Regierungsbildung außen vor bleiben, weil die übrigen Parteien eine Zusammenarbeit mit ihr ablehnen.
Willkommen zum Liveblog für die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am Sonntag. Alle wichtigen Entwicklungen und Hintergründe vor dem Wahltag finden Sie bereits heute hier. Schön, dass Sie dabei sind!