Stand: 30.07.2026, 19:00 Uhr
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Die Siedlung Lohnewinkel in Lembruch am Dümmer entstand ab 1925 auf ehemaligen Lohnewiesen der Familie Dittmer. Die ersten Häuser waren nur zu Fuß erreichbar – mit Sack und Pack auf dem Arm.
Lembruch – Das kunstvoll handgemalte Plakat verriet das Thema des Tages: 100 Jahre Wochenendhäuser an der Lohne. Die stehen in Lembruch/Eickhöpen in den ehemaligen Lohnewiesen der Familie Dittmer. Die Fläche nennt sich „Lohnewinkel“ und hat die Besonderheit, nur eine Straße mit Hausnummern zu haben. „Das haben wir erfolgreich erkämpft“, erklärt Karsten Dittmer. Denn die Zersplitterung durch völlig verwirrende Straßenbezeichnungen wollte er nicht. Die seit 1925 gewachsene Siedlung hat 73 Grundstücke für Wochenendhäuser. Zum 100. Geburtstag hatten Beate und Karsten Dittmer Gäste, Freunde, Pächter, Wochenendler, Lohnewinkler und Nachbarn auf ihren Hof eingeladen.

Zur Entstehungsgeschichte der Siedlung holte der Gastgeber weit aus: „Grundlage war, dass meine Urgroßeltern 1918 unseren Hof erwarben. Dann dauerte es nur acht Jahre, bis die ersten Natur- und Urlaubssuchenden die Lohnewiesen entdeckten.“ Dittmer mutmaßte, dass es an dieser Stelle wohl auch die ersten Urlauber überhaupt in Lembruch gewesen waren, die aus der Enge der Großstadt flohen. Zum Vergleich: In Hüde Hohe Sieben sind für 1920/21 die ersten Urlauber belegt.
„Kühe standen bis vor den Fenstern, die ersten Häuser in den Wiesen waren nur fußläufig mit Sack und Pack auf dem Arm zu erreichen“, berichtete Karsten Dittmer. Aber eine Idee war geboren. „Flächen und Wiesen an fremde Menschen aus der Stadt zu vergeben, sich überhaupt mit Menschen aus der Großstadt zu befassen, war ein Schritt, der damals nicht alltäglich war“, blickte er zurück und gab sich und seiner Familie damit das Prädikat „weltoffen“.
Die Eindeichung des Dümmers im Jahr 1953 machte den See und die Überschwemmungen der Wiesen beherrschbar. Die Flächen hinterm Deich blieben so auch im Winter trockener. In den 1970er-Jahren wurde die Lohnesiedlung erschlossen und als Siedlung „Lohnewinkel“ weiterentwickelt. Heute sind die Grundstücke ausschließlich verpachtet, seit 1996 regelt Karsten Dittmer in vierter Verpächter-Generation die Belange der Siedlung.
Ein Blick in die Runde der Gäste verriet: Hier tummeln sich viele Generationen Dümmer-Liebhaber. Den Beleg dazu lieferten die von Dittmer mit Medaillen beschenkten Eberhard Heise (91 Jahre), Peter Lehmann (79), Heino Nolte (78) und Rudi Riehemann. Hinter den Namen verbergen sich Lebens- und Familiengeschichten am See. Rudi Riehemann kam 1958 ganz allein aus Osnabrück/Haste an den Dümmer und blieb 68 Jahre. „Wir waren die Haster Jungs und hatten uns ein Segelboot gebaut, das musste doch irgendwo schwimmen“, erläuterte der Mann, der für die Häuser im Lohnewinkel eine Chronik schrieb, warum es ihn an den See gezogen hatte.
Oder Peter Lehmann aus Bielefeld/Schildesche, dessen Eltern ein Pachtgrundstück erwarben und ein Häuschen bauten. „Wir urlauben hier schon in vierter Generation, und wir segeln alle gerne, Kinder und Enkel“, erzählte er.
Eine enge Verbindung besteht zwischen den Nachbarn Heino Nolte und dem am weitesten angereisten und wohl ältesten Gast Eberhard Heise. „Meine Eltern haben 1950 das Haus von Eberhards Mutter Gabriele Heise gekauft“, erklärte Nolte. Er stammt aus Bielefeld, wohnt in Bochum und segelte lange. Seit 1978 besucht er den Dümmer regelmäßig. Die Geschichte der Malerin Gabriele Heise wurde auch am Dümmer geschrieben und hat viele Einflüsse auf Sohn Eberhard. „Mein Vater war Arzt in Bielefeld, meine Mutter Malerin“, erzählte Heise, der extra aus Berlin per Zug angereist war, um dabei zu sein. Ihn verbindet viel mit Lembruch und Diepholz, wo er an der Graf-Friedrich-Schule Abitur machte. „Nach dem Abi bin ich zur See gefahren, und dann hab ich in Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studiert“, berichtete er.
Das elterliche Haus steht in erster Reihe und hatte ein Reetdach mit Pferdeköpfen. „Wie sich das gehört“, so Heise. Der Vater hatte es 1928 erbaut. Ein zweites, das Nachbarhaus, plante der Diepholzer Architekt Gäbelein. So stehen heute die Nummern 20 und 21 nebeneinander und „schauen“ auf den See.