Stand: 12.08.2026, 19:00 Uhr
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Henning Kothe arbeitet eine Woche in seiner Hamburger Praxis, die nächste im Auswärtigen Amt. Am 15. August tritt er mit seinem Programm „Urlaub auf Rezept" im Oytener Rathaus auf.
Oyten – Seinen weißen Kittel trägt er hauptsächlich auf der Bühne. In eine Rolle muss Henning Kothe, der in seiner Hamburger Praxis auf Lungenerkrankungen spezialisiert ist, dafür nicht schlüpfen, er kann er selbst sein. Der Arzt, der über Viren spricht, über Cholesterin, Blutdruck, Partyurlaub ohne Alkohol. Und als wäre das nicht genug, ist er auch noch Akrobat, Komponist und Tenor. Seine Vielseitigkeit ist am Samstag, 15. August, um 20 Uhr auf Einladung des Vereins Kultur in Oyten (Kio) im Rathaus zu sehen.
Als „Tausendsassa“ wurde er einst in einer Vorstellung seiner Person bezeichnet. „Das finde ich schon schön.“ Früher habe er daran zu knabbern gehabt. Denn von außen wurde er als Arzt wie auch als Musiker infrage gestellt. „Irgendwann hat sich manifestiert: Ich bin eben beides.“
In Bremen ist Kothe geboren, in Oyten aufgewachsen, hat dort das Klavierspiel gelernt. Mit etwa 14 Jahren begann er, die Orgel zu spielen, hat Hochzeiten und Beerdigungen begleitet. Während seiner D-Prüfung für Kirchenmusik wurde seine Singstimme entdeckt. Doch als er auf seinen Abschluss am Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium zusteuerte, merkte er, dass er nicht sein Berufsleben an der Orgel verbringen möchte. Stattdessen haben ihn Sascha Hehn und die Schwarzwaldklinik inspiriert, ein Praktikum in einer Bremer Lungenfachklinik zu machen. In Lübeck studierte er Medizin, nach seinem Physikum parallel auch Musik. „Musik ist nicht nur ein Ausgleich. Ich lebe es.“
Viele Jahre schon betreibt er seine Praxis in Hamburg. Seine Tätigkeit als Arzt war schon immer Inspiration für seine Stücke. Alltägliche Begebenheiten, die er überzeichnet auf die Bühne bringt. „Den Blickwinkel aus dem weißen Kittel finden die Leute sehr komisch, wenn sie sich wiederfinden oder in den Gedanken ertappt fühlen.“ Seine Tätigkeit im Auswärtigen Amt hat ihn auf sein Programm „Urlaub auf Rezept“ gebracht. „Unsere Mitarbeiter im Ausland beraten wir die ganze Zeit, da gucken wir den ganzen Tag über den Globus. Es ist naheliegend, das aufzunehmen und zu gucken: Was sind das für Geschichten, was ist für mich spannend, was passiert dort, wenn ich rausgucke, was erlebe ich auf der Reise?“

Zum Auswärtigen Amt brachte ihn die Frage, was er im Alter wolle. Als er von der freien halben Stelle, befristet auf zwei Jahre, erfuhr, hatte er die Antwort. Die Anforderungen konnte er alle erfüllen. „Infektiologie ist ein Seitengebiet, da viele Infektionen über die Lunge gehen.“ Die hohen Einstiegshürden haben ihn herausgefordert. „Ich habe noch einmal zeigen müssen, was ich kann.“ Mit Erfolg. Seither arbeitet er wechselweise je eine Woche in Hamburg in seiner Praxis und in Berlin im Amt. Auf Reisen begleitet er schon mal den Bundeskanzler Friedrich Merz, hauptsächlich aber seinen Chef, Außenminister Johann Wadephul. Beide verbindet die Liebe zur plattdeutschen Sprache, die sie untereinander im Gespräch hegen und pflegen. „Das macht einen Mordsspaß.“
Ausruhen und Chillen sind nicht sein Ding. „Ich glaube, wir müssen die unterschiedlichen Gehirnhälften aktivieren. Das erfrischt.“ Dieses Gefühl habe er, wenn er Musik macht, wenn er auf der Bühne steht. So spielt er im Volkstheater, aber genauso in Scheunen und in Ratssälen, wie jetzt in Oyten. „Die Scheune mit 100 Leuten ist für mich noch immer das Schönste, man spürt den Atem der Leute, wenn sie lachen.“ Nur einmal wurde aus seiner künstlerischen Leidenschaft fast eine Last. Cornelia Funkes Buch „Drachenreiter“ hat er in eine Oper verwandelt. Vier Jahre lang hat er daran gearbeitet. „Da stand ich sehr unter Termindruck und habe gemerkt, dass ich aufpassen muss, wenn der Druck von außen kommt.“
Daraus hat er gelernt, seine Energie zu bündeln, sich zu fokussieren. Ideen für die Bühne habe er aber noch genügend. Was ihm noch fehle, sei ein Jazz-Projekt mit klassischen Stücken. „Bach und Händel. Das ist Jazz pur, das muss man den Menschen zeigen.“ Zuerst aber freut er sich auf seinen Auftritt in Oyten, bei dem er hofft, viele bekannte Gesichter sehen zu können.