Madrid finanziert Woody Allens neuen Film mit Steuergeld – Kritiker sind empört

Stand: 02.10.2026, 19:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Der US-Regisseur hat in der Hauptstadt seinen 51. Film vorgestellt. Der Dreh startet am 5. Oktober mit öffentlichen Geldern. Kontroversen überschatten seine Laufbahn weiterhin.

Madrid – Woody Allen steht wieder hinter der Kamera. Der US-Regisseur hat an diesem Donnerstag (1. Oktober) in Madrid sein nächstes Projekt vorgestellt. Die Dreharbeiten beginnen am 5. Oktober, gedreht wird vor allem in der spanischen Hauptstadt und in Aranjuez. Allen betonte, wie sehr er es schätze, erneut mit spanischen Produktionsfirmen zusammenzuarbeiten.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel von Christina Thykjaer entstand in Kooperation mit Euronews

Allen ist inzwischen 90 Jahre alt. Bei der Präsentation standen ihm die Präsidentin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, und der Bürgermeister der Hauptstadt, José Luis Martínez-Almeida, zur Seite. Das Projekt wird von beiden Verwaltungen finanziert.

US-Regisseur Woody Allen hat in der Hauptstadt seinen 51. Film vorgestellt.

US-Regisseur Woody Allen hat in der Hauptstadt seinen 51. Film vorgestellt. © IMAGO / SOPA Images

Zusammen stellen die Madrider Institutionen knapp drei Millionen Euro über Sponsoringverträge bereit, die unter anderem die internationale Vermarktung Madrids zum Ziel haben. Die Verantwortlichen sehen darin eine Investition in Kultur und Tourismus.

Der Film, der noch keinen endgültigen Titel hat und vorläufig unter „Wasp 2026“ läuft, ist als Komödie geplant, in der Liebe, Intrigen und Seitensprünge ineinanderfließen. Zum Cast gehören Jemima Kirke, Alexi Wasser und Peter Vives, ein großer Teil des technischen Teams kommt aus Spanien. Der Dreh ist für rund sechs Wochen an etwa 30 Schauplätzen angesetzt. Details zur Handlung wollte das Team vorerst nicht verraten.

Madrid soll international vermarktet werden

Die Sponsoringvereinbarung schreibt zudem vor, dass der Name Madrid im Titel auftauchen muss. Der Film soll bekannte Orte der Region zeigen. Die Region Madrid hatte bereits eine Unterstützung von rund eineinhalb Millionen Euro zugesagt, um das Werk gezielt für die touristische Werbung zu nutzen. So sollen etwa ikonische Plätze, Museen und Straßen als Kulisse dienen.

Vertreter der Regionalregierung erklärten, das Projekt passe in ihre Strategie, internationale Produktionen anzulocken. Man erhoffe sich von der Zusammenarbeit mit Woody Allen zusätzliche Sichtbarkeit auf wichtigen Märkten. Kritiker bemängeln jedoch, dass für einen einzelnen Film hohe öffentliche Mittel bereitgestellt werden, während andere Kulturprojekte um Förderung kämpfen.

Allen meidet aktuelle politische Debatten

Bei dem Termin in der Hauptstadt wurde Allen auch nach den Protesten rund um die Wohnungsfrage in Madrid gefragt. Der Regisseur wollte sich dazu nicht äußern und betonte, er habe sich nie als politischen Filmemacher verstanden. Er sehe seine Arbeit vor allem darin, Geschichten über Menschen und Beziehungen zu erzählen.

Auf aktuelle Konflikte oder parteipolitische Fragen wolle er sich nicht festlegen lassen. Auf die explizite Frage nach Faschismus machte er jedoch deutlich, dass er diese Ideologie ablehnt. Er erklärte, er lehne jede Form von Extremismus ab, wolle aber, dass seine Filme für Zuschauerinnen und Zuschauer mit ganz unterschiedlichen Hintergründen funktionieren.

Mit der neuen Produktion kehrt Allen nach Spanien zurück, wo er bereits „Vicky Cristina Barcelona“ und „Rifkin’s Festival“ gedreht hat. Beide Filme wurden unter anderem wegen ihrer Darstellung der Städte und Landschaften viel diskutiert.

