Stand: 12.08.2026, 14:43 Uhr
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Zum Fest Mariä Himmelfahrt werden traditionell Kräuter zu Sträußen gebunden und geweiht. Anneliese Stockinger aus Bad Heilbrunn ist es ein Herzensanliegen, ihr Wissen weiterzugeben.
Bad Tölz – Schon seit dem 10. Jahrhundert binden Menschen zum Fest Mariä Himmelfahrt Kräuter zu Sträußen und lassen sie anschließend weihen. Die Tradition des Kräuterbuschenbindens liegt der Kräuterpädagogin Anneliese Stockinger aus Bad Heilbrunn besonders am Herzen. Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und möchte die Tradition an möglichst viele Menschen weitergeben.
Sieben Hauptkräuter für den Kräuterbuschen
„Bestehen sollten die Kräuterbuschen aus mindestens sieben Hauptkräutern“, erklärt Stockinger und zählt auf: Wermut, Kamille, Johanniskraut, Salbei, Königskerze, Spitzwegerich und Arnika. Die Königskerze komme in die Mitte, darum herum sei die restliche Anordnung frei wählbar. Die Buschen könnten um weitere Pflanzen erweitert werden, sollten laut der Heilbrunnerin jedoch stets eine „magische Zahl“ an Kräutern enthalten, wie 9, 12, 15 oder 19. „Ich gehe einfach in den Garten und ergänze die Kräuterbuschen durch eigene Pflanzen“, sagt Stockinger.
Neben den üblichen Kräutern gebe es sogenannte Marienpflanzen, die eine besondere Symbolik mit Bezug zur Gottesmutter aufweisen. So stehe das Veilchen durch seine tiefviolette Farbe für die himmlische Demut und Tugend. Andere Marienpflanzen seien das Gänseblümchen, die Rose oder auch Pfingstrose, die weiße Lilie, die Schwertlilie und die blaue Akelei. Doch auch andere Gewächse, wie Haselnusszweige oder Walderdbeeren, könnten für die Kräuterbuschen verwendet werden. Die Walderdbeere etwa symbolisiere die Speise der Seligen und Kinder im Paradies, erläutert Stockinger.
Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt
Am Tag Mariä Himmelfahrt, dem 15. August, werden die gebundenen Buschen nach Angaben Stockingers geweiht, dann getrocknet und schließlich im Herrgotteswinkel kopfüber aufgehängt. Alternativ könnten sie auch unter Dachbalken gesteckt werden. Stockinger ergänzt, dass die geweihten Kräuter zu früheren Zeiten in das Futter der Tiere gemischt wurden, um diese von Krankheiten zu heilen. Bei schweren Unwettern solle das Verbrennen der Kräuter zudem Schutz bieten.
Dass die Kräuterbuschen traditionell im August gebunden werden, ist kein Zufall. „Das ist die Zeit, in der die Kräuter und das Getreide ihre volle Reife erreichen“, sagt Stockinger. Die besondere Verbindung zu den Kräutern erkenne man in altchristlichen Gebeten, in denen Maria als „Blume des Feldes und Lilie der Täler“ bezeichnet wurde. Einer Legende zufolge soll ein „wundersamer Kräuterduft“ das Grab Mariens erfüllt haben.
Ausbildung als Kräuterpädagogin
Für Anneliese Stockinger war das Kräuterbuschen-Binden schon von Kindheit an ein fester Bestandteil ihres Lebens. Was sie besonders daran liebe, sei einerseits der traditionelle Aspekt, andererseits aber auch das Wissen über die Pflanzen im Allgemeinen. „Das Erkennen und Zuordnen ist einfach das Schöne daran“, sagt sie.
Nachdem Stockinger 35 Jahre im Pfarrbüro gearbeitet hatte, trat sie 2011 eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin an. 2012 schloss sie diese erfolgreich ab. Unterstützt habe sie dabei der Zuspruch der Familie, erzählt Stockinger. Seit 2013 bietet die Kräuterpädagogin Führungen durch den Kräutergarten der Gemeinde Bad Heilbrunn an.
„Ich brenne einfach für die Kräuter“, betont Stockinger. „Mein Wunsch ist es, diese Begeisterung und das Wissen auch an andere Menschen weiterzugeben.“ Auch Neueinsteiger zeigen sich interessiert an der Kräuterkunde, berichtet sie. Man benötige keinerlei Vorkenntnisse. Im Rahmen der Parkführungen gehe man gemeinsam durch den Kräutergarten und erhalte Erklärungen zu den einzelnen Pflanzen. „Man soll sie als ein Geschenk und eine Gabe Gottes erachten.“