Streamingdienst Spotify kennzeichnet bald die Profile von KI-generierten Künstler:innen. Ein Paradigmenwechsel bei der sonst so techvernarrten Plattform.
Foto: Rafael Henrique da Silva/IMAGO/Zoonar.com
Der schwedische Streamingdienst Spotify gab am Dienstag bekannt, dass Profile von Künstler:innen, deren Identitäten KI-generiert sind, in Zukunft gekennzeichnet werden. Sogenannte „AI Persona Badges“ werden für Nutzer:innen ab September sichtbar.
Diese Kennzeichnung bezieht sich ausdrücklich nicht auf die Machart der Musik, sondern vielmehr auf Bilder und andere Elemente, die den Eindruck entstehen lassen könnten, es handle sich um reale Personen. Musik der artificial artists wird überdies nicht in algorithmische und redaktionelle Empfehlungen aufgenommen.
Spotify hatte bereits im April mit „Verified by Spotify“ eine Kennzeichnung von echten Musiker:innen eingeführt und bietet Künstler:innen die Möglichkeit, den Einsatz von KI in einzelnen Songs zu kennzeichnen. Auch die AI Persona Badges werden auf Basis freiwilliger Meldung zu den Profilen hinzugefügt, doch prüft Spotify ebenso selbst Verdachtsfälle. Damit stellt die Einführung der Kennzeichnung einen Paradigmenwechsel des Unternehmens im Umgang mit KI-generierten Inhalten dar.
Obwohl der Branchenführer in Deutschland zuletzt häufiger in der Kritik stand, angefangen mit den viralen Erfolgen der KI-Fake-Rock-Band The Velvet Sundown bis hin zu „Coverversionen“ bekannter Hits wie Stromaes „Papaoutai“. Vor allem Künstler:innen und Bands aus dem Mittelbau und vom unteren Rand haben im Streamingzeitalter enorm damit zu kämpfen, dass Unbefugte über ihre Künstlerprofile KI-generierte Musik veröffentlichen. KI ist zentraler Teil der Produktstrategie von Spotify. Sie verspricht, zukünftig als „agentischer“, das heißt KI-getriebener, Service zu funktionieren.
Erst Flutung, dann Sinneswandel
Wohl auch deshalb schob man der Flutung des Dienstes – laut Angaben des Konkurrenten Deezer werden derzeit pro Tag rund 90.000 vollständig KI-generierte Musikstücke auf die Plattformen geladen – kaum einen Riegel vor. Ein Sinneswandel hin zu „mehr Transparenz und Vertrauen“, wie es in einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung heißt, wird nicht begründet. Neben dem Inkrafttreten von strengeren EU-Regeln im Umgang mit KI könnte allerdings auch wachsender ökonomischer Druck eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben.
Einerseits fordert die Musikindustrie seit geraumer Zeit mehr Transparenz, andererseits hat Spotify inzwischen mehr Konkurrenz von den Streamingdienstern Deezer und Qobuz, die mit größerer Offenheit schon früher gepunktet haben: Deezer etwa kennzeichnet bereits seit Anfang 2025 KI-Musik als solche und entfernt sie schnell aus allen Empfehlungen. Das harte Durchgreifen scheint sich ausgezahlt zu haben: Deezer meldete für das Jahr 2025 erstmals Profit, die Abozahlen steigen moderat an.
Womöglich ließe sich der unerwartete Schritt von Spotify hin zu mehr Transparenz also auch so erklären: Erfolge der Wettbewerber haben verdeutlicht, dass signifikante Teile des Publikums eine KI-freie Hörerfahrung bevorzugen. Vielleicht ist das auch der Anfang vom Ende des forcierten Hypes um KI-Musik.
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