Späte Karriere und Wandel der Filmbranche

Zugleich räumt der Regisseur ein, dass dies eine seiner letzten Arbeiten sein könnte – wegen seines Alters und der tiefgreifenden Veränderungen in der Filmbranche. Er verwies auf die wachsende Dominanz von Streaming-Plattformen und Superhelden-Franchises im Kinoprogramm.

Nach eigener Aussage fällt es unabhängigen Filmemachern zunehmend schwerer, klassische Kinoproduktionen zu finanzieren. Allen machte deutlich, dass er weiterhin Ideen für neue Filme habe, aber realistisch bleiben müsse. Die Arbeitsbedingungen am Set seien anstrengend, und Produktionsprozesse seien komplexer geworden.

Gleichzeitig sagte er, das Publikum habe sich verändert, da viele Menschen Filme vor allem zu Hause sähen. Ob er nach „Wasp 2026“ noch einmal eine größere Produktion angehen werde, ließ er offen.

Kontroversen begleiten Woody Allen

Mit der Rückkehr des Regisseurs nach Spanien rücken auch die Debatten wieder in den Vordergrund, die seine Karriere seit Jahrzehnten begleiten. Im Mittelpunkt stehen die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs seiner Adoptivtochter Dylan Farrow. Sie behauptet, Allen habe sich 1992 an ihr vergangen, als sie sieben Jahre alt war.

Der Filmemacher weist diese Anschuldigungen bis heute zurück und bezeichnet sie als falsche Anschuldigungen, die sein Image dauerhaft belastet hätten. Der Fall wurde in den USA untersucht. Gegen Allen wurde jedoch nie offiziell Anklage erhoben, er stand nicht vor Gericht.

1993 erklärte der Staatsanwalt des Bundesstaats Connecticut, Frank Maco, es gebe hinreichende Gründe für eine Anklage. Er verzichtete dennoch darauf, weil ein Prozess Dylan Farrow schaden könnte. Allen betont seitdem, die Vorwürfe seien erfunden, während seine Kritiker ihm vorwerfen, sich der Verantwortung zu entziehen.

#MeToo-Debatte und berufliche Folgen

Jahrzehnte später gewann die Kontroverse erneut an Gewicht, besonders in der #MeToo-Ära und nach der Veröffentlichung des Dokumentarfilms „Allen v. Farrow“ im Jahr 2021.

Die Vorwürfe hatten auch berufliche Folgen: Einige bekannte Hollywood-Persönlichkeiten gingen öffentlich auf Abstand zu dem Regisseur, und ein mehrteiliger Filmvertrag mit Amazon endete vorzeitig. Aus dem Streit entstand eine Klage, die später zurückgezogen wurde.

Einige Schauspielerinnen und Schauspieler spendeten ihre Gagen aus gemeinsamen Projekten an Hilfsorganisationen. Andere erklärten, sie würden künftig nicht mehr mit ihm arbeiten. Unterstützer Allens verwiesen hingegen auf die fehlende Anklage und warfen Teilen der Branche eine Vorverurteilung vor. Das Bild des Regisseurs blieb dadurch tief gespalten, besonders in den USA.

Privatleben und Beziehung zu Soon-Yi Previn

Ein weiterer stark umstrittener Teil seines Privatlebens ist seine Beziehung zu Soon-Yi Previn, der Adoptivtochter von Mia Farrow und André Previn. Allen begann eine Affäre mit ihr, während er noch mit Farrow liiert war. Die Beziehung wurde Mitte der 1990er-Jahre öffentlich und löste einen Skandal aus, der international Schlagzeilen machte.

Woody Allen und Soon-Yi Previn.

Woody Allen und Soon-Yi Previn. © IMAGO / Cover-Images

Viele Beobachter kritisierten vor allem das Machtgefälle und die familiären Verstrickungen. Allen und Previn heirateten 1997 in Venedig – er war damals 62 Jahre alt, sie 27. Das Paar lebt bis heute zusammen und hat zwei Adoptivkinder. In Interviews betonen beide, ihre Beziehung sei stabil und von außen missverstanden worden.

Gleichwohl hat die Verbindung Al­lens Ruf nachhaltig geprägt und trägt dazu bei, dass jede neue Arbeit des Regisseurs von anhaltenden Kontroversen begleitet wird.